Nichts als Liebe im Finale – der neue „Superstar“ heißt Daniel Schuhmacher

Deutschland hat mal wieder seinen Superstar gesucht. Gefunden hat es zwei Finalisten in Gestalt von Sarah Kreuz und Daniel Schuhmacher. Der Nachfolger von Thomas Godoj heißt Daniel Schuhmacher - mit einem hauchdünnen Vorsprung.

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Deutschland hat mal wieder seinen Superstar gesucht. Gefunden hat es (zumindest der RTL-guckende Teil der Nation) zwei Finalisten in Gestalt von Sarah Kreuz und Daniel Schuhmacher. Nach langer Zeit stand also mal wieder ein „Pärchen“ in der Endrunde. Und – ehrlich gesagt – es sind die beiden Kandidaten mit den besten Stimmen dieser Staffel. Noch nie war es so knapp: Daniel Schuhmacher gewann das Finale mit 50,47 % der Votings.

Soweit, so gut – man könnte auf den ersten Blick also davon ausgehen, dass es sich tatsächlich um einen Gesangswettbewerb handeln könnte. Aber dem ist natürlich nicht so. Denn bis die verbliebenen „Stimmen“ übrig waren, gab es jede Menge Spaßkandidaten, die nur zäh das Feld räumten – sei es der „singende Friseur“ Benny Kieckhäben oder die als „raffiniertes Biest“ propagierte Blondine Annemarie Eilfeld. Und auch einige echte Musiktalente mit Bühnenpräsenz wie der liebenswert auftretende Dominik Büchele, der aus unerklärlichen Gründen zwar bei einem „Heimspiel“ mit seiner Band einen Superauftritt hinlegte, auf der DSDS-Bühne nach einigen tollen Abenden jedoch zunehmend farbloser wirkte. Vielleicht hatte er einfach keine Lust mehr?

Stopp – hier geht es ja um den Final-Abend. Jeder Kandidat hatte drei Lieder zu singen: Den eigenen Lieblingssong, das jeweilige Staffelhighlight und den Siegertitel. Los ging es mit Sarah Kreuz. Ihr Lieblingstitel: „Natural Woman“ von Aretha Franklin. Ein stimmgewaltiges Vorbild – aber das Fräulein Kreuz muss sich mit ihrem Gesangstalent durchaus nicht verstecken und meisterte das Stück souverän. Die Jury – einheitlich in Weiß gekleidet – war sich auch in ihrem Urteil einig: „Eins mit Sternchen“ (Dieter Bohlen), „Total emotional“ (Nina Eichinger) und – wohl nicht unbedingt auf die Gesangsleistung bezogen – „Dein Verlobter ärgert sich schwarz“ (Volker Neumüller). Moderator Marco Schreyl hingegen macht eins auf Drama: „Die Latte liegt verdammt hoch“, prophezeit er. Tja, hoch sind auch die Schuhe von Sarah, die nach so viel Lob glücklich von der Bühne stackst und Konkurrent Daniel das Feld überlässt.

Der „Junge mit dem sinnlichen Mund“ (Schreyl) hat mich mit seinem ersten Song – „Soulmate“ von Natasha Bedingfield – ehrlich gesagt nicht grade vom Hocker gerissen. Dieses Stück transportiert im Original eine tiefe Sehnsucht und zarte Melancholie, die der Pfullendorfer leider nicht rüberbrachte; außerdem waren bei der Nummer einige schiefe Töne dabei, dabei singt Daniel normalerweise sehr sicher. Und warum, bitteschön, muss es immer so hoch sein? Die Jury ist trotzdem auf Kuschelkurs: Volker ist „so geflasht“, Nina würde die CD sofort kaufen, und Dieter meint gar: „Kein Mensch auf dem ganzen Planeten und den umliegenden Ortschaften hat so eine geile Stimme wie du!“ Die Leitungen werden geöffnet, um ordentlich Geld in die Kassen von RTL zu spülen, und nach der Werbepause steht es angeblich 50:50 bei den Voting-Ergebnissen. Also bitte: Anrufen, Leute! 😉

