Sieg oder Niederlage für Fansites und dsds-news.de

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An dieser Stelle mal ein Thema, das nicht unbedingt mit Musik zu tun hat, aber durchaus relevant ist für unsere Seite. Es geht um den Gerichtsstreit zwischen RTL und der Fanseite dsds-news.de. Schon im letzten Jahr haben wir darüber berichtet. RTL hat den Betreiber der Seite verklagt, da dieser angeblich die Marke „DSDS“ wiederrechtlich zu kommerziellen Zwecken genutzt hatte. Auf der Website war Werbung zu sehen mit der die Macher von dsds-news.de ihre Kosten decken wollten. Und nun ist es amtlich: dsds-news.de darf nicht zu kommerziellen Zwecken betrieben werden.

Die Frage ist nun: Sieg oder Niederlage für dsds-news.de oder für RTL. In gewisser Hinsicht ein zweischneidiges Schwert, denn einerseits darf die Seite zwar nun kommerziell nicht mehr betrieben werden, andererseits konnte RTL vor Gericht nicht erzwingen, dass der Inhaber der Domain diese nun an RTL abtreten muss.
Ich sehe diese Sache mit gemischten Gefühlen, denn RTL gibt an, dass es sich bei DSDS-news.de nach Auffassung von RTL nicht um eine echte Fansite handele, sondern um ein Angebot mit überwiegend kommerziellem Interesse das sehr stark Suchmaschinen-optimiert war (SEO). Zudem wurde die Seite DSDS-news.de unerlaubt vermarktet. Nicht zuletzt sollten daher mit dem Gerichtsverfahren auch echte Fansites geschützt werden, da DSDS-news.de diese aus den Google-Rankings verdrängte.

Das man bei RTL „echte“ Fansites schützen wollte, glaube ich hierbei nicht. Viel eher war man daran interessiert die sehr gut optimierte Seite für sich gewinnen zu können. Und wenn der Betreiber nicht verkaufen will, dann klagt man eben die Markenrechte ein. Zumindest in diesem Teil hat RTL nun eine Niederlage hinnehmen müssen.
Aber auch die Herausgeber von dsds-news.de können mit dem Urteil nicht zufrieden sein, denn Werbung darf auf ihrer Seite nun nicht mehr geschaltet werden und weiterhin muss der Betreiber Auskunft bezüglich Art und Umfang der Werbemaßnahmen und Umsätze geben, die er aufgrund der Markenrechtsverletzung erzielt hatte.
Rechtsanwalt Alexander Graf von Kalckreuth, der dsds-news.de vor Gericht verteidigte, weist auf die angeblich enorme Relevanz des Urteils für die Betreiber von Fanseiten im Internet hin und nennt das Urteil des OLG Köln: “Eine wegweisende Entscheidung für unabhängige Internet-Fanportale großer TV-Sendungen. Diese können von den Sendern nicht geschlossen werden!”
In Teilen mag das sicher richtig sein, denn wenigstens muss die Seite nicht ganz geschlossen werden. Doch darauf wird es vermutlich über kurz oder lang hinauslaufen, denn wie soll sich die Seite sonst finanzieren?

Es ist nicht einfach in dieser Sache sachlich und unvoreingenommen zu sein, weil fair ist dieses Verhalten seitens RTL meiner Meinung nach nicht. So kegelt man eben unliebsame Konkurrenz aus dem Netz. Und mir geht es vor allem um das „Wie“. Zumindest ist in dieser Sache nun Klarheit geschaffen: RTL oder auch andere Fernsehsender können sich keine Fanprojekte einverleiben, auch wenn sie bei Google deutlich besser dastehen, als die eigenen Seiten.
Allerdings, auch das ist jetzt klar, können sie das Schalten von Werbung und die kommerzielle Nutzung verbieten lassen, was im Endeffekt dazu führt, dass die betroffenen Seiten über kurz oder lang aushungern.
RTL betont jedoch weiterhin vehement, dass es zu 100% hinter den echten Fansites steht.
Doch die Frage ist nun: Wo und wann fängt eine echte Fansite an und wo hört sie wieder auf?

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