„Die Message kommt an“ – Thomas Godoj im Interview mit Musiktipps24

Rund eine Stunde vor dem Auftritt im LKA in Stuttgart scheint Thomas Godoj kein bisschen nervös zu sein. Ruhig und gelassen beantwortet er die Fragen - Interviews gehören längst zur Routine, ebenso wie Autogramme schreiben und - natürlich - auf der Bühne stehen und die Leute im Publikum in Fahrt zu bringen. Mit von der Partie: Gitarrist René Lipps.

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Ein bisschen heiser ist er, doch die Notfall-Ration Salbeitee steht schon bereit. Rund eine Stunde vor dem Auftritt im LKA in Stuttgart scheint Thomas Godoj kein bisschen nervös zu sein. Ruhig und gelassen beantwortet er die Fragen – Interviews gehören längst zur Routine, ebenso wie Autogramme schreiben und – natürlich – auf der Bühne stehen und die Leute im Publikum in Fahrt zu bringen. Was Thomas und sein Gitarrist René Lipps sich von der Tour mit neuem Songmaterial vom Album „Richtung G“ erwartet haben, welche Songs sie am liebsten live spielen und wie es ist, auf der Bühne zu stehen, erzählten sie Musiktipps24.

Musiktipps24: Dein neues Album heißt „Richtung G“. Ist das ein Neustart in Eurer musikalischen Laufbahn?

Thomas: Ich glaube, jedes neue Album ist ein Neuanfang. Dann geht man wieder auf Tour, sieht eine gewisse Entwicklung, merkt, wie das bei den Leuten ankommt und ob man irgendwas falsch gemacht hat – das weiß man ja noch nicht.

Seht Ihr Euch eigentlich als Newcomer? Ihr habt ja schon vor diesem Projekt sehr lange Musik gemacht…

Thomas: Wir haben es ja sowieso schwerer, vor allem ich, weil mich die meisten Radiosender ignorieren und diese Castinggeschichten überhaupt nicht spielen wollen. Aber wir kämpfen und sind froh, dass so viele Leute hinter uns stehen und wir eine Fanbase haben, die sehr treu ist. Wir haben jetzt auch einige Radio-Konzerte gespielt, und ich bin froh darum, dass es auch Sender gibt, die uns das ermöglichen.

Thomas Godoj in Stuttgart
Thomas Godoj in Stuttgart

Es ist sicher schwieriger, wenn man seine Karriere ganz oben beginnt. Du wurdest ja auf eine Art RTL-Podest gehievt…

Thomas: Das ist ja normal. In Deutschland erwartet man eigentlich schon, dass Du nach einem halben Jahr wieder abstürzt. Dann reiben sich manche Leute die Hände und sagen: „Mal gucken, wer jetzt wieder am Start ist…“ (lacht)

Dein neues Album ist eingestiegen auf der 15. Bist Du damit zufrieden?

Thomas: Allein von der Entstehung her kann man das Album nicht mit „Plan A“ vergleichen. Schon von den Recordings her ist das was ganz anderes. Die Band war involviert, ich habe Themen vorgegeben und am Songwriting mitgewirkt. Ein Charteinstieg auf Platz 15 ist absolut super! Ich dachte noch nicht mal, dass es in die Top 20 geht, habe alles auf mich zukommen lassen und mir keinen Druck gemacht.

Hattet Ihr Bammel vor der Tour?

Thomas: Nein! Wir hatten Bock, wieder auf Tour zu gehen und gemeinsam im Tourbus zu sitzen und loszufahren.

Welche – realistischen – Erwartungen hattet Ihr in punkto Besucherzahlen auf der zweiten Tour?

René: Das konnten wir nicht einschätzen.

Thomas: Bei dem Angebot, das jetzt grade draußen herrscht auf dem Markt, bin ich auf jeden Fall stolz drauf und froh, dass so viele wieder- und neue dazugekommen sind. Und auch mehr Männer!

Seid Ihr froh, „nicht allein“ unter so vielen Frauen zu rocken?

Thomas: Na, schlimm ist das nicht (lacht), aber es ist natürlich schön zu sehen, dass sich auch Männer für unsere Musik begeistern können!

In „Stückchen Ewigkeit“ singst Du von der Energie, die Du vom Publikum aufsaugst. Kannst Du das beschreiben?

Thomas: Es ist so wie in dem Song – wir haben einfach Bock auf Zocken, Bock auf die Leute, einfach Bock, da für die nächsten zwei Stunden zu existieren und unser Ding durchzuziehen. Manchmal vertausche ich auch ein paar Textzeilen (lacht) – das passiert, wenn ich in die Menge gucke und es einfach nicht glauben kann, was da abgeht… Das sind Momente, in denen man darüber nachdenkt, wie toll es ist, dass noch so viele Leute da sind und uns zuhören.