Sparen hätte sich RTL den Rückblick auf die so genannten „Spaßkandidaten“ können: Die Storys vom „lachenden Löwen“, der „Schandale“ und dem „Modell“ sind eigentlich schon längst ausgelutscht. Damit es schön emotional bleibt, dürfen im Trailer zum nachfolgenden „Staffelhighlight“ die Eltern und Verwandten der Kandidaten kräftig auf die Tränendrüse drücken. Sarahs Mama zum Beispiel, die ihre Tochter schon vermisst und deren Weinen mit rührseliger Musik unterlegt wird. Im Saal vor dem Auftritt feuert sie gleich darauf kaugummikauend ihre Tochter an. Die singt „I will always love you“ von Whitney Houston. Sarah zeigt wieder einmal, dass sie die Kandidatin mit der besten Stimme dieser Staffel ist, wenngleich man immer noch merkt, dass sie sich im Englischen nicht zu Hause fühlt. Aber diverse „kreative Textänderungen“ haben schließlich auch Thomas Godoj, dem Vorjahressieger, nicht geschadet… Standing Ovations von der Jury, die übliche Lobhudelei.

Kann Daniel das toppen? „Ain’t no sunshine“ von Bill Withers lautet sein „Highlight“ – und er singt es, wie beim ersten Mal, mit Gänsehaut-Faktor. Sehr schön wirkt das Bühnenbild á la Miami Vice. Allerdings fällt dieses Jahr auf, dass keiner der Kandidaten die wirklich herausragende Band im Hintergrund lobt. Und hier liegt ein Unterschied zu dem Gewinner des Vorjahres: Thomas Godoj agierte mit den Leuten an den Instrumenten und verschmolz mit der Band zu einer Einheit. Daniel und Sarah dagegen werden ihren künftigen musikalischen Weg mit Sicherheit als „Solokünstler“ beschreiten, mit Musik vom Band oder „Begleitmusikern“. Nur mal so am Rande erwähnt… Die Jury ist sich wieder einig, oder wie es Nina ausdrückt: „Wir sind heute ein bisschen einfarbig“ – genau; irgendwie hören sich die Urteile der Juroren jedesmal gleich an; die Superlative gehen schon in Runde zwei aus.

Runde drei – der Finaltitel. Es könnte jetzt richtig spannend werden: Wer singt was? Jedoch – der Titel ist in Teilen schon bekannt, denn er wurde – wir erinnern uns – während des Recalls schon im Tonstudio eingeübt: „Anything but love“. Produzent Dieter Bohlen hat höchstpersönlich Hand angelegt bei diesem Werk. Und gleich beiden Kandidaten gebührt die Ehre, das Stück singen zu dürfen. Die Jury freut sich darauf, dass jeder Kandidat ein eigenes Lied draus machen wird, so dass sich das Ergebnis völlig unterschiedlich anhört. Aha. Für mich hören sich die Lieder von Dieter Bohlen alle gleich an, und das schon seit Modern Talking, egal wer sie singt…

Sarah macht den Anfang. Ihr Bühnenbild: Eine Art überdimensionaler Bilderrahmen, weiße (!) Gardinen, weißes (!) Kleid, wehende Haare, griechisch anmutende Säulen. Sie wirkt jedoch angestrengt, und auch wenn sie sauber singt – richtig große Emotionen kommen eigentlich nicht rüber. Gegen Ende wirkt sie fast gequält – wie wird Dieter Bohlen auf ihre Interpretation reagieren? Keine Panik, Mädchen: Dieter „würgte“ es im Hals – vor Rührung. Auch Volker hatte einen Kloß in der Nähe des Adamsapfels, und Nina findet: „Das war so kitschig!“ (was natürlich ein Lob sein soll)

