Thomas Godoj & Band rocken den Wilden Osten – Chemnitz 14. Februar 2009

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Autorin: Christel / Fotos: Daggivt

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Die zweite Tourhälfte hat begonnen. Neu-Isenburg – warm spielen, Bad Arolsen – Fahrt aufnehmen und Chemnitz, ja da schien es gestern richtig los zu gehen. Ein erster Anruf aus Leipzig bevor ich überhaupt meinen Mantel am Haken hatte: „Na, da habt Ihr in Chemnitz aber das Dach wegfliegen lassen, was?“

Ich fange mal besser von vorn an:
Nach einer kurzen Freitagnacht kommt eine Community-Freundin aus Recklinghausen zum kurzen Frühstück und es kann losgehen. Dortmund – Chemnitz in 4 ½ Stunden, einchecken im Hotel und auf zur Chemnitz Arena. Dort warten schon seit Mittag die ganz besonders hart gesottenen Fans in eisiger Kälte. Aber ein paar Klare, angeregte Gespräche und dichtes Zusammenrücken geben Wärme und lassen die Zeit rasch verfliegen. Dann endlich einen Platz in den ersten Reihen erstürmt. Freuen auf eine für uns letzte Begegnung mit LUXUSLÄRM als Support von Thomas. Jini und ihre tolle Band bringen mit sensationellen Songs und Performance die Halle schon ordentlich in Bewegung und die kurze Wartezeit auf Thomas Godoj erscheint schon wieder endlos.

Und dann beginnt das lange Intro, nacheinander werden Torsten, Daniel, Sebastian, René und Bonny mit lautem Beifall begrüßt, klinken sich in die Musik ein und nach einer treibenden und sich steigernder Sequenz begrüßt endlich der Star des Abends sein Publikum, um gleich mit Morning Sun zu starten. Wieder bin ich von dieser Stimme fasziniert. Warum löst es eigentlich immer dieses Gänsehautfeeling bei mir aus? Manchmal glaube ich es zu wissen, manchmal bin ich einfach fassungslos ob dieser Faszination!

"Chemnitz seid ihr mit mir?" Foto: Daggvit
"Chemnitz seid ihr mit mir?" Foto: Daggvit

Nach „Not The Only One“ folgt „Too Young to Grow Old“ und ich denke, dass es sehr schade wäre wenn dieser Song, so wie einige Fans es gern hätten, aus der Setlist verschwinden würde. Ich mag ihn. Mittendrin ruft Thomas den Chemnitzern zu „Chemnitz, seid Ihr mit mir?“ – etwas, das er während des Konzerts immer wieder und auch überall macht. Aber es kommt so von Herzen und es funktioniert – allen wird warm. Er trinkt einen Schluck Bier auf den Wilden Osten und schon geht es kuschelig mit „Summer Breeze“ weiter. Ein Song, der mir auf der CD nie besonders gefallen hat, aber mit dem neuen instrumentellen Arrangement und live gesungen, mag ich auch den. Meine Gedanken schweifen ab und ich denke: „Mein Gott, der könnte auch Hänschen Klein singen und ich würde es sensationell finden…“ Schön auch die Backgroundstimmen von Sebastian, Bonny und René, dessen Kopfstimme ich so liebe. Was wäre Tom ohne seine Jungs, was wären sie ohne ihn? Es ist inzwischen eine perfekte Einheit – seine Familie. Mit Plan A beschreibt er mal wieder, was ihm seit Juni letzten Jahres passiert ist. Nur der Text ist etwas verändert: Statt „Ihr seid mir wichtig,“ heißt es jetzt „Ihr seid uns wichtig!

Bei „Liebe zur Sonne“ sind natürlich alle voll „mit Thomas“ – es ist einer der beliebtesten Titel der Setlist geworden und eine späte Bestätigung für die vermutlich größte Herzensangelegenheit in seinem Leben, seiner Wink-Band. Das folgende „I Surrender“ ist wieder so ein Song, bei dem die Thomas Stimme voller Emotion klingt und ich könnte zwar diesen, möchte aber auf keinen Fall die englischen Songs in seinem Repertoire missen. Kurze Moderation – ich verstehe es erst nicht so ganz – etwas vom Schock, den wir manchmal brauchen. „Ich habs’ auch immer gebraucht … und in der nächsten Runde ist… alter Falter“ Er hat die Lacher auf seiner Seite und Sebastian lässt ganz leise noch einmal die DSDS Titelmelodie vor Verkündigung der Ergebnisse anklingen… Und alle hoffen nur, dass er es bald geschafft hat, diesen Stempel abzustreifen. Verdient haben die Jungs das – ganz sicher!

