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Thomas Godoj Tourtagebuch – Tourschluss…

Autorin: Cat

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Aus, vorbei. „Plan A“ ist Geschichte. Ulm war das letzte von vier Konzerten, die ich im Rahmen der Thomas-Godoj-Tour besucht habe – und was kommt jetzt?

Ein Rückblick. Sommer 2008 – alles, was sich Thomate schimpft, hechelt nach Konzerten. „Ich will auf Tour gehen“, verkündet DSDS-Sieger Thomas Godoj, und seine Anhänger stehen schon in den Startlöchern. Wie sehr die Tour erwartet wird, zeigt sich mit dem Startschuss des Vorverkaufs Ende Juli: Innerhalb weniger Tage sind mehrere Konzerte ausverkauft. Ein bisschen Kalkül mag dabei sein, ist doch ausgerechnet in Godojs Heimatstadt Recklinghausen die kleinste Location zu finden. 600 Besucher – ein Witz! Schnell werden zwei Zusatztermine nach- oder besser gesagt vorangeschoben, um den großen Schwung zu versorgen. Wöchentlich gibt’s Zusatztermine, und gespannt wartet der Süden, dass er an die Reihe kommt. Er wird uns doch nicht vergessen?

Aber nicht doch: Stuttgart, München, Nürnberg usw… für jeden in der deutschen Republik ist die passende Location dabei. Die Schreiberin dieser Zeilen entscheidet sich für die Landeshauptstädte Baden-Württembergs und Bayerns, wohnt sie doch in der Mitte zwischen selbigen. Vor der Tour gibt’s schon mal einen Vorgeschmack bei einer Unplugged-Session in Stuttgart (seeehr schön, wenn auch kurz) und beim polnischen Festival in Essen. Letzteres hatte Konzertcharakter, aber die Stimmung ist bei 9000 Zuschauern auch aus der dritten Reihe raus nicht so mitreißend wie mit 230 Leuten bei Antenne 1. Aber immer noch super, wohlgemerkt.

Eigentlich sollte man keine Konzertberichte lesen, bevor man nicht selber eins besucht hat. Die Falle schnappt trotzdem zu: Die Neugier siegt, und bevor der Meister nach Stuttgart kommt, hat man schon mindestens 15 Augenzeugenberichte der Auftaktkonzerte in weiß-der-Geier-wo gelesen und förmlich inhaliert. Der Überraschungseffekt ist also schon mal weg. Überrascht hat mich als erstes die Vorband, Luxuslärm, deren Sängerin Jini eine unglaublich positive Ausstrahlung hat und das Publikum mitreißt. Notiere: 1. Reihe, seitlich rechts (beim Einlass stapelten sich ruckzuck alle in der Mitte; erstaunlich, aber wahr). Während des Abends im „Longhorn“ besteht ein fantastischer Ausblick auf die Treppe in den Backstage-Bereich, auf der immer wieder mal interessante Leute rauf und runter tappen, darunter Bär Läsker, Schwabe und Ex-DSDS-Jurymitglied. Die Stimmung ist gut, aber trotz guter Leistung der Band will sich keine Euphorie einstellen. Irgendwie wirkt der Auftritt der Gruppe noch etwas schaumgebremst; Thomas ist erkältet, die Bühne ist klein. Das Didgeridoo macht sich super; Höhepunkt ist die Instrumentalbattle zwischen Tom Fronza und Torsten Bugiel.

Zwei Tage später steht München auf dem Programm. Gänzlich andere Voraussetzungen. Dieses Mal bin ich schon früh in der Halle und habe einen guten Blick auf die Richtung Bühne stürmende Meute. Innerhalb von Sekunden ist man umringt, bedrängt und eingequetscht. Notiere: 1. Reihe, mittig, leicht links vom Publikum aus gesehen. Guter Platz. Vorteil der ersten Reihe: Man kriegt besser Luft nach vorne, und der Blick zur Bühne ist auch nicht übel. Aber die erste Reihe ist eigentlich nicht die erste Reihe, denn der Bühnengraben füllt sich rasch mit Kindern, die teilweise in einem Alter sind, in dem man Rockkonzerte tunlichst vermeiden oder zumindest von der Empore aus verfolgen sollte. Auch wenn’s niedlich anzuschauen ist, wie die Security mit einer Eselsgeduld Ohropax austeilt und die Anwendung erklärt. Allerdings fällt so manchem Zwerg bei den ersten Tönen von Luxuslärm glatt der Kiefer runter: Sooo laut ist das hier??? Mama, bitte dreh mal die Anlage leiser! Meine Knicklichter verschenke ich bald an die begeisterten Nachwuchs-Fans, die vor mir stehen, und die winken auch kräftig damit.

Der Auftritt ist ja eigentlich derselbe wie vor zwei Tagen und doch völlig anders. Die Band scheint viel routinierter, entspannter und lustiger drauf zu sein, und das Publikum ist sowieso guter Laune. Bald feiert die Tonhalle eine große Party, und zur Krönung dürfen am Ende zu „Helden gesucht“ ein paar beschwipste Jungs in Feinripp-Shirts und Jeans mit auf die Bühne und singen. Flash! Geniale Show!