Und da jetzt alle weiß gekleidet sind, setzt Daniel noch eins drauf: Weißer Anzug, weiße Bühne, gleißendes weißes Licht. Eine „Lichtgestalt“, die mit Inbrunst Bohlens Ballade zum Besten gibt. Sehr gefühlvoll und auch sicher – bei der Nahaufnahme kann man höchstens bemängeln, dass der Finalist das Flirten mit der Kamera noch nicht so recht beherrscht – statt den Zuschauern am anderen Ende in die Augen zu blicken, dreht er sich verlegen weg… Und die Jury? „Hammermäßig“, meint Neumüller, der seinen „kleinen Arsch“ darauf verwettet, dass diese Version gleich auf die Eins gehen würde. Für Nina klingt Daniel „komplett verschieden“ von Sarahs Version. Und Bohlen prophezeit Schuhmacher gar eine „Weltkarriere“.

Und weil dies der Abend der Harmonie und Freude ist, dürfen die ganzen ausgeschiedenen Finalisten nochmal einen gemeinsamen Auftritt hinlegen. Bei „The Time of my life“ aus „Dirty Dancing“ beweisen Vanessa Neigert und Holger Göpfert, dass sie nicht wirklich singen können, Cornelia Patzelsberger beweist, dass sie Harfe spielen kann, Annemarie Eilfeld und Michelle Bowers beweisen, dass sie ein hübsches Bühnenbild abgeben – und so weiter… Daniel und Sarah steigen in den Song ein und beweisen, dass sie – bei aller Harmonie – sich nicht unbedingt als Duettpartner füreinander eignen. Es gibt Umarmungen und auch Küsschen zwischen den Ex- und Noch-Kandidaten – nichts als Liebe im Finale, Liebe und Harmonie. So friedlich ging es in dieser Staffel wohl noch nie zu.

Angeblich stehen bis zu diesem Zeitpunkt die Anruferzahlen weiterhin bei 50:50 für die beiden Finalisten – notariell beglaubigt. Wenn das die Votingzahlen nicht in die Höhe treibt – was dann? Nun, vielleicht der „Genuss“, den Siegertitel noch ein drittes Mal hören zu dürfen – „Anything but Love“ als Duett. In dieser Version, mit vielen romantischen Kerzen drumherum, hört sich der Song eigentlich am schönsten an. Sie können’s doch miteinander. Und wenn es eh schon bei den Votings 50:50 steht, warum teilen sich die beiden den Siegertitel dann nicht einfach und machen Dieter Bohlen glücklich?

Bevor die Leitungen geschlossen werden, betonen beide Finalisten nochmal, wie toll sie den anderen finden und wie sehr sie ihm den Sieg gönnen würden. Marco Schreyl spricht von der „Champions League der Musikgeschichte“ (man weiß, der Mann neigt zu dramatischen Äußerungen), dann ist die Entscheidung gefallen. Der Moderator quält die beiden Verbliebenen wie jedes Jahr mit unsäglich langen, pathetischen Ansagen, bevor der Name des Gewinners Punkt Mitternacht verkündet wird. Der neue „Superstar“ mit einem Stimmanteil von 50,47 % heißt: Daniel Schuhmacher! Der junge Pfullendorfer, der schon vor Verkündung seines Namens Tränen in den Augen hatte, durfte anschließend seinen Siegertitel nochmals präsentieren – wer also bei der Stange blieb, hatte das Stück insgesamt viermal an diesem Abend gehört. Eine schöne Geste des Gewinners: Er holte Sarah Kreuz zu sich und sang mit ihr gemeinsam ins Mikrofon. Nichts als Liebe eben…

11 Kommentar

  1. Ich wusste , ich müsste mir das Schauspiel gestern Abend nicht „antun“.Über alles wirlklich Interessante würde ich schon hier an dieser Stelle informiert werden.Toller Artikel!
    Das einzig Positive an der vergangenen Staffel aus meiner Sicht ? Thomas Godoj ist endlich den „Titel“ los und kann nun noch befreiter aufspielen.
    Wir sind gespannt auf sein neues Album !

