Depeche Mode begeistert Berlin am 12. Juni 2009

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Endlich. Es war soweit. Für mich sollte es eine Premiere in doppelter Hinsicht sein: Depeche Mode Live und das Olympiastadion. Beidem hatte ich schon seit fast einem Jahr entgegengefiebert. Kurz vorher noch die Hiobsbotschaft von ausfallenden oder zu verschiebenden Terminen wegen David Gahans Erkrankung und Operation. Doch – wie schon einige Male zuvor – hat er auch das überstanden und meldete sich kurz vor dem Termin in Berlin topfit zurück. Die „Tour Of The Universe“ kann weiter gehen. 

Schon am sehr frühen Vormittag pilgerten hunderte von Anhängern in schwarzem Outfit oder Fanshirts zum Stadion. In fast 30 Jahren Musikgeschäft, hat sich Depeche Mode eine Fangemeinde erspielt, die ihren Idolen so treu sind, wie kaum einer anderen Musikgruppe. Das war auch im Olympiastadion in Berlin wieder zu sehen, wo 68.000 Menschen aus ganz Europa die Band schon ½ Stunde vor dem Auftritt mit La-Ola-Wellen begrüßten. Diese Synthie-Band hinter David Gahan ist Kult. Und das nicht nur für die Generation, die in den 80ern zu ihren Anhängern wurden. 

20:52 – die Musiker betreten unter frenetischem Jubel die Bühne und nach kurzem Intro startet Dave gleich mit In Chains aus dem aktuellen Album Sounds Of The Universe. Die Bühne im Stadion ist immer zu weit entfernt. Man sieht nur wenig und die Musiker wirken winzigklein. Gut, dass die überlebensgroß eingespielten Filme und Einblendungen von Dave oder der Band auf den drei Videowänden die Künstler originalgetreuer abbilden, als sie wirklich sind. Aber man bekommt einen guten Eindruck von der Bühnenshow und hat gleichzeitig einen tollen Überblick über das Ganze und die Superstimmung im Stadion. Niemand sitzt, alle Arme werden in die Luft gestreckt, es wird mitgewippt, mitgetanzt, mitgeklatscht, mitgesungen. 

Bei dieser Entfernung ist man einfach auf die Bilder angewiesen. Das Fegefeuer bei Hole To Feed. Die Übelkrähe und das Auge Gottes in der Wüste bei Walking In My Shoes von 1993. Als Gahan singt, dass etwas mit seiner Chemie nicht stimmt, in Wrong, sieht man ihn überblendet, bleich wie ein Gespenst, die Arme breiten. Bei Enjoy The Silence werden drei Astronauten gezeigt, deren Helme sich grotesk vergrößern in der Discokugel. Man erkennt Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher, und es ist das Augenzwinkern der Tour Of The Universe. Die Band erinnert an die eigenen Anfänge im goldenen Zeitalter des Videoclips. Es ist das alte aber niemals langweilige Spiel mit Schlüsselreizen und Symbolen. Insgesamt wird eine gewohnt professionelle Performance der drei Bandmitglieder geboten. Mehr als zwei Stunden Spaß und Unterhaltung pur. 

Dave zeigt sich auch nach seiner Krebsoperation stimmlich voll auf der Höhe – na ja, ja und so ein bisschen schräg und schief klang sein Jahrhundert-Organ ja schon immer. Mit dem aktuellen Titel namens Come Back feiert er so etwas wie eine weitere Wiederkehr. Er wirbelt über die Bühne, schwingt in sexy Posen seinen Mikroständer und dreht Pirouetten. Die Band genehmigt ihm zwar in der Mitte eine längere Pause, in der Martin Gore Jezebel vorträgt sowie A Question Of Lust als Klavierballade. Aber anschließend dreht Gahan sich noch wilder mit dem Kreuz des Mikroständers zum entfesselten Tanz. Auch der Songmix stimmt. Depeche Mode präsentiert dem gut aufgelegten Publikum eine ausgewogene Mischung aus neuen Songs und alten Hits. Hymnen wie Enjoy, The Silence oder Stripped, Personal Jesus und Never Let Me Down Again sorgen für selige Wohlfühlmomente beim Publikum und Extase bei den Fans. Die neuen Songs wie Wrong, Hole to feed, Jezebel, und Come Back sind gute, neue Highlights und mit der Hymne Peace sorgen David Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher für eine kollektive Gänsehautatmosphäre.

Zum Abschied singen Gore und Gahan Waiting For The Night im Dunkeln, unter sternenklarem Himmel, fast akustisch, winzig und weit weg. Man hört sie aber. Für mich ist dies der absolute Höhepunkt des Abends und die wohligen Schauer auf meinem Körper halten noch lange danach an. 

Pünktlich um 23:00 Uhr (Lärmschutzauflage!) ist das Spektakel leider schon vorbei und die Zuschauer verlassen allesamt mit einem breiten Grinsen die Arena. Schön wars. Einfach Klasse – David Gahan. die Band, die Show! 

Youtube – >
Waiting For The Night

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