Nicht denken, sondern sein – Die Münchner Band ACHT im Interview

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Die „Neuzeitstürmer“ von ACHT haben mit ihrer Debüt-Scheibe „Stell dir vor“ eine überzeugende Visitenkarte abgegeben: Intelligente deutsche Rockmusik. Bei ACHT sind Musiker am Start, die bereits viel Erfahrung im Musikbusiness gesammelt haben und deshalb genau wissen, was ihnen wichtig ist. ACHT – das sind Gil Ofarim (Gesang und Gitarre), Ossi (Oswin Ottl, Gitarre), Konti (Petros Kontos, Bass) und Andy Lind (Schlagzeug). Iris Mauch sprach für Musiktipps24 mit Gil und Ossi.

M24: Seit Oktober 2010 ist Euer erstes Album am Start. Wie kam’s dazu?

Gil: Ossi und ich kennen uns schon sehr lange, fast mein halbes Leben. Mit 14 ging meine erste Karriere los. Da haben wir schon zusammen Songs geschrieben. Das blieb bis heute so – und uns verbindet auch eine enge Freundschaft.

Vor dem Projekt ACHT hatte ich eine andere Band. Das war aber bereits am Ausklingen und ich wusste nicht so wirklich, was ich jetzt machen sollte. Aber der Ossi hatte einen Masterplan im Hinterkopf. Er hat zwei Songs geschrieben – auf deutsch. Ich habe zwar für Disney zwei deutsche Songs für zwei Kinofilme eingesungen, aber es war für mich eigentlich nicht vorstellbar, auf deutsch zu singen. Ossi hat’s getestet, das war erfolgreich – und dann gab’s ACHT.

M24: Ossi, wie hast Du es angestellt, dass Gil das Experiment mitgemacht hat?

Ossi: Ich habe Gil mit einem Trick ins Studio gelockt. Ich sagte, ich sei heiser, und so sang er die zwei Songs für mich ein. Sofort habe ich gemerkt, dass es einfach hammermäßig klingt, einfach knallermäßig. Ich war total begeistert – und so wurde das Ding gestartet.

Gil: Aber ich war mir unsicher, bin erstmal in den Urlaub geflogen für eine Woche und habe ständig diese zwei Songs gehört. Die ganze Zeit. Um mir das auch vorzustellen. Das ist der Grund, warum die CD „Stell dir vor“ heißt. Also, ich habe es mir in meiner Fantasie erst vorstellen müssen. Dann kam ich zurück und Ossi fragte: „Und…?“ Und ich sagte: „Ja, unter einer Voraussetzung – du bist mit dabei in der Band!“ Er musste kurz überlegen, aber dann war’s klar: Das machen wir.

Ossi: Dann haben wir uns gesagt, jetzt schreiben wir erstmal das Album, 12-15 Songs und dann schauen wir, wie es weitergeht.

M24: Ihr habt Euch für deutsche Texte entschieden. Warum?

Ossi: Warum sprichst Du hauptsächlich deutsch?

M24: Weil ich Deutsche bin…

Ossi: …das ist auch unsere Antwort (lacht). Ich denke einfach, dass es mittlerweile im Musikbusiness immer wichtiger ist, dass man authentisch ist.

Gil: Das ist der Hauptpunkt – authentisch sein. Es war am Anfang ungewohnt, aber wirklich nur kurz. Dann habe ich festgestellt: Mann, das ist ja eigentlich viel cooler. Das entspricht viel mehr dem, was ich bin. Und wenn du einfach du selber bist, dann fühlst du dich viel befreiter. Für mich ist es bei ACHT musikalisch absolut die Erfüllung. Aus einem Grund: Uns war von vorneherein klar, wir versuchen nicht zu sein wie… oder kopieren das oder adaptieren jenes, sondern wir sind, was wir sind.