  2. DSDS-Finale 2009 der Voll – Ossi ist entnervt und bricht vor der Kürung des Superstars ab

    20:16 Uhr
    Der Herr Schreyl eröffnet das Finale der DSDS-Spiele 2009.
    Und ich sehe der Buschfunk hatte Unrecht, als behauptet wurde Herr Bohlen werde nicht als Finaljuror 2009 anwesend sein.[…]
    Mehr?
    http://www.vollossi.de/2009/05/09/dsds-finale-2009-der-voll-ossi-ist-entnervt-und-bricht-vor-der-kurung-des-superstars-ab/

    DSDS Finale 2009 – Herr Schreyl hat es geschafft – der Vollossi ist während der Siegerkür eingeschlafen

    Unglaublich, nach dem Ende des 1. Teiles von DSDS-Finale 2009 ging der Vollossi genervt von dem Schmus, der musikalischen Verarschungskultur und einem langen, arbeitsamen Samstag zu Bett.
    Hier wollte er das Ende noch anschauen.[…]
    Mehr?
    http://www.vollossi.de/2009/05/10/dsds-gewinner-2009-herr-schreyl-hat-es-geschafft-der-vollossi-ist-wahrend-der-siegerkur-eingeschlafen/

  3. Harmonie pur, die beiden Goldesel werden gemolken, bis die Herren Bohlen und Neumüller genug von ihnen haben.
    Und ich schließe mich tigribee an: Thomas Godoj kann jetzt ein „normaler“ Sänger ohne DSDS Stempel durchstarten, wer eines seiner Konzerte besucht hat, weiss wovon ich rede: Thomas Godoj und Band, Musiker, die zusammen eine Einheit bilden. Und das hat Thomas ja bereits bei DSDS bewiesen: Er ist ein Teamplayer und auf der Bühne eine „Rampensau“. Das nächste Album ist „Thomas Godoj“ pur, und ich freu mich darauf.

  4. Nun ja. Jetzt haben wir nen neuen „Superstar“ der gefühlvoll näselnd vor sich hinpiepst und mich nach 3 Songs spätestens, in den schlaf gefiepselt hat (*gähn*)!

    Wenn die Quote stimmen sollte, haben die kreischenden Teenygirls es dieses mal fast nicht geschafft, die letzten Cents ihres Taschengeldes erfolgreich zu verplempern. Schade Auch !

  5. Sowas schlechtes wie die Staffel 6 von DsdS habe ich lange nicht geshen. Absolutes Highlight heute Nacht: der Rückblick bei exclusive spezial von Thomas Godoj. Der einzige, der es wirklich geschafft hat, denn er brauchte dazu nicht Dieter Bohlen. Schade um die gute Stimme von Mark Medlock – verheizt für die Dollars. Wie lange es wohl jetzt dauert, bis Bohlen verklagt wird, weil sein Siegertitel nur geklaut ist!!! Wie billig kann man eigentlich sein?????? (seine Modern Talking Melodien geben wohl nichts mehr her. Das sieht man ja schon bei MM’s Mamacita…immer dasselbe Gedudel) In diesem Sinne – schönen Sonntag!

  6. Ich muss sagen, der Artikel hat mich gefesselt und ich musste bis zum Ende durchlesen, einfach genial geschrieben. Habe leider nicht alles Lieder gesehen, habe aber für Daniel gehofft und das Lied hat er einfach hammer gesungen, ich hatte so Gänsehaut. Ich wünsche mir ein DSDS ohne Marco Schreyl. Kann sich jemand an das Casting von Tarzan und Jane gesehen, dass hat Hugo Egon Balder moderiert, und das einfach spitze. Ich würde Marco gerne gegen Hugo eintauschen lassen, ist das irgendwie machbar???

  7. Also, ich bin ja auch dafür, dass man Marco ersetzt. Nicht unbedingt mit Huge Egon Balder, aber ich finde Daniel Hartweg doch keine schlechte Alternative.
    Ich bin der Meinung, dass er als Co-Moderator beim Supertalent so richtig Stimmung in den Laden gebracht hat.

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