Angekommen – Thomas Godoj und „So Gewollt“

Scroll this

Ein neues Album weckt beim Publikum und den Kritikern bei jedem Künstler sicher erst einmal kontroverse Ansichten – und ist natürlich immer Geschmacksache. Die Songs berühren vielleicht nicht Jedermann, oder jedenfalls nicht gleich beim ersten Hören. Ob man andere Vorstellungen über Melodien und Instrumentierung oder die Texte hat – wer seziert schon mal englische Songs? – der Moment der Wahrheit ist auf jeden Fall die Live Performance.

Für Thomas Godoj war am Samstag beim Tour-Auftakt zu seinem neuen Album „So Gewollt“ diese besagte Stunde der Wahrheit. Um es vorweg zu nehmen: das war ein wirklich sauber hingelegter Start. Von der alten Wohnzimmertapete im Hintergrund über den Vorhang, bei dem zum Intro der 50er Jahre Fernsehschirm aus seinem Cover flimmerte und erst langsam die Band ‚eingeblendet’ wurde, seine Premiere als „Gitarrist“ (auch wenn er einfach nur krampfhaft einen Akkord im richtigen Rhythmus schlug) bis zur letzten Zugabe des über zweistündigen Gigs fanden es die Zuschauer übereinstimmend überraschend, hochemotional oder einfach grandios. Wie drückte es jemand nach dem Konzert so schön aus? „Ich bin noch immer im Godoj-Zauber-Wald!“
Die Begeisterungsstürme in der ausverkauften Vest Arena in Recklinghausen waren ganz sicher auch nicht der Tatsache geschuldet, dass ein Kameramann auf der Bühne stand, der bereits die ersten Aufnahmen für eine Live DVD machte, die im Frühjahr erscheinen soll.
Thomas war einfach so gut bei Stimme wie lange nicht mehr, er hatte wieder das Charisma, das man – trotz herausragender und fast immer ausverkaufter Konzerttourneen in den letzten drei Jahren – doch ein bisschen vermisst hatte. Er strahlte förmlich vor Zufriedenheit und wirkte ausgeglichen und selbstbewusst und übertrug seinen Adrenalinschub ganz offensichtlich bis in die letzte Reihe der ausverkauften Vest Arena. Verständlich, wenn man weiß, dass er sich im letzten Jahr endgültig aus der Umklammerung alter Verträge lösen konnte, mit Kick ein Management gefunden hat, das ihn endlich so nimmt, wie er ist und ihn rückhaltlos zu unterstützen scheint und einen Bandvertrag – mit uneingeschränkten Freiheiten im Vergleich zum bisherigen – mit dem Plattenlabel SPV machen konnte und nach allen eingegangenen Risiken auch noch erfolgreich auf der 24 der Charts mit seinem Album gelandet ist . Geblieben sind ihm ‚nur’ seine Booking Agentur FourArtists, die ihm auch bisher den Rücken gestärkt hat und natürlich seine treue Fangemeinde.

Mit Sebastian Netz (Gitarre) und Torsten Bugiel (Schlagzeug) stehen nach dem Wieder-Zugang von Christian Bömkes bis auf einen Gitarristen auch wieder alle seine früheren Bandmitglieder von WINK mit ihm auf der Bühne, verstärkt durch die sympathischen Musiker Jörg Weißelberg (Gitarre, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Silbermond und Jeannette Biedermann) und dem Keyborder Wolfdieter Hieke. Nach drei harten Jahren „mit dem Kopf durch die Wand“ scheint Thomas Godoj angekommen zu sein, seine Mitte gefunden zu haben: musikalisch und persönlich. Wenn man ihn sagen hört, dass „So Gewollt“ nicht nur der Titel des Albums, eines Songs und seiner Tour sondern auch Programm ist, so glaubt man ihm aufs Wort. Es wird gerockt, und das meist laut und immer unfassbar energiegeladen. Er lebt seine Songs, seine Interpretationen wirken authentisch und die Texte reichen von poetisch bis direkt und rau. Die durchweg deutschen Songs sind kein Mainstream. Sie lullen nicht mit seichten Schnulzen ein und decken von eindringlich (Meine Welt Ist Es Nicht), sozialkritisch (Niemandsland), nachdenklich (Ein Tag Im Leben Eines Anderen, Einen Regen Lang) bis fröhlich (Dächer) eine große Spannbreite unseres täglichen Lebens ab. Fast schlagermäßig kommt dabei „Soweit So Gut“ daher, auf das allerdings viele verzichten könnten. Wie singt Thomas noch bei „So Gewollt“? Es muss Licht und Schatten geben… Das gilt auch für die wenigen Ausrutscher bei ihm.

