Thomas Godoj rockt 20.000 beim Hammer Summer

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Fotos von Moni

Zum 63. Geburtstag des Landes NRW und dem Hammer Summer Special zu diesem Fest, war der Wettergott den 700.000 Besuchern der Stadt Hamm an diesem Wochenende wohl gesonnen. Und auch am Samstag, als Thomas Godoj auf der Hauptbühne seinen Auftritt hatte, lachte schon zu seinem bejubelten, bisher größten Soundcheck vor tausenden von Zuschauern die Sonne. Kaum zu glauben, aber wahr: bei seinem Auftritt musste laut Presseberichten der Platz vor der Pauluskirche kurzzeitig geschlossen werden, weil keine Gäste mehr auf den Marktplatz passten. Das habe es bisher bei keinem Hammer Summer gegeben, erklärten die Organisatoren der Stadt Hamm.

Die zahlreichen Fans, die erfolgreich die ersten, schon am frühen Mittag eingenommenen, Reihen vor der Bühne gegenüber der Security verteidigt hatten, als diese kurz vor Auftritt der Band noch einmal zur Taschenkontrolle den Platz leeren wollten, wurden von Thomas vehement unterstützt. Das war aber auch der einzige Negativpunkt dieses Abends.
Sicher haben die Godoj Anhänger schon weit mehr als ein Konzert erlebt. Und da fragt man sich: „Warum gehen sie eigentlich immer und immer wieder hin? Die Lieder sind doch bekannt, die Setlist ist, bis auf wenige Veränderungen die gleiche und mit den Bandmitgliedern hat man doch auch dann und wann gesprochen!“ Die Erklärung dazu ist einfach: die Lebensfreude, die Energie und Leidenschaft, die Thomas gemeinsam mit seinen Jungens auf der Bühne abliefert, ist immer wieder ansteckend. Und vor allem, auch wenn man jedes Mal denkt, dies war ihr bester Gig, dann kommt wieder eine Steigerung. So auch hier in Hamm; dazu später mehr.

Die Anhänger von Thomas machten bei den 20.000 Zuschauern vor der Bühne dieses Mal nur einen kleineren Anteil aus und doch hat die Band es geschafft, den Platz nach wenigen Songs bis zur letzten Reihe mit ihren Songs und Performance zu überraschen, anzustecken, zu rocken und zum Mitmachen zu bewegen. Die Setlist war optimal gewählt: der Opener Morning Sun und mit das mit der nötigen Portion ‚Dreck’ interpretierte Not the Only One, Plan A – schön rockig vorgetragen -, Liebe zur Sonne – intensiv und mit unglaublicher Leidenschaft -, Für Immer – unplugged und wundervoll emotional- , Autopilot – treibend und spannungsreich -, Alles Was Nicht Existiert – temperamentvoll rockend -, Explosion – so explosiv wie selten zuvor-, Urke – vorgetragen, als hätte der Frontmann über Nacht an der Steckdose geschlafen: alle Songs überraschten wohl besonders diejenigen, die eher Mainstream erwartet hatten. Die Songs sind eingängig, aber alles andere als alltäglich, immer voller Abwechslung und vor allem energiegeladen. Die Tatsache, dass das Didge-Drum-Battle zwischen Tom Fronza und Torsten Bugiel jedes Mal wirklich improvisiert und anders ist, fasziniert mich genau so, wie Thomas Schnalz- und rhythmische Ballspieleinlage dazu.
Er und die Band machten am Samstag nicht nur auf sich aufmerksam, sondern sie machten auch klar: Der Weg geht in „Richtung G“ (so der Name des im Oktober erscheinenden Albums) – rockiger, deutschlastiger, interessant instrumentiert und mit einer schönen Mischung aus explosiven Songs, ernsten oder optimistischen Texten und ans Gefühl gehenden Balladen. Ein Mix, der durchaus Aussicht auf eine lange und erfolgreiche Zukunft haben sollte. Bleibt zu hoffen, dass die Öffentlichkeit bald mehr darüber erfährt.   

Und noch eines wird, wie schon vom Keyborder Daniel Geist erwähnt, hier klar: statt Sex, Drugs and Rock’n Roll gibt es bei dieser Band Rock’n Roll mit Liebe zur Musik und große Leidenschaft. Und davon hatte Thomas am Samstag soviel auf die Bühne getragen, dass nichts, aber auch gar nichts – vielleicht außer dem Song Love Is You – noch an diese Castingshow erinnerte. Er lebt seine Songs wahrhaftig! In diesem einen Jahr hat Thomas sich Meilen vom Niveau des DSDS-Finales und seines Albums PlanA fort bewegt. Man merkt deutlich, dass er seine Stimme weiter trainiert und auch jeder einzelne Song erfährt immer wieder eine Verbesserung im Vortrag und der Instrumentierung. Seine Gestik, Mimik, Performance, Ausdrucksstärke und auch die Moderation zwischendurch werden immer perfekter.

Foto: Moni
Thomas lebt seine Songs! (Foto: Moni)

Die Bandmusiker bringen sich in die Show immer mehr ein und ihre Spontaneität ist umwerfend. So wie in einer kleinen Episode, als Sebastian Netz und René Lipps Rücken an Rücken ein kleines Gitarrenbattle aufführen, Thomas sich unter ihnen durchschiebt und er und René beim Weggang von Sebastian auf den Rücken fallen. Da beweist René, dass man auch liegend Gitarre spielen und Thomas über ihm weiter rocken kann. Eine Szene, bei der wirklich alle ihren Spaß haben.    

