Sie kann’s noch immer: Kim Wilde im Interview mit Musiktipps24.co

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Sie ist die Pop-Ikone der 80er-Jahre: Kim Wilde. Mittlerweile liegen 30 Jahre Musikkarriere hinter ihr, doch die blonde Schöne mit dem Schmollmund denkt noch lange nicht daran, das Mikro aus der Hand zu legen. Im Gegenteil: Im August erscheint Kims neues Album “Snapshots”, mit Band tourt die Engländerin derzeit durch die Lande. M24-Redakteurin Cat hat Kim vor ihrem Auftritt im “Ulmer Zelt” getroffen, an einem brütend heißen Sommertag. Es wurde eine lockere Unterhaltung über Kims Wurzeln, ihre Familie und ihre zweite Karriere als Gartenbau-Expertin mit eigener Fernsehsendung. Und während bei Cat der Schweiß in Strömen floss, wirkte Kim wie aus dem Ei gepellt – trotzdem hätten beide am liebsten den kleinen Faltpool, der eingepackt im Backstage-Gelände unter einem Baum lagerte, ausgepackt, aufgebaut und mit kaltem Wasser gefüllt, um vor der Show noch einmal abzutauchen.
 
Kim, Deine erste Single vor 30 Jahren war “Kids in America”. Bringst Du die Nummer immer noch bei Auftritten?
Natürlich machen wir das! Ich denke, das Publikum würde uns gar nicht von der Bühne lassen, ohne dass ich “Kids in America” gesungen hätte. Es macht immer noch Spaß, und die Leute lieben diesen Song auch noch nach all den Jahren. Das zeigt, was für eine fantastische Platte das war.

Sogar meine Kinder kennen “Kids in America”…

Manchmal haben wir Kinder im Publikum, Zehn- oder Elfjährige. Es ist echt interessant die verschiedenen Gesichtsausdrücke zu sehen. Da gibt vertraute Gesichter, mit denen man aufgewachsen ist, Fans, die man seit Jahren kennt und die zu allen Gigs kommen, vor allem hier in Deutschland. Ja, es ist aufregend… aufregend, Kim Wilde zu sein! (lacht)


Du hast eine Menge Fans hier in Deutschland – sogar mehr als in Großbritannien. Warum?
Das ist interessant: Ich habe das Bühnenleben eine Weile an den Nagel gehängt, als ich geheiratet und Kinder bekommen habe. Als ich dann wieder anfing aufzutreten, war das vor einem britischen Publikum. Und die haben mich wirklich sofort wieder angenommen. Das britische Publikum hat mir also die Kraft gegeben, wieder auf die Bühne zu steigen. Aber Du hast auch Recht: Das deutsche Publikum ist immer sehr treu gewesen, seit ich 20 war, und sie mein neuestes Album in die Top Ten in Deutschland gebracht, schenken mir weiterhin eine Menge Aufmerksamkeit. Das ist großartig, deshalb verbringe ich viel Zeit hier in Deutschland.

 
Lass uns über die Vergangenheit reden… Als Deine Karriere am Anfang stand, warst Du noch sehr jung. Du hast Dein erstes Album mit 20 aufgenommen. Birgt das nicht Gefahren für eine so junge Frau?

Nun, ich hatte das Glück, dass mein Dad selbst ziemlich berühmt war. Für ihn war das wie ein Werkzeug in einer Kiste. Er holte es raus, wenn er es brauchte, hat sich darum gekümmert und mit Respekt behandelt und dann wieder in der Kiste verstaut. Und das habe ich auch getan. Ich hatte wirklich sehr viel Glück, bei jemandem aufzuwachsen, der mir beigebracht hat, mit Ruhm umzugehen.

Dein Vater war selbst ein Rock 'n' Roller…

Er hat selbst eine Menge Gigs gespielt, war immer ein Live-Künstler und ist es noch! Jetzt, mit 72, spielt er immer noch Hunderte Auftritte im Jahr. Er hatte eine erstaunliche Plattensammlung, alles von Elvis und Frank Sinatra über Kraftwerk, Mike Oldfield und alles von den Beatles, Joni Mitchell und Carol King und all die großartigen Singer-/Songwriter… so hatte ich immer Zugang zu toller Musik, als ich aufwuchs, und genau diese Musik hat auch mein neues Album inspiriert,das im August rauskommt. Darauf sind Cover-Versionen der Songs, mit denen ich aufgewachsen bin, aus den 60ern, 70ern, 80ern und 90ern. Es heißt “Snapshots” und erscheint am 26. August.

Welche Künstler coverst Du auf dem Album?

Im Augenblick ist das noch eine kleine Überraschung… (lacht) Ich mag noch nicht so viel darüber reden, aber ich bin wirklich schon aufgeregt! Bei den Live-Gigs spielen wir schon ein paar Sachen…

Du hast nicht immer Musik gemacht. Nach Deiner Heirat hast Du eine zweite Karriere als Garten-Expertin begonnen. Hört sich irgendwie witzig an für einen Pop-Star!

Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich das gemacht habe! Eigentlich hatte ich nie die Absicht, eine neue Karriere zu beginnen, sondern wollte nur eine Auszeit nehmen, der Kinder wegen. Erst wollte ich ihnen nur einen Garten anlegen, und auf einmal habe ich angefangen, ein bisschen Gartendesign zu studieren. Und eins kann ich Euch sagen: Dieses Jahr sieht mein Garten so gut aus wie noch nie! (stolz) Ich verbringe dort auch viel Zeit zwischen der Promo und den Auftritten. Es ist das erste, was ich mache, wenn ich heimkomme: In den Garten gehen und schauen, wie's dort aussieht. Die Karriere hat sich nur zufällig aus meiner Begeisterung für die Sache ergeben. Natürlich hat man einen Fuß in der Tür, wenn man berühmt ist, aber dass daraus eine Karriere wurde, liegt an meinem Enthusiasmus und der Leidenschaft für das Ganze. Ich habe zwei Bücher darüber geschrieben, einige Medaillen gewonnen und mich am College echt gut gemacht. Und es war eine Art Ersatz für die Musik.

Beides ist ja kreative Arbeit…

Oh ja. Ich wollte einen schönen Garten für die Kinder anlegen. Und es ist toll, zu sehen, wie alles wächst, all die schönen Pflanzen und Blumen und die Gerüche… Es ist ein großartiger Garten für die Kinder.

 
War es einfacher, als Gartenbau-Expertin zu arbeiten, gerade im Hinblick auf die Kinder, weil Du mehr Zeit daheim verbringen konntest?

Genau. Ich wollte etwas machen, wo ich überwiegend zu Hause arbeiten konnte, und das Gärtnern hat mir das ermöglicht. Allerdings hatte ich im Lauf der Zeit auch eine Menge Ortstermine, als ich die Show hatte. Und das wurde dann ein bisschen schwierig mit zwei kleinen Kindern. Ich habe das schon hart gefunden.

 
Wie alt sind Deine Kinder jetzt?

Rose ist jetzt elf, Harry ist 13. Rose ist eine tolle Klavierspielerin. Heute spielt sie ein Solo in einem wichtigen Stück an der Schule – es ärgert mich schon, dass ich das verpasse! Und mein Junge spielt E-Gitarre. Er hat auf meinem letzten Album, “Come out and play”, mitgewirkt. Ich denke, er wird einmal ein Rock-Gott werden!

 
Vielleicht tourt er ja mal mit Dir?

(lacht) Ich glaube, er würde lieber mit Slipknot oder Metallica auf Tour gehen!

 
Mit Michael Jackson und David Bowie hast Du in großen Hallen gespielt. Was gefällt Dir persönlich besser: Die großen Gigs oder eher die familiäreren Locations wie das Ulmer Zelt?

Es ist fantastisch, wenn Du den Leuten in die Augen sehen kannst. Aber vor drei Jahren haben wir mit Billy Idol auf dem Donau-Fest in Wien gespielt. Da waren etwa eine Million Leute da, ein Menschen-Meer – unfassbar! Das habe ich genauso geliebt.

 
Du hast mit Nena zusammen gearbeitet. Wo habt Ihr Euch getroffen?

Ich kannte Nena aus den 80ern und habe sie bei einer Medienveranstaltung in Berlin getroffen. Sie kam rüber zu mir und sagte: “Hi! Ich nehme grade ein neues Album auf und möchte, dass Du darauf singst!” Ich antwortete: “Du machst Witze. Was genau soll das werden?” Und sie sagte: “Ich singe meine alten Lieder.” Ich meinte: “Warum? Was für eine seltsame Idee – Deine alten Lieder wieder aufzunehmen…” Ich wusste nicht, ob das eine gute Idee war, aber ich sagte: “Na klar, ich mach das!” Es war eine bemerkenswerte Adaption ihrer alten Songs, und ich dachte wirklich, “Anyplace, anywhere, anytime” sei ein neues Stück. Wir haben das per Handschlag besiegelt und hatten eine Menge Spaß!

 
Hast Du eigentlich noch Lampenfieber, wenn Du die Bühne betrittst?

Nein, ich war noch nie jemand, der Lampenfieber hat. Ich kann es nicht erwarten, aufzutreten! Aber der Adrenalin-Spiegel steigt natürlich. Heute bin ich allerdings bemerkenswert ruhig. Wo ist bloß das Adrenalin hin? Vielleicht kämpft es noch gegen die Hitze… (lacht)

 
Eine halbe Stunde später ist es dann soweit: Kim rockt die Bühne. Keine Spur von Lampenfieber, und auch das Adrenalin ist ganz offenkundig zurückgekehrt. Nach wenigen Songs fliegt die schwarze Jacke – und das Publikum singt lauthals alte und neue Songs mit. Sie kann's noch immer…

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