YouTube sperrt Musikvideos in Deutschland wegen GEMA

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Gestern zum Feierabend habe ich ein bisschen im Internet gestöbert und bin dann auf Spiegel Online hängengeblieben. Ein Artikel dort ließ mich kurzfristig in den Sessel zurücksinken. Heute Morgen machte mich dann auch unsere Co-Autorin „Cat“ darauf aufmerksam:
YouTube sperrt Musikvideos in Deutschland!!!

Nicht nur für unsere Seite ein schwerer Schlag. Wir bieten unseren Lesern ja recht häufig auch aktuelle Videos zu unseren Themen an. Auch Musikliebhaber dürften davon schwer getroffen sein. Im Bekanntenkreis wird YouTube beispielsweise nur als erweiterte Musiksammlung angesehen. Dort wird Musik bekannter Künstler angehört und gleichzeitig nach „neuer“ Musik geforscht. Sollte es zu keiner Einigung im Streit GEMA vs. YouTube kommen, dann hat das Videoportal als „Musiklieferant“ bald ausgedient.

Hintergrund ist ein Streit zwischen GEMA und YouTube. Die GEMA vertritt die „Interessen“ ihrer Mitglieder in Deutschland und verlangt nun mehr Geld von YouTube. Angeblich, so YouTube-Manager Patrick Walker, will die GEMA nun für jedes Abspielen eines Songs 12 Cent von YouTube bekommen.
Dies betrifft zwar „nur“ Lieder von Komponisten und Bands, die auch von der GEMA vertreten werden, aber selbst das sind schon richtig viele. YouTube geht von mehreren tausend Videos aus.
Die Frage ist, ob mit dieser Aktion tatsächlich die „Interessen“ der Musiker vertreten werden? Die GEMA gibt an, man wolle keinesfalls 12 Cent, sondern nur 1 Cent pro Stream, sowie eine Erklärung von YouTube hin zu mehr „Transparenz“ bezüglich des genutzten Musikrepertoires.

Am gestrigen Dienstagabend hat YouTube mit der Sperrung der Musikvideos begonnen. Wundert euch also nicht, wenn auch auf unserer Seite dadurch bald einige Videos nicht mehr zu sehen sein werden. Welche Videos nun genau im Einzelnen betroffen sind, ist bisher noch unklar. Auch ist weiterhin die Frage der 12 oder 1 Cent nicht geklärt. Ironischerweise sind auch von den Labels selbst eingestellte Videos betroffen. YouTube macht ernst und sperrt rigoros alles, wobei man dem Videoportal dabei keinen Vorwurf machen kann. Bei derzeitigem Stande müsste das Portal der GEMA monatlich weit über eine halbe Millionen Euro überweisen.

Ich persönlich finde das sehr schade. In meinen Augen vertritt die GEMA damit nämlich NICHT die Künstler, sondern nur ihre eigenen Interessen. Meiner Auffassung nach ist YouTube mehr als nur kostenlose Werbung für die einzelnen Bands. Nachdem Viva und MTV zum reinen Klingeltonfernsehen mutiert sind, ist es umso wichtiger, dass man gerade im Internet neue und aktuelle Musik und Musikvideos finden kann. NOCH hinkt dieser Vergleich, aber trotzdem ist es ähnlich, als wenn auf einmal im deutschen Radio keine Songs von GEMA-Künstlern mehr gespielt würden. Das kann doch nicht im Interesse der Bands sein, denn wer nicht gehört wird, wird eben auch nicht gekauft.

Zu sehen ist das auch am Beispiel unserer User: In den Artikeln wo wir ein Video und das Album / Single bei Amazon anbieten, wird unverhältnismäßig mehr verkauft, als anders herum. Die meisten User kaufen eine Platte eben nur, wenn sie auch vorher rein hören können.
Erneut zeigt sich, dass Deutschland und seine Bürokratie der Musik feindlich gesonnen sind. Traurig aber wahr!

Wir werden sehen wie sich dieser Streit entwickelt und halten euch auf dem Laufenden. Ein Video sparen wir uns an dieser Stelle.

8 Kommentar

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  3. Nur mal zur Info, damit Ihr wisst, worüber Ihr schreibt: Selbstverständlich vertritt die GEMA NICHT „die Künstler“. Das behauptet sie ja auch gar nicht.

    Die GEMA ist
    1. ein Verein – mit Mitgliedern, einem Vorstand und jährlichen Mitgliederversammlungen.
    2. die Interessenvertretung der Musikautoren (d.h. Komponisten und Texter) – und NICHT der Musiker (d.h. Interpreten) oder Labels. Damit ist die GEMA auch automatisch NICHT identisch mit der „Musikindustrie“, denn diese lebt von der Nutzung („Verwertung“) des Repertoires der Urheber.
    3. qua Gesetz legitimiert, für die Urheber im Musikbereich als zentrale Institution Tarife mit den sog. „Verwertern“ der Musik zu verhandeln und das daraus resultierende Geld („Tantiemen“) einzutreiben sowie unter den Urhebern zu verteilen. Und zwar restlos, da sie als Verein nicht zugewinnorientiert handeln darf.

    Da im Web, sei es bei Youtube, e-Mule, Bittorrent oder woauchimmer, selbstverständlich nicht nur solches Repertoire genutzt wird, das von den Urhebern selbst interpretiert wird, sondern ein erheblicher Teil sog. „Fremdkompositionen“ sind, ist es sinnvoll & notwendig, dass die GEMA herauszufinden versucht, was in welchem Umfang geclickt wird. Denn nur auf Grundlage dieses Wissens kann sie dei sog. „Verteilungsgerechtigkeit“ gewährleisten. Eigentlich logisch, oder?
    Die Komponisten und Texter, die nicht identisch mit den auf Youtube repräsentierten Interpreten sind, haben schlicht gar nichts von der angeblich so tollen Werbung. Sie liefern lediglich unfreiwillig die Inhalte, mit denen Youtube anschließend verdient. Findet Ihr das fair? Ich meine, das ist Enteignung. Und wenn Google/Youtube meint, das nicht bezahlen zu können, dann stimmt anscheinend deren Kalkulation nicht.

    All diese unheimlich geheimen Informationen kann man übrigens mit wenigen Clicks auf gema.de einsammeln …

  4. …toll da die GEMA meint sie muesse sich bereichern an Youtube.de kann ich jetzt das Lied nicht hoeren was ich so gerne hoeren wuerde…

  5. Leider sieht es wieder einmal so aus als wenn es hier auf Anhieb wohl keine Lösung geben wird.Ich kann hier nur für mich sprechen, aber ich glaube das es viele wie mich gibt, die Youtube oftmals als „Kaufentscheidungsfindungsmaschine“ benutzt haben. Da ich gerne und oft Musik höre finde ich es schade das ich nun nicht mehr bei youtube schnüffeln kann um neue interessante Bands zu finden ! Warum werden eigentlich nicht die Kunden bei dieser Entscheidung mit einbezogen??
    Gruss jan

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