Von einem, der dem Traum nicht traut: Das Parkfest rockt mit Thomas Godoj

Die drei bunten Buchstaben von Deutschlands größtem Privatsender sind verschwunden. Der Platz vor der Bühne auf dem Waltroper Parkfest ist trotzdem voll. Brechend voll. Mit 15.000 Besuchern verzeichnet das Konzert am vergangenen Samstagabend einen neuen Besucherrekord. Auf der Bühne steht einer, der die Nation spaltet: Thomas Godoj, Ex-Gewinner von Deutschlands größter Castingshow.

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Die drei bunten Buchstaben von Deutschlands größtem Privatsender sind verschwunden. Der Platz vor der Bühne auf dem Waltroper Parkfest ist trotzdem voll. Brechend voll. Mit 15.000 Besuchern verzeichnet das Konzert am vergangenen Samstagabend einen neuen Besucherrekord.

Auf der Bühne steht einer, der die Nation spaltet: Thomas Godoj, Ex-Gewinner von Deutschlands größter Castingshow.  „Ex-Gewinner?“ Ja, denn für RTL sind die Sieger mit dem Anfang einer neuen Staffel abgesetzt, entthront. „Der König ist tot – es lebe der König“, lautet die Maxime. Und trotzdem: Eineinviertel Jahre nach dem „Höhepunkt“ seiner Medienkarriere steht dieser Mann auf der Bühne und rockt den Pott. Statt im Nirvana des Musikbiz zu verschwinden, werden die Konzerte größer, die Zuschauer zahlreicher. War das Publikum der weitgehend ausverkauften Tour im Winter noch zu 90 Prozent weiblich, mischten sich auf den Sommer-Open-Airs zunehmend Männer unters Volk.

Der Sommer macht ein bisschen Pause an diesem Samstag; Wolken treiben bei rund 17 Grad über die Festwiese – optimales Wetter für einen Gig, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Pünktlich zum Soundcheck gegen 18 Uhr setzt sich die Sonne endgültig durch, und statt nüchtern nur die Instrumente zu stimmen, macht die Band um Thomas Godoj gleich eine Party für die Audience daraus. Und schwupps – der Platz wird voll. Und voller. Zum Bersten voll. Ein paar Betrunkene randalieren. Was soll’s? Die Security hat alles im Griff, und außerdem ist dies kein Konzert des Oberstufen-Orchesters.

Der Recklinghäuser sang vor 15.000 Menschen
Der Recklinghäuser sang vor 15.000 Menschen

„Nicht allein“ lautet der Titel der neuen Single des Recklinghäusers, die am 23. Oktober auf den Markt kommen soll. Ein Stichwort, das auch auf ihn zutrifft: Im Rücken steht seine Band, die seit rund einem Jahr in dieser Formation dabei ist. Der Bandleader weiß, was er an Sebastian Netz, René Lipps (beide Gitarre), Daniel Geist (Keyboard), Bonny Assan (Bass) und Torsten Bugiel (Schlagzeug) hat. Nicht zu vergessen Didgespieler Tom Fronza, der sich vom temporären zum festen Gastmusiker entwickelt hat. Erst alle miteinander ergeben das „Gesamtkunstwerk Thomas Godoj“, das sich so sehr vom „DSDS-Phänomen Thomas Godoj“ unterscheidet, dass nach dem Konzert vereinzelte, empörte Stimmen fragen: „Warum hat er denn nicht Chasing Cars gespielt?“

Die Chasing-Cars-Fraktion wird eventuell irgendwann vollends auf der Strecke bleiben. Was von Konzert zu Konzert die Oberhand gewinnt, ist bodenständiger deutscher Rock mit einem Frontmann, der es versteht, das Publikum mit seiner Leidenschaft bis in die hintersten Reihen mitzureißen. Auch bei 15.000 Leuten in Waltrop funktioniert das – beim sphärischen „Autopilot“ heben sich die Hände bis in die hinteren Reihen. Mit „Flüchtig“, der Rock-Interpretation eines Songs der Fantastischen Vier, hat ein weiterer deutscher Song ein Stück vom Debüt-Album „Plan A“ verdrängt. Wahrscheinlich hätte die Band auch selbst lieber die neue Single statt „Love is you“ gespielt (wie vom Publikum energisch gefordert wurde), aber man sollte halt warten können. Hat noch keinem geschadet.