Sebastian wiederum zeigt beim obligatorischen Texthänger des Leadsängers seine Geistesgegenwart und singt für ihn einfach weiter. Das ist keine Allerweltsband, sondern jeder einzelne ist ein kreativer Musiker, der sich jedes Mal wieder neu erfindet und die Zuhörer mitreißt. Selbst Coversongs wie Suspicious Minds und Let It Be, machen den Vorbildern Elvis und den Beatles nicht nur deutlich Konkurrenz, sondern werden zu ganz ureigenen Titeln dieser Gruppe.

Besonders angenehm war in Hamm auch, dass auch die Zuschauer weiter hinten auf der großen Leinwand an der Rückseite der Bühne einen optischen Eindruck von der Band bekamen. Leider war filmen nicht erlaubt und so geben auch die wenigen Ausschnitte auf YouTube nur unzureichend die gute Qualität des Sounds, der Performance und der Stimmung auf dem Paulusplatz wieder. Am Rande war es lustig zu sehen, wie die Herren vom Sicherheitsdienst fast einen Herzinfarkt bekamen, als Thomas ihnen geschickt über die Absperrung entkam und sich immer weiter in die Menge auf dem Platz schob, um mit seinen aufgeheizten Zuschauern Helden Gesucht zu singen, der Song, der auch die U21 Mannschaft hoffentlich heute zum Sieg der Fussball-Europameisterschaft tragen wird.

Mein Fazit: der Samstag in Hamm und die phantastische Stimmung waren jede noch so weite Anreise (wie auch der von Moni aus Graz) ganz sicher wert. Thomas Godoj & Band haben einen Gig abgeliefert, der berechtigte Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft und noch viele tolle Konzerte zulässt.

Autopilot (unplugged)

9 Kommentar

  1. Hach – danke für’s Teilhabenlassen. Da kommt blanker Neid auf. Aber ich bin ja in Kürze selbst wieder im Thoma ;-).
    Ja, und die Frage, weshalb ich immer und immer wieder hingehe, obwohl die Setlist immer die gleiche ist, beantworte ich ganz einfach so: „Beethovens Neunte oder Mozarts Kleine Nachtmusik hört man doch auch immer wieder an…“

  2. Vielen Dank liebe Christel für Deinen tollen Bericht!
    Ich freue mich in Rechberghausen endlich wieder einmal ein Konzert live zu erleben und Euch dann persönlich kennenzulernen!!!!
    Ganz liebe Grüße aus Wien

  3. Ein wunderbar geschriebener Artikel !!!
    Kein Wort ist übertrieben oder untertrieben: Genau so war es !!!
    Bleibt nur zu sagen, Thomas und seine Jungs und die Fans treiben sich immer wieder gegenseitig zu Höchstleistungen. So wird jeder neue Gig zu einem Erlebnis … ich denke für beide Seiten … und das merkt man.

  4. Ach Christel, dass du soooo untertreiben musstest in deinem Bericht 😉
    Nein, wirklich ein thomtastischer, giganthomanischer Gig. Ich bin heute noch im Begeisterungstaumel. Vor allen Dingen, freue ich mich darüber, dass offensichtlich einige Leute, die „nur mal gucken“ wollten, den Platz völlig fasziniert verlassen haben. Thomas hat mit „Richtung G“ gezeigt, wo es hingeht. Wir werden folgen, liebe Godojs, verlasst euch drauf.

  5. Sehr treffender Artikel, danke dafür…

    bleibt zu wünschen das die Plattenfirma Bosse solch einem Ereignis einmal beiwohnen und als Quintersenz daraus den Entschluss fassen: Das neue Album „Richtung G“ nicht mit ihren Weichspülern zu verunreinigen“.
    Sondern die Band spielen lassen wie sie es wollen…
    …voller Kraft und Energie…denn Sie wissen was Sie tun.

    Übrigens 17 Konzerte…weil man sich dort den positiven Energieschub abholen kann …und jedes Konzert seine ihm eigene Magie hat.

  6. Schöner Artikel, herzlichen Hätte es mir auch gerne angeschaut, war aber aus Gesundheitsgründen leider verhindert.Du hast ein sehr plastisches, emotionales Bild des Konzerts gezeichnet, welches mir in dieser Form auch von anderen Anwesenden geschildert wurde. Über den Daumen gepeilt kam der Tenor wie folgt bei mir an: „Das war das beste Konzert von Thomas überhaupt!“ Schade, dass ich’s verpasst habe. Nun, die nächste Chance kommt bestimmt. 😉

  7. Es wird höchste Zeit, daß die Medien erkennen, was wir schon lange wissen. Daß die Godojs eine Band sind und Musik mit Leidenschaft machen. Es ist an der Zeit die Vorurteile fallen zu lassen und Thomas als Musiker ernst zu nehmen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  8. Der Beitrag is echt so klasse geschrieben, Habe mich sofort wieder nach Hamm versetzt gefühlt. Es war genauso wie du es beschrieben hast. Einfach nur Klasse.
    Freu mich so auf Richtung G und alles was noch so kommt. Auf nach Kölle.

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