Im Test: David Cage begründet mit Heavy Rain ein neues Genre

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Seit Freitag hat die Playstation 3 ein neues Flagschiff: Heavy Rain ist erschienen, exklusiv für die Sony-Konsole. Entwickler David Cage hat jahrelang an diesem Spiel gearbeitet und präsentiert einen interaktiven Thriller in Spitzenqualität. Mit seinem neuen Spiel begründet Cage ein mehr oder weniger neues Spielegenre, aber eigentlich ist "Heavy Rain" nicht so wirklich ein "Spiel". Viel mehr handelt es sich hier bei um einen spielbaren "Film".

So wirklich neu erfindet David Cage das angesprochene Genre ja nicht, das Spiel ähnelt in seiner Mechanik eindeutig dem Vorgänger "Fahrenheit". Der Titel gelangte auch zu einem gewissen Ruhm, Wellen wie "Heavy Rain" schlug er jedoch nie.
Gerade die mediale Aufmerksamkeit wird meiner Meinung nach dafür sorgen, dass in Zukunft mehr Spiele in einer Machart wie "Heavy Rain" erscheinen werden.
Spielbare Filme mit Möglichkeiten der eigenen Interaktion könnten in naher Zukunft allabendliches Unterhaltungsprogramm sein.
Dabei werden weniger die "Zocker" als vielmehr die "Casual Gamer" angesprochen, all solche, die bisher kaum oder wenig Bezug zu Videospielen hatten: Gelegenheitsspieler.
Meine Frau zum Beispiel, die ist von "Heavy Rain" völlig gepackt. Sie spielt gewöhnlicherweise seltener Videospiele und nahezu jedes Mal ist zu beobachten, wie sie sich mit der Steuerung abmüht. Während für einen Großteil von uns Zockern, das Joypad eigentlich ’ne verlängerte Hand darstellt, wirkt es für sie wie ein Fremdkörper 😉
"Heavy Rain" ist genau das Richtige für sie (bis auf das sie leiderdie Tasten nicht auswendig kennt…). Keine Inventare, ellenlange Tutorials oder Fadenkreuze, die man bewegen muss.
David Cage liefert bei "Heavy Rain" eine gute Geschichte ab und genau davon lebt auch das Spiel. Hier geht es weniger um Strategie, man muss nicht schießen, hüpfen, was weiß ich, man steuert mit Hilfe einiger Knopfdrücke und Stickdrehungen einen Film.
Wenn man es vereinfacht sehen will, dann ist das fast so wie das "Kapitel wählen" oder "Starten" bei einem normalen DVD-Player. In der Fachsprache nennt man das dann Quick-Time-Events.
Mich persönlich spricht das Spiel gar nicht an und aus befreundeten Zockerkreisen, sowie Foren im Internet weiß ich, dass ich damit nicht alleine bin.
Man kann das Spiel kaum in eigene Bahnen lenken, sondern agiert auf einem sehr engen Pfad. Abweichungen haben das Abspielen anderer Szenen des Films zur Folge.

ABER: Wenn man "Heavy Rain" einmal ganz nüchtern als das betrachtet, was es eigentlich ist. Dann ist dieser Wurf von David Cage einfach genial.
Nein, eigentlich begründet "Heavy Rain" kein neues Genre im Bereich der Videospiele, ein neues Filmgenre ist es ebenfalls nicht.
"Heavy Rain" ist etwas Neues, etwas das genau dazwischen liegt. Und vielleicht ist dies der erste Schritt zur neuen "Unterhaltung". Cage zeigt, wie es funktionieren KANN.
Und ein Ende der Leiter in diese Richtung ist sicher noch lange nicht erreicht.
Cage wird sich möglicherweise auf ewig auf die Fahne schreiben können, dass er der Begründer dieser Form der Abendunterhaltung sein wird.

Die Grafik ist wirklich hervorragend und sobald man startet, kommt man schon kaum noch davon los, so spannend und geschickt ist die Story inszeniert. Man will dem Killer unbedingt auf die Schliche kommen und erfahren, wie es weitergeht.
Es gibt einige unterschiedliche Wege im Spiel, zum Beispiel, wenn ein Spielcharakter stirbt, die Story bleibt dabei jedoch linear. Man kommt in jedem Fall zu einem der Enden 😉

Auch wenn ich "Heavy Rain" nicht selber gespielt habe, so habe ich doch die letzten Tage jeden Abend dabei zugesehen und auch das macht noch Spaß. Ich würde mich auf weitere Entwicklungen aus diesem Genre freuen. Dabei gibt es ja noch weit mehr Möglichkeiten, es muss ja nicht unbedingt ein Thriller sein 😉
Wenn man das mal weiterdenkt, dann sind in diesem Bereich auch in Richtung "Erotik" noch viele Sachen möglich. Ich bin mir sicher, dass wir da noch mit "mehr" in naher Zukunft rechnen können.

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