Jess Randall fiddelt wie der Teufel – Die Crooked Fiddle Band auf Europa-Tour

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Eigentlich herrscht kein richtiges Zeltwetter an diesem Samstag – das Thermometer zeigt lausige zwölf Grad; nach den Regenschauern am Nachmittag haben sich die ersten zähen Freiluftfanatiker schon zum Trotz wieder die Bierbänke im Freien zurückerobert. Da ist der Auftritt der „Crooked Fiddle Band“ genau das Richtige: Die vier Musiker kommen aus dem australischen Winter ins Ulmer Zelt und sorgen innerhalb kürzester Zeit dafür, dass sich die Temperatur im Zelt um einige Grade hebt. Speed Folk nennt sich das Genre, in dem die Gruppe unterwegs ist, oder, wesentlich passender die Bezeichnung, die sich Jess, Mark, Gordon und Joe selber ausgedacht haben: Chainsaw Folk. Denn was vor allem Gitarrist Gordon und Fiddlerin Jess mit ihren Instrumenten veranstalten, erinnert an ein musikalisches Kettensägen-Massaker, und das ist absolut positiv gemeint.

Die „Crooked Fiddle Band“ liefert Weltmusik im buchstäblichen Sinne. Rasanter Folk, gespickt mit orientalischen und osteuropäischen Noten, die Musik so interessant machen wie einen guten, vielschichten Rotwein, bringt die Meute vor der Bühne schnell zum Kochen. Eine Prise Südamerika dazu, etwas Cowboy-Feeling, hie und da ein Quentchen Jazz… Hauptsache, der Sound ist ungewöhnlich und wie die Erkundung einer fremden Stadt: Man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke lauert. Gesungen wird übrigens relativ selten; die Lyrics des gesamten Abends passen vermutlich bequem auf ein A5-Blatt. Aber wenn, dann haut Drummer Joe in die Vollen: Mit einer Optik wie ein Bär röhrt er wie Joe Cocker zu seinen besten Zeiten, animiert das eh schon begeisterte Publikum zum Mitmachen, bringt die Leute zum Tanzen. Apropos Tanzen: Die Band veranstaltet ein etwas chaotisches Hoedown. Der erinnert aber nicht gerade an den amerikanischen Square Dance, denn es gibt keine Regeln, es darf jeder tanzen, wie er will, Hauptsache laut und lustig wie die irrwitzig schnelle Nummer, die dazu durchs Zelt schallt, „Run, Leroy, Run…“ Am Ende gibt’s für den besten Tänzer eine Gratis-CD, und ihren Spaß haben alle gehabt. Während Jess Randall ihren Gitarristen freundlich und harmlos anlächelt, quält sie gekonnt ihre Fiddle, schrubbt mit dem Bogen auf und ab, so dass man erwartet, dass das Instrument gleich auseinander bricht. Alles nur Show: „Wir lieben unsere Instrumente“, behauptet Gordon mit Unschuldsblick im Gespräch mit Musiktipps24 nach dem Konzert, „aber wenn Du ein tolles Auto hast, willst Du doch auch nicht immer nur im ersten Gang fahren, oder?“ Um den Vergleich zu nützen: „Die Crooked Fiddle Band“ fährt eher den Ferrari… Bei „Rom Revolution“ rockt die Bouzouki; auch Bass und Drums erhalten Platz für zahlreiche Soli an diesem Abend, und fröhlich-frische Ansagen zwischen den Songs sorgen schon bei der Ankündigung der Pause für ein kollektives „oooh, schaaade!“. Nützt nix: „We need it!“, machen die Vier ihren Gästen klar, und das klingt glaubwürdig, denn wer fast eine Stunde wie ein Irrwisch über die Bühne fegt, dem seien 20 Minuten Erholung gegönnt.

Die „Crooked Fiddle Band“ in Action.

„Rise of the Sapiens“ eröffnet Runde zwei – ungewöhnlich ruhig und wehmütig erklingt das Intro, und Jess Randall stellt locker unter Beweis, dass sie nicht nur die Teufelin, sondern auch der Engel an der Fiddle ist und alle Gangarten spielend beherrscht. Unmerklich wird das Stück schneller, wie ein Pferd, das sich von den Zügeln losreißt und in die offenen Weiten davon galoppiert, bevor der Rhythmus wieder wechselt, in unbekannte Sphären abtaucht und sich selbst neu erfindet. Viel zu schnell sind zwei energiegeladene Stunden vorbei, doch das aufgeheizte Publikum erklatscht, erpfeift und erjohlt sich natürlich eine Zugabe. Und noch eine. Und auch noch eine dritte. Ein furioser Auftakt der „Overgrown Tales Tour“ – und der erste Gig der „Crooked Fiddle Band“ in Deutschland überhaupt. „Wir sind echt begeistert, wie die Leute hier abgegangen sind“, freut sich Gordon nach dem Konzert – das hätten sie nicht erwartet. Und auch das Essen schmeckt den Musikern aus Down Under gut. „Leberkäse“, grinst der Gitarrist, „der sieht aus wie eine Mischung aus einem Schinken und einem Brot.“ Sollte der Rest der Tour auch so gut laufen wie die Premiere, stehen die Chancen vermutlich gut, dass es bald schon ein Wiedersehen mit der sympathischen australischen Power-Band gibt.


Hier die Tourdaten der Crooked Fiddle Band:

Die Crooked Fiddle Band im Netz:

http://www.facebook.com/#!/pages/The-Crooked-Fiddle-Band/6386667543

0 Kommentar

  1. Uiiii, sie sind am 1. Juli-WE beim Folkfestival in Rudolstadt!!!! Da werden sie bestimmt gaaaanz Viele glücklich machen!
    Danke für diesen Tipp, Cat! Du hast mich sehr neugierig gemacht!

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