U2 – Die Außerirdischen sind gelandet

Ein U2-Konzert ist ein Gesamtkunstwerk: Es beginnt beim Betreten des Stadionareals: Ein Riesenkrake? Eine expressionistische Palme? Ein Raumschiff? Wohl allen blieb erst einmal der Mund offen stehen bei dieser gigantischen Bühne, die extra für diese 360°-Tour gebaut worden ist und ihresgleichen sucht. Hier der Bericht aus dem Olympiastadion in Berlin am 18.07.2009.

Scroll this

Autor: Manu

Wer sich auf einem U2-Konzert langweilt, der muss taub UND blind sein; oder ein völliger Ignorant dieser Band, die seit fast 30 Jahren das Musikgeschehen maßgeblich beeinflusst hat. Welche Band, die seit Anfang der 80-er Jahre weltweit Erfolge feierte, füllt heute noch die größten Stadien?! Bono und Co könnten sich ausschließlich für die alten Kracher und Hymnen feiern lassen, was sie u.a. bei „With or Without You“ (Zugabenteil) und „I Still Haven’t Found, What I’m Looking For“ auch tun; Gänsehautfeeling pur, wenn das Publikum den Gesangspart übernimmt und 90 000-stimmig die komplette erste Strophe singt, sodass Bono vom Bühnenrand aus nur überwältigt und stolz zuhört und –schaut.

Nein, U2 sind von je her offen für Neues und experimentieren, haben sich anderen Einflüssen, wie z. B. der Weltmusik und der elektronischen Musik, bis hin zum Techno, nie verschlossen: So konnte man am Samstag im Olympiastadion erleben, wie Larry Mullen Jr. seinen Stammplatz hinter den Drums verließ, um mit einer Bongotrommel ausgerüstet den Laufsteg entert und dem Publikum mit afrikanisch anmutenden Tönen einheizt. Natürlich kosten diese Experimente der Band auch Fans; gerade Deutschland ist keine U2-Hochburg; nur zwei Konzerte stehen hier an, wo andernorts, z. B. im Londoner Wembley-Stadion oder in Barcelona, mehrere Konzerte hintereinander stattfinden.

Aber anderseits machen gerade diese Vielfalt, die Überraschungsmomente, das Spiel mit den Fans, der Spaß an der Musik, die Ernsthaftigkeit und der Rockstar-Gestus sowie dessen Ironisierung (Bono mit blinkendem Anzug) den Reiz der Konzerte aus. Kein Abend ist wie der andere: U2 wissen, was sie ihren Fans schuldig sind: „It’s an experiment“, so kommentiert Bono den „Gastauftritt“ von drei Fans, die bei „Angel Of Harlem“ eine Gitarre bzw. einen Bass umgehängt bekommen; auch das Schlagzeug wird neu besetzt. Die Drei können ihr Glück kaum fassen – und möchten die Bühne am liebsten nie wieder verlassen…Danach gleich die nächste Überraschung: „Stay (Faraway, So Close!)“, eine Hommage an Berlin (in dieser Stadt ist das grandiose „Achtung Baby“-Album entstanden) und speziell an den sich im Stadion befindenden Wim Wenders, für dessen Film „Himmel über Berlin“ der Song als Soundtrack diente. „Stay“ ist erstmals seit 2001wieder auf einem Konzert gespielt worden! Auch andere selten live gespielte Stücke durfte das Berliner Publikum genießen: „Mysterious Way“ (mit einem kleinen „Zoostation“-Augenzwinkern) oder „Unforgettable Fire“.

Nach 2 Stunden und 10 Minuten (auch das ist Berlin; Punkt 23 Uhr müssen Open Air-Gigs vorbei sein…) endete das mit dem gewöhnungsbedürftigen „Breathe“ begonnene Konzert mit dem wunderbar gefühlvollen „Moment Of Surrender“, welches ebenfalls auf der neuen CD, „No Line On The Horizont“, zu finden ist.

Ja, den einen wurden zu viele neue Titel (7 Stück, somit ein Drittel der Setlist) gespielt, die anderen wollten mehr Innovation, die nächsten vermissten „ihren“ Lieblingssong; den einen wurde zuviel, den anderen zu wenig politisiert…Aber gerade die Statements waren gelungen: Mal wandte sich Desmond Tutu mittels einer Videobotschaft direkt an die Konzertbesucher: Wir alle sind Menschen; wir sind eins –„One“; dann wieder wurden Botschaften subtil vermittelt, indem bei „Sunday, Bloody Sunday“, dem Song, der die Sprachlosigkeit gegenüber politisch und religiös Gewaltattacken und die Hoffnung auf ein Ende derselben thematisiert, arabische Schriftzeichen auf den überdimensionalen, von allen Plätzen gut sichtbaren Videoleinwänden eingeblendet – und dann sprachen einfach die Lieder für sich: „Pride“, „MLK“ (Martin Luther King)…

Ein U2-Konzert ist ein Gesamtkunstwerk: Es beginnt beim Betreten des Stadionareals: Ein Riesenkrake? Eine expressionistische Palme? Ein Raumschiff? Wohl allen blieb erst einmal der Mund offen stehen bei dieser gigantischen Bühne, die extra für diese 360°-Tour gebaut worden ist und ihresgleichen sucht. Von allen Seiten und Plätzen wunderbar einsehbar, das Olympiastadion noch um 15 Meter überragend, mit tollen Licht- und Videoeffekten ausgestattet war diese Center-Stage allein fast schon den Besuch wert! Und dann der nächste Knaller: Snow Patrol als Vorband! Mit Spielfreude und Bühnenpräsenz – und natürlich tollen Songs („Chasing cars“, welches vielen doch sehr bekannt vorkam) wurde dem Publikum wahrlich eingeheizt! Und dann U2…

Bono, Edge, Adam und Larry: “We can’t live without you”! Ihr werdet noch gebraucht; eure Musik, euer Sich-Einmischen. Wenn es mehr Berühmte und/oder Reiche gäbe, die ihre Popularität und ihr Geld nutzten, um zu helfen, dann würde es den ein oder andern „ Sunday, Bloody Sunday“ oder Orte, „Where The Sreets Have No Name“ weniger auf dieser Welt geben. Und da kann Bono nicht plakativ genug sein…


5 Kommentar

  1. Dieser Bericht steigert meine Vorfreude auf das Konzert in der Veltins-Arena noch um Einiges! Deine Schilderung ist toll und informativ, und ich bin gespannt, ob U2 die Setlist auch am 3. August wieder ändert. Vielen Dank.

  2. Ich bin auch am 3. August beim Konzert in der Veltins Arena. Da freue ich mich echt schon seit Monaten drauf. Allerdings kann ich mich noch an das letzte U“ Konzert in Gelsenkirchen erinnern: Der Sound ist dort meiner Meinung nach nicht ideal. Das habe ich dort auch schon bei anderen Konzerten in der Arena festgestellt – war sogar irgendeine Oper mit dabei :>.
    Ich werde jedenfall nach dem Konzert bei mir im Blog berichten.

  3. ich war beim berlin gig. echt wahnsinn, was da auf die beine gestellt wurde. kann man jedem nur empfehlen. und bono und co waren natürlich in topform.

Kommentar verfassen