Premiere des neuen Songs. Foto: Daggvit
Premiere des neuen Songs. Foto: Daggvit

Und dann folgt der erste Knaller des Abends: Tom schenkt uns die Premiere seines gerade fertig gestellten neuen „Alles was nicht existiert.“ Nicht nur ein Text mit Tiefgang, eine eingängige Melodie und ein fetziges Tempo, das wirklich rockt, nein ein Thomas, der dazu auf der Bühne abgeht wie Schmitz Katze. Da merkt man, das ist seins, das ist seine Musik, das ist sein Leben und es reißt alle mit. Spätestens jetzt rockt die Halle bis auf den letzten Platz. Ich würde mir persönlich für die Zukunft noch viel mehr Songs dieses Kalibers wünschen.

Dann wieder der Umbau zum unplugged Teil, den Tom Fronza mit seinem Didge so exotisch-rhythmisch-melodisch überbrückt, Daniel, der sich mit gefühlvollen Klavierklängen dazumischt. Tom gibt eine kleine Einführung, dass er und die Band hiermit ihre Zusammenarbeit dokumentieren wollten. „Eheschließung?“ frage ich mich. „I don’t feel the same“ wurde noch gefühlvoller und interessanter umarrangiert, genau wie das noch intensiver treibende „Autopilot“ und das emotionale „When the Tears are Falling.“

Jetzt, wo wir ja den Stick mit dem Live-Mitschnitt nach Hause nehmen dürfen, sitze ich an meinem PC, erlebe noch einmal, was ich gestern schon zu hören bekam und lasse das Ganze an meinen inneren Augen und Ohren vorbei ziehen. Dieses Mal scheint es mir nicht einfach nur laut gewesen zu sein, sondern vom Mischpult optimal ausgesteuert, mit all der nötigen Dynamik. Ich kann endlich auch die leisen Töne genießen, genau wie die lauten, die schrillen und die wummernden der Bassgitarre, die meine Wirbelsäule so schön genau im Rückgrat zum Schwingen bringen. Thomas‘ charismatische Stimme windet sich langsam aber sicher von meinen Gehörgängen in den Bauch. Genau da, wo ich Musik spüren möchte, wo ich – wider alle Vernunft – glaube, dass meine Gefühle sitzen. Und ich bin überzeugt, dass alles noch reifer, noch intensiver und harmonischer geworden ist. Die Jungs sind noch besser darauf vorbereitet, was Tom gerade mal wieder im Schilde führt, kontern manchmal mit lustigen Bemerkungen oder schneiden ihm das Wort ab, wenn er vielleicht zuviel erzählen möchte.

Da wächst etwas zusammen, das mir auf dem Weg zu etwas Perfektem zu sein scheint. Und ich bin so fasziniert von der Vision, dass ich ja ein Teil des Ganzen bin, dass ich dieses Werden fast vom Urknall an ganz aus der Nähe verfolgen durfte, solange die Akteure noch nicht am Starhimmel schwebten und noch zum Anfassen waren. Dass wir als Fans, die wir so etwas wie die Ersten waren – bei aller Bescheidenheit – vielleicht sogar einen kleinen Einfluss darauf gehabt haben mochten. Aber nein, natürlich nicht. Denn die wirklichen Anfänge haben wir ja gar nicht mitbekommen. Leider…

Nach der ruhigen unplugged Session, geht es wieder mit dem ebenso sensationellen wie für ein Rockkonzert ungewöhnlichem Didge-Drum-Battle und Toms temperamentvoller Hip-Hop-Einlage weiter. Es gelingt ihm auch hier die Zuschauer mit rhythmischen Klatscheinlagen einzubeziehen. Es macht allen Beteiligten immer wieder Riesenspaß und zeugt von der Vielseitigkeit und Musikalität dieser Band und den wachsenden Entertainerqualitäten ihres Frontmanns.

Inzwischen sind die Instrumente wieder aufgebaut, die Technik angeschlossen und dann folgt noch ein Knall: „Explosion“ („Ich bin die Explosion in Person“ – über einen Selbstmordattentäter). Ein ernster, nachdenklich stimmender Song aus WINK Zeiten, nicht unumstritten, aber neu arrangiert und reifer vorgetragen. Etwas, das durchaus zum neuen Image der Thomas-Godoj-Band passt. Dem Publikum war durchaus die Begeisterung dafür anzumerken, wenn auch verhaltener als bei anderen Songs.

Nach dem ans Herz gehenden „Für Immer“ – geschrieben von René Lipps – und einem – mit obligatorischem Textaussetzer und einem Grinsen quittierten – „Chasing Cars“ folgt noch sein No 1 Hit „Love Is You“. Für den verspüren so viele kein bisschen „Love“ mehr. Aber live vorgetragen kommt es noch immer an und die Halle singt, wie bei fast allen Titeln, lauthals mit. Ein schöner Beweis für einen Künstler, dass seine Musik verinnerlicht und akzeptiert wurde. Und eine gegenseitige Liebeserklärung dazu. Von Tom an seine Weg¬begleiter, und ganz sicher auch umgekehrt.

