Von A nach G: Thomas Godoj bei der Gamescom in Köln und eine Zwischenbilanz

Thomas Godoj hat es auch in Köln wieder verstanden, die Menschen weit über die eingeschworene Fangemeinde hinaus in Stimmung zu bringen. Er hat den Platz mit tausenden Besuchern bis in die hintersten Reihen in ein Meer wogender Hände verwandelt, zum Singen und Klatschen animiert. Er verdankt dies sicher zu einem grossen Teil seiner besonderen Stimme und eingespielten Band, es liegt aber wohl auch an der Art, wie er die Songinhalte in Körper und Mimik sehr abwechslungsreich und intensiv personifiziert – manchmal bis hin zum Pathos. Besonders deutlich ist die Transformation bei „Explosion“, wenn aus dem „netten Jungen von nebenan“ oder dem charismatischen Rocker plötzlich auf der Bühne ein wütender, geladener „Selbstmordattentäter“ wird.

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Autor: Isabelssss

Der Auftritt von Thomas Godoj in Köln an der Gamescom ist jetzt eine Woche her. Gerade hat auch das Parkfest in Waltrop stattgefunden, Pasewalk im Rahmen der NDR-Tour und ein neu angekündigter Termin in Würzburg stehen noch bevor. Dann war es das mit Plan A, und es geht endgültig „Richtung G“ – so der Titel des angekündigten zweiten Albums.

Aber was bedeutet Richtung G? In welche Richtung möchte und wird die Band „Thomas Godoj“ gehen? Steht Rockiges oder Softes auf dem Programm, werden deutsche oder englische Songs überwiegen? Das neue Album wird sich jedenfalls deutlich vom softrockigen „Plan-A“-Album abheben, es soll eben Richtung G gehen, Richtung Godoj – und über die darf spekuliert werden bis man Single und Album auf den Ohren hat.

Thomas Godoj & Band begeistern Tausende beim Ringfest in Köln
Thomas Godoj & Band begeistern Tausende beim Ringfest in Köln (Foto: Iris M.)

Immer mehr deutsche Songs
„Nicht Allein“ lautet der Titel der kommenden Single. Auf dem unverschnörkelten CD-Cover ist nichts von Thomas Godoj zu sehen, er hält einen Zettel vor sich, auf dem diese zwei Worte geschrieben stehen. Alleine, dass als 3. Single (wenn man Autopilot nicht zählt) wieder ein deutscher Song ausgewählt wurde, lässt vermuten, dass Godoj und seine Band sich tatsächlich Richtung deutscher Nummern orientieren wollen, ohne sich jedoch ganz von der Vielfältigkeit abbringen zu lassen – es sollen auch einige englische Songs und etwas Polnisches auf dem Album sein, sagen die Gerüchte.

Diese Entwicklung Richtung Deutschrock ist keine wirkliche Überraschung, sind doch die Setlists der Auftritte zunehmend um deutsche Songs erweitert worden: Erst „Liebe zur Sonne“, „Explosion“ und „Für immer“, die aus der musikalischen Biografie mit den Bands „Wink“ und „Bonk“ stammen, dann das auf der Tour geschriebene „Alles was nicht existiert“ und letzthin die Coverversion von „Flüchtig“, die „Thomas Godoj“ auf ihre ganz eigene Art für das Tribute Album der Fanta 4 interpretiert haben. Aus dem Programm gefallen sind dafür einige englische und softere Nummern.

Straffes Kölner Programm
Im deutlich gestrafften Programm des Kölner Gamescom-Auftritts bedeutete dies für die Setlist: Nach dem Intro kamen die Plan-A-Klassiker: „Morning sun“, „Not the only one“, „Love is you“, und „Plan A“ sowie die polnischsprachige Rocknummer „Urke“ – leider ohne das spannungssteigernde Intro. In Abwesenheit des Didgeridoo-Spielers Tom Fronza leitete dafür ein völlig überraschendes, verspieltes Interlude des Keyboarders Daniel Geist in den Unplugged-Teil und zu „Für Immer“ über. Danach folgten ausser der abschliessenden Rausschmeisser-Nummer „Suspicious Minds“ ausschliesslich deutsche Nummern: angefangen mit „Autopilot“, ebenfalls in Unplugged-Version, „Flüchtig“, „Alles was nicht existiert“ sowie „Helden gesucht“. Als Zugabe „Explosion“ und das „Let it Be“-Rockcover. Von den deutschen Songs ist damit einzig „Liebe zur Sonne“ der Zeitschere zum Opfer gefallen.