Wir zwei kommen von der Gitarre, stehen halt auf Rockmusik, aber wir sind nicht nur diese eine Schublade, nur heavy, nur Rock, nur dies und jenes – ich schreibe auch Balladen, Ossi genauso. Wir stehen auch total auf Soulmusik. Als die CD fertig war, haben wir uns das angehört, und ob es nun „Ziel auf mich“ ist oder „Es werde Licht“ – zwei total verschiedene Richtungen, aber es passt trotzdem auf eine CD. Es ist beides authentisch ACHT.

M24: Ja, man hört durchgängig, dass es eine Band ist. Und es sind sehr ungewöhnliche Texte. Nicht so banal, sag’ ich jetzt mal.

Gil: Dankeschön!

Ossi: Das war uns auch ganz wichtig. Man entwickelt sich ja auch in jeder Richtung weiter. Wenn man an den Punkt kommt, an dem man immer authentischer wird, verändert sich eines: Man möchte einfach nur noch das machen, worauf man Bock hat. Wenn es klappt – gut. Und wenn nicht, dann halt nicht. Ich glaube, das Publikum merkt, wenn man sich verstellt, und nimmt das dann nicht an. Da hat sich das Publikum auch geändert im Laufe der Zeit.

Gil: Zum Glück.

Ossi: Absolut. Und bei dieser Entwicklung spielen natürlich auch die Texte eine Rolle. Früher waren die sicher auch bei mir „einfacher gestrickt“. Aber irgendwann, wenn man sich weiterentwickelt, merkt man, dass das Leben noch ein wenig anders spielt. Und es ist natürlich wichtig, dass das in die Texte einfließt. Das ist auch das, was ich als authentisch bezeichne. Die Texte spiegeln uns wider, wo wir sind, wo wir stehen und wie wir sind.

M24: Die Texte stammen hauptsächlich von Euch beiden? Es gibt da aber noch Daniela Ott, die mitgeschrieben hat…

Gil: Im Endeffekt ist das ganze Album von uns Dreien. Dani ist meiner Meinung nach eine großartige Texterin, auch wenn sie nie hauptberuflich so etwas gemacht hat. Sie schreibt Texte, die mich, Ossi und auch das Publikum persönlich berühren. Und wir beide machen den musikalischen Part. Es ergänzt sich sehr gut. Zusammen erarbeiten wir die Songs.

M24: Habt Ihr irgendwelche Lieblingszeilen? Oder einen Song, der Euch vom Gefühl her am nächsten ist?

Gil: Das ist phasenweise unterschiedlich, mal der, mal der – immer passend zur jeweiligen Stimmung.

Ossi: Bei mir ist es „Allein“, weil der Song eine Lebenssituation widerspiegelt, die ich vor 10 Jahren hatte. Damals habe ich den Song geschrieben und er ist deshalb wohl der persönlichste. Es gibt aber viele Textzeilen, die liebe ich einfach, weil sie in einer Zeile so viel aussagen bzw. man so viel reininterpretieren kann.

M24: Interessant, dass Du, Ossi sagst, „Allein“ sei Dein persönlicher Song. Gil singt ihn aber so, als sei es sein Song…

Ossi: Gil interpretiert das wirklich hammermäßig und mit viel Gefühl. Wir hängen ja fast jeden Tag zusammen, schreiben Songs zusammen, machen privat viel gemeinsam, haben eine sehr gute Freundschaft. Genauso ist es mit der Dani, sie ist ja meine Freundin. Wir kennen uns auch schon ewig lange. Wir haben einfach alle eine ähnliche Denkweise, haben uns parallel weiterentwickelt, deswegen funktioniert das so super gut mit den Texten. Und wenn Du einen Text geil findest, ist es glaube ich auch von der Interpretation her nicht schwierig.

Gil: He is my brother from another mother (beide lachen).

M24: Wovon lasst Ihr Euch inspirieren? Sind die Texte autobiografisch?

Gil: Absolut, ja.