Normalerweise rockt Euer Publikum ohne Ende mit – bei „Winterkinder“ (ein Lied über Kindesmissbrauch, Anm. d. Red.)
ist das anders: Die Leute standen teils beinahe reglos da, betroffen,
um die Botschaft aufzunehmen. Wie habt Ihr Euch da auf der Bühne gefühlt?

René: Das ist eigentlich genau die Reaktion, die wir uns gewünscht haben.

Thomas: Genau. Wir haben uns total darüber gefreut.

René: Es ist auch ein ganz anderes Feeling bei diesem Song, weil man weiß: Es geht um die Message, nicht ums Party machen.

Thomas: Und die Message kommt an.

„Stückchen Ewigkeit“, „Morning Sun“ und „Winterkinder“ werden alle mit einem Instrumental-Intro eingeleitet. Wer zeichnet dafür hauptsächlich verantwortlich?

Thomas: Die Band – und René.

René: Die Band als Gesamtes ist sehr, sehr kreativ. Wir können sehr gut zusammenarbeiten, wenn die Zeit reicht.

Habt Ihr ein Lieblingslied live bzw. welche Songs haltet Ihr von den auf der Bühne performten für die wichtigsten?

René: Beim Thomas – darf ich raten? „Notizen“ (lacht) und „Schnee von gestern“.

Thomas: … richtig. Und „Winterkinder“ – wegen der Aussage. Aber mir gefällt die ganze Setlist sehr gut.

René: Ich achte immer sehr aufs Publikum und auf das, was zurückkommt. „Starschnitt“ macht dadurch sehr viel Spaß, und „Notizen“ auch. Das ist für uns Musiker ne recht simple Nummer zu spielen, d.h., man kann sich auch mal wirklich gehen lassen. Weil’s vier nicht sehr schwere Akkorde sind, kann man ein bisschen entspannen und muss man nicht die ganze Zeit rumfrickeln, dann singen und wieder frickeln. Bei der Nummer kann man auch einfach mal gehen , mit den anderen Musikern und den Leuten im Publikum am Bühnenrand mehr Kontakt aufnehmen.

Wisst Ihr schon, wann die Anschlusstour weitergeht?

Thomas: Ich denke, spätestens im März, aber es gibt noch keine Termine. Wenn möglich, würden wir gerne auch in Österreich und der Schweiz spielen.

Ihr habt alle einschlägige Erfahrungen im Musikbusiness gemacht. Was müsste sich aus Eurer Sicht ändern, damit die kleinen, jungen Bands wieder eine Chance auf dem Markt haben?

Thomas: Zum einen die Einstellung der Radiosender. Die denken wirtschaftlich, testen wenige Songs, trauen sich nicht, was Neues zu probieren. Und die Einstellung Castingshows gegenüber – hier in Deutschland funktioniert das überhaupt nicht, da machen die komplett dicht. Es wäre hilfreich, wenn die Medien bei Newcomer-Festivals vorort wären, darüber berichten oder selber welche organisieren würden. WDR2 zum Beispiel macht das seit letztem Jahr. Das sollte es auch in anderen Regionen geben.

Das Interview führten Cat & Christel

Thomas Godoj live:

15.12.09 Hamburg/Docks

16.12.09 Berlin/Postbahnhof

17.12.09 Mannheim/Capitol

Das Album „Richtung G“ ist im Handel und in den Download-Stores erhältlich.

Impressionen vom Konzert im LKA, Stuttgart:

Torsten Bugiel
Torsten Bugiel

Daniel Geist
Daniel Geist

Sebastian Netz, Bonny Assan, René Lipps
Sebastian Netz, Bonny Assan, René Lipps

Thomas Godoj
Thomas Godoj

11 Kommentar

  1. Danke für´s schöne Interview mit interessanten Fragen und das nicht nur Thomas zu Wort kam…..:-)))

  2. Ein sehr schönes und informatives Interview!
    Vielen Dank!
    Ich hoffe und wünsche es den Jungs, dass Deutschlands Radiosender endlich Notiz von der Musik und den genialen Texten dieser Band nehmen!

  3. Hey Kiki coole Fotos und interessantes Interview. Wie schaut es mit den Bildern aus, kann man die weiter verwenden natürlich mit Copyright Vermerk.

    Gruß
    BaHo

  4. Spannend, zur Mitte dieser Dezember-Tour einmal etwas andere Antworten zu bekommen… Und schön, neben den Aussagen des Frontmanns auch einmal René Lipps Sicht zu manchen Dingen zu erfahren.

  5. Ich stell mir die beiden ganz locker vor beim IV! Das hat bestimmt allen Beteiligten viel Spaß gemacht.
    Und wie lange ICH mir auch schon wünsche, dass diese schönen, neuen Titel im Radio gespielt werden, kann ich gar nicht mehr sagen…. 🙁 Die sind wirklich sooo was von hörenswert!!!

  6. Ein sehr schönes Interview, auch mit dem lieben René! Vielen Dank dafür. Ich freue mich schon auf die Tourdaten 2010!

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