Zum Gig selber ist zu sagen, dass es Thomas Godoj auch in Köln wieder verstanden hat, die Menschen weit über die eingeschworene Fangemeinde hinaus in Stimmung zu bringen. Er hat den Platz mit tausenden Besuchern bis in die hintersten Reihen in ein Meer wogender Hände verwandelt, zum Singen und Klatschen animiert. Er verdankt dies sicher zu einem grossen Teil seiner besonderen Stimme und eingespielten Band, es liegt aber wohl auch an der Art, wie er die Songinhalte in Körper und Mimik sehr abwechslungsreich und intensiv personifiziert – manchmal bis hin zum Pathos. Besonders deutlich ist die Transformation bei „Explosion“, wenn aus dem „netten Jungen von nebenan“ oder dem charismatischen Rocker plötzlich auf der Bühne ein wütender, geladener „Selbstmordattentäter“ wird.

Und dann könnte man in anderen Momenten meinen, geradezu in den Menschen Godoj hinein zu sehen, wenn er sich beispielsweise beim Publikum dafür bedankt, dass er mit seinen Jungs jetzt hier überhaupt performen darf, oder auch bei seiner Reaktion auf eine durch die Fans vorbereiteten Aktion: Da haben hunderte Fans vor der Zugabe farbige Zettel hochgehalten auf denen steht „Richtung G – wir gehen mit“, und Godoj steht kopfschüttelnd auf der Bühne und quetscht ein bewegtes: „Ihr seid ja crazy…“ heraus.

Diese Angst…
Ja, die Band wird für ihre musikalische Zukunft Fans brauchen, die mitgehen – und sie muss ausserdem viele neue dazugewinnen. Die gut besuchten und umjubelten Sommergigs – Köln, Hamm sowie Waltrop haben aber gezeigt, dass sie dazu auf gutem Weg sind, dass sie auch unvoreingenommene Massen begeistern können – dank musikalischer Qualität und ihrer Live-Performance.

Diese musikalische Qualität kann auch abschätzen, wer nicht vor Ort war – YouTube und Internet machen‘s möglich. Hervorzuheben sind vielleicht die Aufnahmen von Für Immer oder Autopilot. Sie zeigen, welchen musikalischen Freiraum sich die Band mit Einbau des akustischen Konzertteils geschaffen hat, mit welcher Spielfreude sie ihn füllt und dann einen musikalischen Spannungsbogen schafft, der in der Hymne Helden gesucht seinen Höhepunkt findet.

Betrachtet wiederum Videoaufnahmen von Flüchtig, so lässt dies einen überlegen, wie weit der Text: „Diese Angst, dass die Träume sich verflüchtigen …“ im Vakuum zwischen „Plan A“ und „Richtung G“ vielleicht auch auf die Situation des Sänger und seiner Band passen mag. War doch die Spannung dieses Songs schon bei der Premiere in Rechberghausen regelrecht greifbar.

Thomas Godoj – eine Live-Band
Die neue Single knüpft jedenfalls direkt an diesen Gedanken an: „Ich will die guten Momente spür’n, sie sind schneller vorbei als du denkst“, so beginnt der Song Nicht Allein. Geschrieben hat das klassisches Rock-Pop-Stück Thomas Godoj laut Medienmitteilung von Sony wieder selbst, gemeinsam mit Aki Bosse und dem Produzenten Jochen Naaf, der auch schon mit Polarkreis 18 sowie Peter Licht gearbeitet hat. Mehr wird man erst wissen, wenn die Single am 23. Oktober 2009 erschienen ist.

Anfang November folgt das Album – dann wird sich zeigen, was die sieben Musiker in den letzten Monaten zusammengeschraubt haben… Und dann wird man auch feststellen, wie die neue Richtung von Radiosendern, Öffentlichkeit aber auch ausgesprochenen Godoj-Fans aufgenommen werden wird.