Ossi: Das Schöne ist ja, dass die Texte so allgemein geschrieben sind, dass sie für jeden autobiografisch sind. Jeder kennt doch die Situation, dass man mal alleine sein muss. Jeder, der mal an seinem „Tränenbeckenrand“ gesessen ist, für den ist es autobiografisch. Das ist der Sinn, dass es nicht nur für uns so ist, sondern für jeden, der das hört. Ich habe so oft gehört, dass die Leute sagten: „Boah, der Text – unglaublich, das ist wie wenn er für mich geschrieben worden wäre. Ich habe das Gleiche erlebt.“

M24: Das heißt also, dass Ihr da schon Feedback bekommt…

Ossi: Ja, da kommt schon viel an Feedback, Gott sei Dank.

Gil: Es ist wichtig, dass du dir Dinge vorstellst, aber es ist auch wichtig, dass du sie sehen kannst. Insofern war die Tour mit Alex Max Band für uns sehr wichtig, dass wir gesehen haben, wie wir die Leute begeistern konnten. Das war einfach toll, dieses direkte Feedback zu bekommen.

M24: Für eine Vorband kann es eigentlich nicht besser laufen…

Gil: Das war der Hammer. Wir waren einfach glücklich und haben gesagt: „Siehst Du, es geht absolut voran.“ Und wir haben wahnsinnig viele neue Fans und Leute kennengelernt durch die Tour.

Ossi: Wenn man als Künstler Musik macht, dann braucht man auch den Response von außen. Wenn man so ein Feedback bekommt wie wir auf der Tour, das pusht natürlich. Das braucht man einfach als Musiker, sonst verhungert man ja irgendwie. Es heißt nicht umsonst: „Der Applaus ist der Lohn des Künstlers“.

Gil: Das ist eigentlich dein Lebenselixier.

M24: Also live spielen ist schon das, was man machen will…

Gil: Es gibt viele Künstler, die lieben Studioproduktionen. Es ist auch toll, aber eigentlich – ich kann da nur für mich sprechen – eigentlich geh’ ich ins Studio, um Sachen zu erarbeiten, damit ich wieder auf Tour gehen kann. Das ist für mich das Musiker- und Künstlerleben.

Ossi: Mann muss sich sein Publikum erspielen. Wenn jemand nach dem Konzert deine CD kauft, weil es ihm gut gefallen hat, das ist toll. Wenn jemand die CD kauft, weil er im Radio einen Song gehört hat, stellt er vielleicht fest, dass ihm der Rest doch nicht gefällt und er geht nicht in deine Konzerte. Aber jemand, den du dir erspielt hast – das ist eine ganz andere Qualität.

Gil: Und CDs haben wir auf dieser Tour wirklich wie warme Semmeln verkauft. Wir hatten nicht wenige dabei, mussten aber dreimal nachbestellen. Wir sind da sehr stolz drauf.

Es gibt wirklich nichts Schöneres als wenn du direkt die Reaktion der Leute siehst: Du gehst auf die Bühne, es ist noch dunkel, zum Teil stehen die Leute mit verschränkten Armen da oder holen sich ein Getränk und gucken, was kommt da jetzt. In den Youtube Clips von dieser Tour kann man sehen, dass es zum Schluss bei „Zufall“ keinen gab, der da nicht mitgesungen oder mitgeklatscht hat. Oder wenn du nach der Show am Merch-Stand selber die T-Shirts und die CDs verkaufst und die Leute kommen und sagen: „Ich kannte Euch vorher nicht, aber das ist auch völlig egal, Ihr wart Hammer, wann kommt Ihr wieder?“ Das ist wirklich das Publikum erspielen – und das ist ACHT.

M24: Ihr managt Euch selbst, macht fast alles selbst…Was steckt hinter dieser Entscheidung?

Gil: Sagen wir mal so: Das eine hatten wir oft schon durch, wo man Verträge unterschreibt und…ich will nicht sagen, andere machen lässt… Aber bei ACHT war es uns wichtig, authentisch zu sein, es so zu machen, wie wir uns das vorstellen. Und das ist nur dann möglich – ohne jetzt irgendwas schlecht zu reden an der Industrie oder an der Arbeit an sich mit den Leuten –, wenn du sagst o.k., dann muss man es auch selber durchziehen mit allen positiven und negativen Seiten.