Thomas Godoj steht auf der Waltroper Bühne, vor sich 15.000 Menschen und die großartige Kulisse des beleuchteten Riesenrads am Ende des Geländes. Auf diesen Brettern fühlt er sich „zu Hause“, es ist seine persönliche Sucht, sein Traum, der nach einer langen Durststrecke erst in einer Fernsehshow Kontur annahm. Eigentlich erinnert nichts mehr an diese poppig-bunte Bravo-Poster-Zeit. Die Buchstaben des Senders fehlen, die Skandälchen blieben weitestgehend aus. Der Sänger ist kein Medienhampel, der im Paris-Hilton-Stil für Aufsehen sorgt, um im Gespräch zu bleiben. Braucht er auch nicht – die Qualität der Musik überzeugt.

Trotzdem – in den Augen des 31-Jährigen spiegeln sich leichte Zweifel, als er von der neuen Single und dem für November geplanten Album erzählt. Ein bisschen Bammel vielleicht, ob es ankommen wird „da draußen“, auch ohne die Werbemaschinerie der großen Medien im Hintergrund. Bedenken, ob schon bald alles vorbei sein könnte, der Traum vom Leben als Musiker wieder – wie schon früher – wie eine Seifenblase platzt. Solche Gedanken können für einen Künstler Antrieb sein, noch Besseres zu schaffen, „dran zu bleiben“. Im Fall von Thomas Godoj und seiner Band wird es auch sicherlich so sein, dass der Kampf um die dauerhafte Präsenz in der Musikszene sich positiv auswirkt; das zeigen schon Titel wie „Flüchtig“ oder „Alles was nicht existiert“.

Wer den Platz vor der Bühne in Waltrop am Samstag gesehen hat, wird ob der Bedenken aber doch eher milde lächeln: 15.000 begeisterte Menschen haben hier deutlich gezeigt: Mit „Richtung G“ (wie Godoj; der Titel des neuen Albums) schlägt Godoj die richtige Richtung ein – auch ohne RTL. Manchmal werden Träume wahr.

10 Kommentar

  1. Bravo! Toller Artikel – genau so ist es und wird es sein. Die Entwicklung ist unübersehbar und geht in die Richtige Richtung!

  2. Danke Cat für den tollen Beitrag. Ich sehe die Zukunft von Thomas Godoj & Band genauso und freue mich schon wie Oskar auf den 23.10.09 und 06.11.09.

  3. Super Artikel, danke! Wer Thomas Godoj + Band in der letzten Zeit live erlebt hat, weiß, dass sie in die richtige Richtung unterwegs sind. Auch wenn die Chasing-Cars-Fraktion irgendwann auf der Strecke bleiben sollte, können die Jungs auf eine stabile Fanbase bauen und bei jedem Gig werden neue Fans, und in zunehmendem Maße auch männliche, hinzukommen. Das Live-Erlebnis dieses „Gesamtkunstwerks Thomas Godoj“ ist dermaßen überzeugend und mitreißend, dass man ihm sich einfach nicht entziehen kann.

  4. Der Artikel hat mich sehr beeindruckt ist gut geschrieben. Ich habe Thomas und Band bisher drei mal live erlebt, und ich denke sie sind auf dem richtigen Weg!! Er ist der erste DSDS-Gewinner der sich dauerhaft, im Musikgeschäft halten kann!! Ich freue mich sehr auf die neue Single und das Album, und bin gespannt was in Zukunft noch alles kommen wird.

  5. Genialer Beitrag, liebe Cat – er spricht mir aus der Seele! Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie die Jungs auf der Bühne alles geben und auch den Soundcheck schon so ausdehnen, dass es den Anschein hat, man würde 2 Konzerte hintereinander erleben :-)) Ich kann’s jedenfalls schon gar nicht mehr erwarten, bis endlich die neue Single und im November dann das neue Album erscheint!