Freuen darf man sich außerdem auf die anschliessend geplante Tour. Viele Stücke des Albums werden da im Live-Erlebnis noch einmal um neue Facetten bereichert werden. Bereits bei der „Plan A-Tour“ haben die Musiker live mit ungewöhnlichen Arrangements, rockigeren Versionen sowie mit ausdrucksstarken Unplugged-Nummern überrascht. Das eine oder andere Stück der „Plan A“-Zeit wird darum sicher auch für die kommende „Richtung-G-Tour“ im Köcher bleiben.

Der zunehmende Männeranteil im Publikum der Sommergigs lässt vermuten, dass Thomas Godoj bei seinen Auftritten den richtigen Nerv getroffen und bereits einiges an „Laufkundschaft“ überzeugt hat. „Thomas Godoj“ sind eben eine Live-Band. Und gerade die Stärke der Live-Performance und der absolute Wille – und das Vermögen – aus jedem Song auf der Bühne das Maximum heraus zu holen, stimmen sehr zuversichtlich für die Zukunft dieser Truppe.

Jetzt geht es in Richtung G
Nun müssen nur noch die Radiosender die neue Single auch spielen und ihre Vorurteile gegenüber der Casting-Vergangenheit ablegen. Schliesslich war diese nicht mehr als ein Intermezzo zwischen der musikalischen Vorgeschichte mit Bands wie „Bonk“, „Tonk“, „Wink“ etc. und der Zukunft einer neuen Band mit Thomas Godoj im Zentrum. – Aber immerhin hat genau dieses Intermezzo dazu beigetragen, dass einige Augenpaare mehr die Zukunft der Band verfolgen werden. Und mit „Richtung G“ hat „Thomas Godoj“ nun die einmalige Gelegenheit zu zeigen, was es mit Musik à la Godoj auf sich hat.

7 Kommentar

  1. Die Richtung stimmt – man merkt auf den Konzerten, wie gerne die Gruppe ihre eigenen Lieder spielt statt der von Fremdkomponisten eingekauften Werke. Es ist faszinierend, den Weg eines Künstlers über längere Zeit hinweg zu begleiten und zu sehen, wie er sich entwickelt. Ich bin eigentlich ziemlich zuversichtlich, dass es der richtige Weg ist – in „Richtung G“. 😉

  2. …stimmt,die Band ist schon lange in „Richtung G“ unterwegs,hat den Plan A erfolgreich abgelegt und sammelt nun immer mehr Fans auf den Gig´s Richtung G ein……PS: Ich geh gerne mit……was immer auch da kommen mag!!!

  3. Danke für den sehr gut recherchierten Artikel. Er beschreibt sachlich den Werdegang dieser Band und gibt mir einen schönen Ausblick auf die mögliche Zukunft. Daneben konnte ich mir trotzdem auch die Stimmung während der Konzerte vorstellen. Das macht mich neugierig! Vielen Dank Isabelssss, ich möchte jetzt mehr von dieser Band hören.

  4. Wer in Hamm, Köln und Waltrop dabei sein konnte, war rundrum begeistert. Auch die Zuschauer, die „nur mal gucken“ wollten. Da haben einige Augen überrascht aufgeleuchtet. Danke für den Artikel

  5. Vielen Dank für den sehr interessanten und konstruktiven Artikel. Mit Thomas Godoj und Band gibt es endlich wieder eine Ausnahmestimme in der deutschen Rockszene, deutsche Songs mit tiefgründigen Texten und sehr rockigen Musikarrangementsm wie z.B. bei Liebe zur Sonne, Explosion, Flüchtig oder Alles was nicht existiert. Das läßt hoffen, dass „Richtung G“ kein oberflächliches Popalbum wird, sondern guter deutscher Rock mit Anspruch. Auch das Video „EXPLOSION“ in diesem Artikel finde ich sehr gut gewählt. Es zeigt, dass der Rockband Texte zum Nachdenken besonders liegen. Ich hoffe, dass dieser Song auch in der nächsten Tour noch weiter gespielt wird!

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