Positiv ist, dass du absolute kreative Freiheit hast. Andererseits musst du dir darüber im klaren sein, es ist viel Arbeit. Und es ist zum Teil auch schwieriger, weil du nicht die Kontakte hast wie ein großes Unternehmen. Wir haben das eigene Label, wir sind die eigenen Manager, wir sind die eigenen Produzenten, die eigenen Songwriter, die eigene Merch-Firma, die eigenen Autofahrer, die eigenen Schlepper, die eigenen Techniker – alles in einem. Wir sind aber auch stolz darauf, dass es uns gelungen ist, als Indie Label mit EMI einen Deal für den Vertrieb abzuschließen. Das gab’s davor so nur in Amerika.

Ossi: Die Branche hat sich auch sehr verändert. Es ist alles schnelllebiger und die großen Konzerne haben nicht mehr die Möglichkeiten, im großen Stil langfristig in Künstler zu investieren. Über Myspace, Twitter, Facebook usw. haben Künstler heute die Möglichkeit, eigene Sachen in die Hand zu nehmen oder halt Bausteinsysteme mit Plattenfirmen zu machen. Dass man deren Vertrieb und die Promotion nutzt und alles andere selber macht. Das ist ein Modell, das immer mehr verfolgt wird. Die Industrie musste da auch umdenken. Es gibt jetzt einfach neue Wege. Und weil wir Neuzeitstürmer heißen, müssen wir in eine neue Zeit reinstürmen.

Wir haben auch noch einen Produzenten mit im Boot: Conny Bartels. Wenn du die Songs schreibst, selber vorproduzierst und eigentlich schon fast bis zur Produktion gehst, dann ist es einfach ganz wichtig, dass du noch jemand Außenstehenden hast, der mit frischen Ohren rangeht und der das Ganze zusammenhält und aufnimmt usw.

M24: Du Gil, bist ziemlich bekannt, genießt Promi-Status… Macht es das einfacher, öffnet es Türen oder ist es eher hinderlich?

Gil: Beides. Hinderlich ist es, wenn gewisse Menschen einfach von vorneherein keinen Bock haben. Dann sagen sie nein, will ich nicht, weil du bekannt bist oder weil du das und jenes in deinem Leben gemacht hast. Es gibt aber auch viele Momente, wo es auf jeden Fall positiv ist. Natürlich öffnet es Türen, wenn sie wissen, da ist ein Sänger, der schon vorher bekannt war und schon so und so viele Platten verkauft hat. Da hast du schon mal bei den ganzen Radio- oder Presseleuten ein offenes Ohr.

Aber ganz ehrlich, ich denke da weniger daran. Ich denke mehr ans Hier und Jetzt – und jetzt bin ich mit ACHT. Wenn ich einfach nur mache und nicht denke, dann passieren solche Dinge wie auf der Tour, dass man jeden Abend die Leute begeistern kann.

Ossi: Ich empfinde Gils Prominentsein als Vorteil, weil er einfach ein absoluter Vollprofi im Musikbusiness ist, weil er diese ganze handwerkliche Schule bereits durchlaufen hat und weiß, wie das Medienprinzip, dieses System und alles funktioniert. Das finde ich ganz wichtig.

M24: Wie schaut es denn mit Radio Airplay aus? Ist es Euch wichtig? Werdet Ihr gespielt?

Ossi: Wir werden nicht allzu viel gespielt. Es ist ja so: Wenn du heute einen Radio-Hit haben möchtest, musst du das Format Radio erfüllen, du musst auf so und so viel Prozent der Sender gespielt werden. D. h. du musst im Rock-Sender, im Hit-Sender, im Mainstream-Sender gespielt werden. Also mach’ am besten drei Mixes von einem Song, der in keinem Format aneckt.

Gil: Und wie viel bist du dann noch du selber? Oder wie viel bist du dann der, der den anderen versucht zu gefallen?