  6. Diese Angst, dass die Träume sich verflüchtigen… diese Angst braucht Thomas sicher nicht mehr zu haben! Wer die Auftritte dieses Sommers erlebt hat – von Frankfurt bis Hamm, von Leipzig bis Waltrop, der hat keine Zweifel, dass diese Band es schaffen wird, in Zukunft mit gutem Rock zu überzeugen. Nach Plan A wird kein Plan B nötig sein – die Evolution geht zügig in Richtung G !! Ich kann mich Deiner Einschätzung nur anschließen, Cat!

  7. „15.000 begeisterte Menschen “

    Der Verfasser hat wohl zu viel die WAZ gelesen.LOL
    In Übertreibung ist die WAZ immer Spitze.

    Ob er Massen begeisterte und Fans dazugewinnen konnte, werden wir nächste Woche sehen.
    Denn bei „15000 begeisterte“ müsste es danach einen ordentlichen Niederschlag in den Charts geben.
    Warten wir es ab.LOL

  8. Ich war zwar leider nicht dabei, aber dank solcher Artikel,kommt es mir so vor, als wenn ich es gewesen wäre.Dazu soviele schöne Videos,es muss ein fantastischer Auftritt gewesen sein.
    @Sahra
    Schon bei den Kommentaren unter dem WAZ-Artikel ist mir aufgefallen,dass von einem tollen Auftritt auf die Chartplatzierungen geschlossen wird.Mag unter normalen Umständen auch so sein,wenn TG was Aktuelles am Start hätte.Aber doch nicht,wenn auf gleicher Veranstaltung die neue!!Single und Album zum 23.10 und 3.11. angekündigt wird.Sollen die Zuhörer nochmal „PanA!“ kaufen,also was „Altes“, was viell. schon geschehen ist im „Pott“?Ein re-entry des Album aus den Tiefen der Charts erwartet doch wohl Niemand mehr!Dass der Auftritt gut ankam, sah man zumindest schon mal daran, dass etliche neue Mitglieder in Fanforen dazugekommen sind, mehr als sonst üblich,(War schon nach dem Frankfurtauftritt so),und dass TG heute „Aufsteiger des Tages“ bei „Amazon“ für die neue Single „Nicht Allein“ist.
    Desweiteren muss man sich ja mal auf off.Zahlen der Veranstalter verlassen und wenn sie mit 15.000 und als Besucherrekord ausgeben wurden, dann übernimmt man doch die Zahlen,oder soll man die Gäste persönlich zählen??Das nicht alle für Thomas und seine Band da waren, ist normal, aber die meisten wohl schon,oder?

  9. Hallo Sahra, was die Zuschauerzahlen betrifft: Ich war selber vor Ort, und das war bei weitem nicht mein erstes Konzert – ich arbeite seit mehr als 10 Jahren als Journalistin. 😉 Die 15.000 gehen schon in Ordnung; ob’s nun etwas mehr oder etwas weniger gewesen sind, kann ich nicht sagen, aber der Platz war nicht nur vor, sondern auch seitlich der Bühne rappelvoll. Sogar hinter der Bühne standen Leute, obwohl man dort nicht richtig hören konnte.

    Was die Charts angeht, kann ich nur anmerken, dass sich der bereits vorbestellbare Titel „Nicht allein“ momentan auf Verkaufsrang 9 bei Amazon befindet und das Stück „Flüchtig“ von der FantaVier-Tribute wieder in die Top 100 der Downloads gerutscht ist. Es gibt einfach bei jedem Konzert eine gewisse Grundstimmung, die aussagt, ob ein Künstler ankommt oder nicht. Diese Stimmung war am Samstag eindeutig sehr positiv. Es mag aber genauso Menschen geben, die an diesem Abend nicht begeistert waren. Das ist bei der Masse der Menschen aber ganz normal, denn jeder hat halt einen anderen Geschmack. Zum Glück – es lebe die musikalische Vielfalt! Ich wünsch Dir noch einen schönen Tag…

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