Interessant ist nebenbei zu sehen, dass die Verteilung der Geschlechter bei seinen Konzerten ganz stark hin zu mehr Männern tendiert, es auch viele neue Gesichter gibt und der Altersquerschnitt seiner Fans von 8 bis 85 reicht, was ihn ganz offensichtlich freut und mit Stolz erfüllt.

 

Fazit dieses Konzerts: unbedingt hingehen – er reißt einfach jeden mit und man sollte es sich nicht entgehen lassen, mit ihm richtig abzufeiern.
Hier die Konzerttermine für Dezember:

RECKLINGHAUSEN VEST ARENA (ausverkauft) So, 03.12.11 / 20:00 Uhr
RECKLINGHAUSEN VEST ARENA So, 04.12.11 / 20:00 Uhr
FRANKFURT / MAIN NACHTLEBEN (ausverkauft) Di, 06.12.11 / 20:00 Uhr
HAMBURG KNUST (ausverkauft) Mi, 07.12.11 / 21:00 Uhr
KÖLN LUXOR (ausverkauft) Fr, 09.12.11 / 19:30 Uhr
BERLIN LIDO So, 11.12.11 / 20:00 Uhr
MÜNCHEN AMPERE / MUFFATWERK Mo, 12.12.11 / 20:00 Uhr
STUTTGART DAS CANN Mi, 14.12.11 / 20:00 Uhr
HANNOVER MUSIKZENTRUM Do, 15.12.11 / 20:00 Uhr
OBERHAUSEN SCHACHT 1 Fr, 16.12.11 / 20:00 Uhr

8 Kommentar

  1. Alles richtig, aber auf „So weit so gut“ will ich keinesfalls verzichten!

    Es hat in der Melodie sogar etwas von Caro Emeralds A Night Like This.

  2. gut geschrieben, genau so war es !! Eine Explosion an Gefühlen, gute rockige Musik, großartige Texte und einfach nur 2 Stunden Party !! Stimmung bis in die letzte Reihe, besonders bei “ So gewollt“ war die Vest-Arena ein Hexenkessel. Thomas hat sich stimmlich noch verbessert, er und die Band sind eine Einheit. Er lebt seine Songs und durch seine Mimik und Gestik überträgt er seine Gefühle auf´s Publikum. Der Song “ Meine Welt ist es nicht“ hat mich an diesem Abend in dieser Version mitten ins Herz getroffen, einfach nur traurig und wunderschön. Freu mich nochmal auf Berlin, denn KEIN Konzert von Godoj gleicht dem anderen.

  3. Chapeau !!!

    Kann mich nur anschließen, würde ja gerne einen ganzen Roman schreiben, aber das lass ich lieber. Leute geht auf die Konzerte, es lohnt sich !!!

  4. Dem Bericht stimme ich gerne zu.
    Nur finde ich, dass „So weit so gut“ zwar nicht so recht zu den anderen Songs auf dem Album passen mag – aber er hat Charme mit einem kräftigen Schuss Augenzwinkern.

  5. Diesem Artikel kann ich mich nur anschliessen!! Wer Thomas Godoj nicht live erlebt verpasst echt was, er ist ein Vollblutmusiker und reisst einfach jeden mit!! Also Leute geht hin und lasst euch begeistern es lohnt sich!!

  6. Dem Artikeöl schließe ich mich voll und ganz an – Thomas und Band muß man gesehen, gehört, erlebt, gefühlt haben – Gerade bei „Meine Welt ist es nicht“ oder „Uhr ohne Stunden“ – diese Energie, diese Hingabe, diese Stimme! Leute, tut Euch was Gutes und geht zu Thomas Godoj!

  7. Bisher mit Abstand das genialste und emotionalste Konzert von Thomas Godoj, ein schöner Bericht, obwohl so weit so gut live gesungen zu meinen besonderen highlights gehört. Ja, Thomas ist angekommen und der grosse Erfolg jetzt ist allein ihm zuzuschreiben und natürlich auch seiner Band.
    Kein Wunder also, dass man ihm das auf der Bühne ansieht. Stimme ist perfekt, er lebt seine songs.
    Komme aus der franz. Schweiz zu seinen Konzerten, es hat sich so gelohnt.
    Wo es noch Karten gibt: Hingehen!!

Kommentar verfassen