Ossi: Als nächste Single werden wir „Allein“ rausbringen, wenn’s damit klappt und wir im Radio gespielt werden – super. Aber wir werden nicht hergehen und sagen, wir konstruieren jetzt die Radionummer, mit der wir alle Formate erfüllen, mit der wir textlich nicht anecken. Ich glaube nicht, dass wir im Augenblick die Band sind, auf die sich jeder Radiosender stürzt, denn dazu sind wir nicht 100 Prozent formattauglich.

M24: Ist für Dich, Gil, jetzt etwas wesentlich anders mit ACHT als in deiner Musikerzeit davor?

Gil: Das Leben an sich – du lernst nie aus. Was ich jetzt in den letzten zwei, drei Jahren wieder gelernt habe, das sind unbezahlbare Erfahrungen. Ich dachte, ich würde das Business kennen. Jetzt stelle ich fest, dass ich es davor eigentlich nur sehr begrenzt kannte. Jetzt kann ich auch viele Sachen, die ich vorher kritisiert habe, besser verstehen – z. B. die Plattenfirmen, weil wir jetzt selber ein Label haben und zum Teil auch so agieren müssen. Ich bin heute einfach etwas entspannter als früher, und ehrlich, ich bin einfach glücklich. Ich bin mehr der, der ich wirklich bin als ich vorher war.

M24: Ihr seid derzeit wieder im Studio, arbeitet an neuen Songs… Wie darf man sich das vorstellen? Macht ihr das zusammen oder schreibt jeder in seinem Kämmerlein? Gibt es zuerst Musik oder erst Text…

Ossi: Alles, was Du jetzt aufgezählt hast, ist möglich. Es kann passieren, dass wir uns zu zweit hinsetzen und jammen und sagen o.k., lass uns irgendein Riff anspielen, daraus entwickelt sich ein Song. Es kann passieren, dass einer von uns mit einem komplett fertigen Song kommt und wir arbeiten zusammen weiter. Aber es kann auch passieren, dass wir uns erstmal den Text durchlesen und versuchen, diesen in Musik umzusetzen. Alles ist da möglich.

M24: Setzt Ihr für das zweite Album andere Schwerpunkte, textlich oder musikalisch?

Gil: Noch weniger denken, noch weniger planen als vorher.

Ossi: (lacht) Wir setzen uns hin. Das ist das Schöne an dem Ganzen. Wir haben nicht das Problem, dass wir einen A&R Manager haben oder einen Manager und eine Plattenfirma, die uns sagt, was wir machen sollen. All das fällt bei uns weg. Das einzige Kriterium für uns ist, dass wir beide sagen müssen, der Song törnt uns an. Wenn das der Fall ist, dann wird er gemacht.

Gil: Im Endeffekt muss es uns gefallen, uns berühren und das, was wir sind, wiedergeben. Dann wiederum erreichst du auch die Leute. Wenn du nicht versuchst, anderen zu gefallen, sondern dir selber, dann – das ist zwar schwer zu glauben –, aber dann kommst du viel weiter.

M24: Wo wollt Ihr hin…wo seht Ihr Euch in fünf oder zehn Jahren?

Ossi: Es kann sein, dass wir einen Bootsverleih in Jamaika haben, es kann sein, dass wir in Stadien auf Tour sind…keine Ahnung. Das wird sich aus dem entwickeln, was wir versuchen, in jedem Augenblick zu machen. Jetzt etwas machen und dann sehen, was damit passiert.

M24: Also keine Zielsetzung?

Gil: Man hat gewisse Wünsche. Oder man hat Fantasien. Fantasie ist sehr wichtig, weil das, denke ich, auch die Nahrung oder der Stoff ist, aus dem die Dinge entstehen. Aber im Vergleich zu früher, zu dem Gil von noch vor ein paar Jahren: „Hör auf zu denken, hör auf zu sagen, das muss sein… wenn das passiert, das wäre so schön, da wäre ich jetzt gerne… ich hätte jetzt schon gerne das, was in ein paar Jahren ist“ – völliger Blödsinn.