Dann ist erstmal Pause. Weihnachten kommt, der Herr Leadsänger wird ganz planmäßig Vater und kriegt eine Echo-Nominierung ab, was den Fans daheim die Wartezeit auf die Fortsetzung der Tour mit Spekulationen darüber verkürzt, ob er nun Chancen hat, das Ding einzufahren. Mittlerweile bin ich im Besitz von weiteren Konzertkarten: In Ulm darf der Gatte mit (er will selbst, wird nicht gezwungen!), und da ich im Januar Geburtstag habe, lasse ich kurz nach Weihnachten ungefähr 25-mal am Tag den Wink mit dem Zaunpfahl fallen, dass das Auftaktkonzert in Neu-Isenburg doch mein größter Wunsch sei. Der Herr des Hauses reagiert – etwas lahm, aber noch rechtzeitig. So reise ich zum Tour-Wiederanpfiff Richtung Frankfurt.

Dieses Mal ist es anders: Ich verpasse – berufsbedingt – das halbe Konzert, und bis ich in der Halle bin, läuft schon der Unplugged-Teil. Das neue Lied habe ich verpasst – Mist! Aber Explosion gibt es noch. Notiere: Reihe 17? 18? 19? Egal – ziemlich weit hinten. Ich bin kein Drängler. Vorteil: Mehr Platz. Nachteil: Die Leute hinter mir sind damit beschäftigt, sich Getränke zu besorgen, unterhalten sich teilweise, knutschen oder zicken rum. Das schlägt sich auch auf die Stimmung nieder. Und was auf der Bühne abläuft, ist zwar für jemanden wie mich immer noch super, aber von der Stimmung in München Lichtjahre entfernt. Das Auftaktkonzert eben. Trotzdem ein toller Abend, und was mir auffällt: Die Gangart wird härter.

Der Abschluss meiner persönlichen Konzertreihe war nun in Ulm – quasi ein Heimspiel! Die erste Reihe ist nicht machbar, es findet sich jedoch ein Plätzchen direkt hinter den Kleinen im die halbe Bühne einnehmenden Kinderbereich. Was soll ich sagen? Das Konzert war fast perfekt. On Stage befanden sich sieben Menschen, die monatelang miteinander auf Tour waren. Die den ganzen Tag und wahrscheinlich auch jeden Abend miteinander verbracht haben, die zusammengewachsen sind. Ein Klischee, ich weiß. Aber es scheint, nach allem, was ich erlebt und gesehen habe, in diesem Falle zu stimmen. Ein entspannter, fröhlicher Thomas (okay, er hatte auch Geburtstag), witzige Ansagen, spontane Aktionen wie Stagediving und Tortenparty, eine Stimme und eine Performance, die einen förmlich umhaut. Musiker, die eine gleichberechtigte Rolle einnehmen und nicht nur Staffage sind, die eine Show abliefern, die an bestes Rocktheater erinnert, eine perfekte Choreographie und Dramaturgie. Harte Gitarrenriffs, die nach mehr schreien, kraftvoller Bass, dominantes Schlagzeug, ohne jemals unmelodisch zu werden. Hypnotisches Didgeridoo, wabernde Nebelschwaden in buntem Licht. Nicht zuviel und nicht zu wenig Show, und mittendrin immer die Musiker, die jederzeit den Kontakt zum Publikum und den Bandkollegen suchten.

Eine geniale Stimmung, wenngleich das Gekreische mir persönlich stellenweise viel zu viel war. Das als kleines Manko, ebenso die Tatsache, dass der Hype um Thomas teilweise anomale Züge annimmt. Für mich steht auf der Bühne eine Rockband, die es verdient, ernstgenommen zu werden, weil sie gute Musik macht und eine super Show abliefert.. Ich hätte gerne mal ein Lied gehört, ohne dass der Text durch ekstatische „Thomas-Du-bist-ne-geile-Sau“-Rufe unverständlich wird. Ich würde mir wünschen, dass die Fans sich genau wie die Band etwas „rockiger“ benehmen und damit nicht mehr so an die DSDS-Hysterie der Vergangenheit erinnern.

Überhaupt, zum Thema „rockiger“: Jetzt habe ich auch „Alles, was nicht existiert“, das erste „richtige“ Lied der Band, live und mit eigenen Ohren gehört. Was soll ich sagen? Es ist genau das, was ich mir erwartet und erhofft hatte. Richtiger Rock, melodiös und doch hart, mitreißend, schweißtreibend. Bei der Komposition der harten Riffs hatte doch der René seine Finger drin? Gefällt mir supergut. So kann es weitergehen, auch wenn manche Fans auf der Strecke bleiben dürften. Die Chasing-Cars-Fraktion zum Beispiel. Aber letztendlich wird die Band sich so entwickeln, wie es zu ihr passt. Ich bin jedenfalls gespannt und denke, dass es der richtige Weg sein wird.

Tja, wie gesagt: Die „Plan-A-Tour“ ist Geschichte. Aber so richtig traurig darüber bin ich nicht. Schließlich habe ich mir gestern schon mal zwei Karten für das Open-Air in Rechberghausen gesichert. „The Show must go on“ – in diesem Sinne: Adios, „Plan A“ – wir sehen uns auf den Sommerkonzerten!

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2 Kommentare


  • Iris 19. März 2009 at 18:14

    Schöner Rückblick auf die Tour – vielen Dank dafür – genau so war’s. Ich freue mich schon tierisch auf die angekündigte Single und das Album im Herbst. Wenn das in die Richtung von „Alles, was nicht existiert“ geht, dann kann das nur genial werden 😉

  • Ella 19. März 2009 at 19:36

    Das ist ein supertoller Artikel!! Interessant, Erinnerungen weckend, Vorfreude machend und dabei unterhaltsam und sehr ansprechend geschrieben!!
    Der Stil von Cat gefällt mir gut. Und ihr Thema natürlich ganz besonders!!
    War wirklich nett, das zu lesen. – Weiter so!!

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