Es geht dem Ende zu. Es fällt Thomas sichtlich schwer, sich zu verabschieden und er wünscht sich, dass wir uns alle zum nächsten Album und zur nächsten Tour wieder sehen. (Bestimmt!) Er findet, Chemnitz war der Hammääääääär!

„Suspicious Minds“ soll der Rausschmeißer sein, an dessen Ende er seine Band noch einmal vorstellt:
Am Schlagzeug: Torsten Bugiel, Daniel Geist an den Keyboards, am Bass Bonny Assan, „keine Flöte, aber ein Blasinstrument“ … am Didgeridoo: Tom Fronza, Renè Lipps und Sebastian Netz an der Gitarre! Thomas verschwindet. Alle Instrumentalisten hauen noch einmal richtig rein, nur Daniels geniale, lange Keyboardeinlage am Ende vermisse ich dieses Mal ein bisschen, jedenfalls kommt sie mir viel kürzer vor.

Das kanns’ doch nicht gewesen sein!? Laute Zugaberufe und Klatschen fordern die Band noch einmal heraus, bis Dan wieder sein Keyboard anschmeißt – mit der üblichen Warnung: „We are not in any way responsible for any hurt or damage of excessive exposure to this sound.“ Dann folgt das polnische „Urke“, das auch ohne Textverständnis inzwischen zur sicheren Stimmungskanone der Setlist geworden ist, bei dem die Fäuste minutenlang zur Decke gestreckt werden, bei dem wie wild gehüpft und mitgesungen wird und das jedes Fitness Studio überflüssig macht.

Die zweite Zugabe „Helden Gesucht“ ist auch wieder neu arrangiert. Die Band gibt sich so viel Mühe, auch die kleinsten Kleinigkeiten noch zu verbessern, die Backgroundstimmen klingen noch intensiver und auch das Publikum singt inzwischen sicher und mit Inbrunst diesen Song, der schon fast zu so was wie einer Familienhymne mutiert ist.

Alles hat ein Ende... Foto: Daggvit
Alles hat ein Ende… Foto: Daggvit

Wollt Ihr noch einen? Ja – oder nein? Die Jungs machen eine Pause, überlegen – ein wenig zu lange…. und schon singt statt der Band die ganze Halle unisono und perfekt für die Band „Let it Be“. Die stehen mal wieder kopfschüttelnd, ungläubig lächelnd und glücklich vor ihrem Publikum.
Endlich, das Keyboard setzt ein. Thomas singt die erste Zeile. Ende!! …Pause…. Dann Thomas „Habt Ihr noch Feuer im Arsch?“ – Tobendes Publikum… ja oder nein? …und dann geht die Post mit der Band noch einmal richtig ab. Auch Tom Fronza ist mit seinem Didge dabei und gibt dem Ganzen einen ganz besonderen Sound. Wie würden die Beatles das heute wohl finden? Ich finde es einfach umwerfend.

Schade, dass nun wirklich dieser Gig schon wieder vorbei ist.
Thomas, Sepp, Torsten, René, Bonny, Dan und Tom geben kurz drauf in der Halle wieder mit bewundernswerter Geduld Autogramme, posieren für Fotos und wechseln ein paar Worte mit den Fans. Sebastian schaut uns an und wundert sich: „Ihr seid verrückt, diese weite Strecke zu fahren!“ Ich kann auch im Nachhinein nur sagen: „Nein, Sepp, es hat sich gelohnt – es gibt viele schlechtere Möglichkeiten, mein Geld auszugeben!

1 Kommentar

  1. Ja, das ist wieder ein schöner Bericht von dir. Bis auf einen Punkt – kann ich voll und ganz zustimmen – diese Band wird immer besser. Große Klasse.
    Aber – „Alles was nicht existiert“ finde ich musikalisch okay – aber nicht den Bringer – und bisher sind alle meiner Meinung – mit denen ich mich unterhalten habe. Ganz im Gegenteil zum Text – der bei weitem nicht die Klasse von Autopilot oder Helden gesuchterreicht. Daran sollten sie noch mal arbeiten. aber das können die Jugs ja noch ändern.
    Ich wünsche mir schöne Songs auf dem zweiten Album und möglichst mit einem Knaller – der musikalisch in Ohr und Beine geht ( vielleicht auch bisserl ins Herz )verbunden mit einem wirklich guten Text. Sonntag fahre ich nach Flensburg – sind ja nur 1000 km bis zum Meer!!! Schade das Luxuslärm nicht mehr dabei sind. Bei so einer weiten Anreise hätte ich mich schon sehr gefreut.

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