Ossi: Bei mir ist es auch so. Alles, was ich in meinem Leben geplant habe, ist immer anders gekommen. Deshalb finde ich mich jetzt einfach nur damit ab, dass ich nicht untergehe. Ich höre auf zu planen…das strengt viel zu sehr an. Kostet viel zu viel Kraft. Raubt Energie.

M24: Und unmittelbar in der nächsten Zeit, was steht da an?

Gil: Ich muss mit der Kleinen [Hündin Callas] später Gassi gehen (grinst).

Ossi: Nein, wir haben schon ein paar Konzerte.

Gil: Wir freuen uns schon sehr auf das Streetlife Festival in München am 4. Juni – am Siegestor auf der Leopoldstraße, das ist toll. Am 17. Juni spielen wir in Nordhausen auf dem Rolandsfest, das ist in der Region ein riesen Festival. Und am 21. August im Theatron, das ist eine der schönsten Locations in München.

Wir würden natürlich gerne mehr spielen, auf jeden Fall. Es ist aber nicht immer so einfach, das als kleines Label zu machen. Aber es ist o.k., so wie es ist. Wir machen jetzt weiter, wir schreiben weiter, weil das ist das, was wir jetzt gerade sollten und müssen. Denn uns ist aufgefallen, würden wir ein reines ACHT-Konzert geben, könnten wir noch keine zwei Stunden spielen, und das ist für uns wichtig, dass wir lange spielen. Wir lieben das, was wir machen – das Publikum liebt das, was wir machen. Wir haben noch nicht so viele Songs, aber wenn wir die haben, dann werden wir auch länger spielen.

Ossi: Im Augenblick sind wir noch abhängig von Festivals oder von Veranstaltungen mit drei oder vier Bands oder einer Support Tour. Wir können keine eigene Tour spielen – leider noch nicht. Wenn du eine eigene Tour spielen willst, dann musst du die Gewissheit haben, dass du wenigstens 200-400 Leute pro Gig hast. Wir können das momentan noch schlecht einschätzen, deshalb sind wir lieber vorsichtig.

Gil: Wenn wir könnten, würden wir nur touren. Nur. Jeden Abend spielen. So lange es geht. Aber das geht halt leider noch nicht.

Ossi: Es muss jetzt halt mal noch irgendein Knaller kommen. Sei es vielleicht doch eine Radio-Nummer, die nicht gekünstelt gemacht ist, sondern die einfach funktioniert, oder noch eine super Support Tour, die uns viele Leute verschafft. Und dann, glaube ich, können wir den Schritt gehen, dann machen wir unsere eigene Tour. Das wäre natürlich der Hammer, wenn du die erste eigene Tour machst mit 300-400 Leuten pro Gig, dann erspielst du dir dein Publikum wirklich. Den Break müssen wir jetzt erstmal schaffen.

ACHT live:

04.06.11 – München / Streetlife Festival

17.06.11 – Nordhausen / Rolandsfest

21.08.11 – München / Theatron

www.achtmusik.de

ACHT – Stell dir vor Live on Tour

8 Kommentar

  1. Interessantes und ausführliches Interview! Ich hoffe, diese Band noch oft live erleben zu können und drücke die Daumen für den Erfolg, den sie sich wünschen!

  2. Finde das Interview auch sehr interessant. Kann mir gut vorstellen, die Band ist live richtig klasse. Habe Gil mal live gesehen, der hat ne hammer Stimme. Mit der anderen Band meint Gil wohl Zoo Army – hatte immer gehofft, die würden noch ein Album vö., echt schade!

  3. Wirklich interessantes Interview, da kann ich nur zustimmen. Ich bin mir sicher von den Jungs hört man künftig nicht nur in München mehr! 🙂

  4. Sehr schönes, informatives Interview!! Die Einstellung der Jungs gefällt mir und lässt auf interessante Musik/Texte hoffen. Sie erwecken jedenfalls nicht den Anschein, dass es nur um kommerzielle Erfolge um jeden Preis geht. Was man bisher hören konnte, klingt wirklich sehr vielversprechend!

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