Tonight mit Alex Max Band im Batschkapp

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Versteckt gelegen zwischen Wohnvierteln, Supermarkt und Bahnlinie, auf der die Züge unüberhörbar vorbeidonnern, liegt der  legendäre Rockclub Batschkapp (‚Schiebermütze’) – seit 1976 Kult in Hessen und darüber hinaus. Künstler wie Nirvana, Lenny Kravitz,  Die Toten Hosen oder R.E.M. und viele andere bekannte Gruppen haben den Club weit über die Region hinaus bekannt gemacht. Was liegt also näher, als sich den Auftritt von Alex (Max) Band, vielen noch bekannt als Frontmann von The Calling, gerade hier anzusehen.
Auch wenn Alex selbst die Batschkapp als „very small“ erscheint und es tatsächlich die kleinste Location seiner Deutschlandtour sein wird – die Entscheidung von contra-promotion diesen Club der Hugenottenhalle vorzuziehen, wird auch Herr Band verstehen, sobald er sich mehr in die europäische Mentalität einfühlt. Aber nun zum Konzert:

Als Vorgruppe heizt „ACHT“ – eine Rockband mit dem Frontsänger Gil Ofarim – mit kräftigem, eckigem Deutschrock schon mal richtig ein und die Stimmung im ausverkauften und locker gefüllten Club steigt mit jedem Song der Band, die mit ganz offensichtlicher Spielfreude und gekonnter Performance überrascht. Wer sich während der Umbaupause allerdings noch abkühlen will, muss die Erfahrung machen, dass ein Rückweg praktisch unmöglich ist, denn nun ist die Halle wirklich voll gepackt.

Und dann ist es soweit – das Begleit-Musikertrio und Alex Max Band erscheinen auf der Bühne. Bereits beim Intro setzt das hysterische Kreischen der Fans in den ersten Reihen ein.  Beim Opener ‚Tonight‘ – seit einem Jahr bei allen Radiosendern ein oft gespielter Hit – schmettern selbst die bierseligen Herren an der Theke am Ende der Halle textsicher mit. Wenn man Alex im Oktober nach mehr als fünf Jahren erzwungener Bühnen- und Plattenabstinenz bei seinen ersten Konzerten noch leicht verhaltenes und fast schüchternes Auftreten nachsagen konnte, dann ist ihm davon in Frankfurt nichts mehr anzumerken. Er scheint wieder der erfolgsverwöhnte Megastar von The Calling vor 2005 zu sein, bevor er sich entschloss, auf das Etikett einer Band, die es eigentlich nie gegeben hatte, zu verzichten und unter seinem Geburtsnamen Alex Band aufzutreten. Mit Titeln aus seinem 2010 erschienen Album ‚We’ve All Been There‘ aber auch mit Songs aus The Calling-Zeiten wie ‚Adrienne‘, ‚Wherever You Will Go‘ oder ‚Stigmatized‘, zieht er sein Publikum sehr bald in den Bann. Seine Texte sind in den Jahren der durch Anwälte erzwungenen Pause aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen gereift. Routiniert erzählt Alex von Liebe, Beziehungen und großen Gefühlen, Mut, Glauben, Chancen und Lebensfreude. Viele persönliche Erfahrungen sind in die Texte eingeflossen. Zusammen mit den gut durchkomponierten Melodien sind seine Songs anspruchsvoller und attraktiver geworden. Seine großartige, volle und unverwechselbare Stimme, die Lyrik, die Kompositionen, Gitarrenriffs und Schlagzeug – es ist handwerklich solide Musik, die den Zuhörern geboten wird. Viele von ihnen sind auch mit den neuen Songs vertraut und brauchen keine große Aufforderung, um an vielen Stellen, manchmal auch ganze Titel mitzusingen. Wie so oft klingt alles wesentlich rockiger als auf der CD und Freunde guter Live-Musik kommen voll auf Ihre Kosten.

Kleine Zwischenbemerkungen auf Englisch wie  „Deutschland meine homebase, von der meine neue Weltkarriere ausgeht – danke, dass ihr die treuesten Fans der Welt wart und all die Jahre ausgeharrt habt“ oder „ich fühle mich sehr geehrt, dass mein ‚Only One’ in den Radios oft im Zusammenhang mit den schlimmen Vorkommnissen in Japan gespielt wird – ich bitte Euch, positive Gedanken an die Betroffenen bei diesem Song zu senden“ werden laut bejubelt. An einem sonst großartigen Abend ein kleiner Wermutstropfen für viele: seine 13 Songs der Setlist sind schon nach 70 Minuten vorbei, Alex verabschiedet sich mit „Thank you, thank you, thank you, thank you….“ und die Band ist ohne gemeinsame Verbeugung von der Bühne verschwunden.

Für alle, die nicht dabei sein konnten, dokumentieren unsere Fotos was für ein tolles Konzert sie versäumt haben.

Foto: Andreas Waldeck für musiktipps24

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