Neubeginn? Mit Sinn.

Kikis dreckiger Stiefel

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Gehen wir also mal emotionslos an die Sache ran: Zuerst habe ich die Dateien vom Verwesungsgeruch befreit und dann mal kurz reingepiekt ob da irgendwie noch irgendwo was am zucken ist.
Ja hat gezuckt. Somit war es also weniger schwer als gedacht sich einfach wieder einzuloggen und mal zu schauen wie man eigentlich so bloggt. Es wäre aber trotzdem blöd einfach so weiterzumachen wie bisher, denn was daraus geworden ist habt ihr ja im ersten Teil gelesen. (wenn nicht, dann findet ihr den hier zum nachlesen). Noch blöder wäre aber, wenn ich jetzt die begonnene Geschichte aus dem ersten Teil nicht zu Ende führen würde.

Das Profil von Musiktipps24 und später den DigiJunkies war im Kern eigentlich: In maximal 250 – 320 Wörtern eben schnell abfeiern was Pressebüros und die Pressestellen der Plattenfirmen mir geschickt hatten. Wenn das durch war habe ich einfach das geschrieben was ich eben halt auch im Netz finden konnte. Das hat für Content gereicht, war aber eben dementsprechend anspruchslos.
Und irgendwann war es mir persönlich auch einfach zu blöd die hunderste Staffel von DSDS zu glotzen und damit meine Abende zu vermiesen, nur weil es Traffic gebracht hat.
Ich habe dann nur noch „Inhaltsangaben“ verfasst oder ganz zum Schluss manchmal den Pressetext einfach 1:1 reinkopiert. Statt den einst 20.000 Lesern waren vielleicht 150 geblieben….mit dem sinkenden Traffic sank auch die Mühe.
Geld habe ich da schon seit knapp 2 Jahren nicht mehr verdient, aber der Blog war das was mich träumen ließ…

Die Band hat mich dann geweckt um mich sogleich in den nächsten Traum mitzunehmen. Während der Aufnahmen zu unserem ersten Album „Falsche Nasen“ habe ich damals parallel begonnen erste Tutorialvideos bei YouTube reinzustellen.
Hintergedanke war dabei ursprünglich, dass ich damals viele Sachen gelernt und ausprobiert habe und damit ich das nicht alles in ein Word-Dokument pinnen musste, habe ich einfach Videos aufgenommen in denen ich mir selbst erklärt habe was ich da mache. Daraus wurde mein YouTube-Kanal „Screendesign Whykiki“ durch den ich heute im Netz – zumindest der Joomla-Community – bekannt sein dürfte. Dass es die DigiJunkies gab oder gibt, wissen jedoch die wenigsten. Womit ein weiteres Mal deutlich erwiesen wäre, dass ich mich auf dieser Seite nicht immer mit Ruhm bekleckert habe 🙂

Mit den Videos kam dann auch der Spaß am Content produzieren zurück und ich begann meinen YouTube-Kanal anfangs genauso intensiv zu bemustern wie die Digiseite. Ich habe da scheinbar was krankhaftes-krampfiges in mir….
Kaum kamen die ersten positiven Kommentare wurde aus dem Kanal ein zweiter Blog: Ich erlegte mit selber Zyklen auf an denen Videos erscheinen sollten und irgendwann war ich dann völlig damit überfordert Content für meine Videos zu finden.
Soooo viel lernt man nun mal eben nicht wöchentlich, so dass man daraus immer geile Tutorialvideos machen kann und naja, irgendwann hat man auch fast alles gezeigt.
Hin zu kam, dass wir dann 2013 eigentlich jedes Wochenende mit der Band in Deutschland unterwegs waren, so dass sehr, sehr lange kaum neue Videos erschienen.
Mittlerweile gibt’s auf meinem Kanal wieder neue Videos, aber es gibt keine festgelegten Regeln, Zyklen oder Zeiten mehr. Ich mache die Videos einfach nur noch dann, wenn ich wirklich Bock habe. Und ich lasse sie bewusst ungeschnitten mit allen Fehlern, Ecken und Kanten.  Einfach so wie sie eben sind.

Das Chillen musste ich lernen

Ich bin ein Getriebener. Das liest man sicherlich aus vielen meiner Zeilen heraus: Ich habe immer Neues probiert, dauerhaft ein Goldgräber in eigener Sache – auch wenn mit Gold nicht ausschliesslich materieller oder finanzieller Gewinn gemeint ist.
Mittlerweile weiss ich, dass dieses Gefühl der Getriebenheit und Nicht-Aufhören-können wohl zu Teilen meiner Erkrankung zu schulden ist: Seit 2014 ist „attestiert“, dass ich eine bipolar-affektive Störung habe (heisst auch manische Depression). Wobei bei mir die manischen Anteile wohl deutlich überwiegen 🙂
Sie lassen mich immer und immer wieder mit voller Hoffnung neue Claims im Leben aufmachen, die ich für mich abstecke. Früher habe ich aber echt in jeden Claim (bleiben wir mal bei den Goldgräbern) gegraben und gegraben, selbst wenn klar war, dass nix zu holen ist. Einfach weil ich nicht aufhören konnte und mein Kopf mir ein Scheitern nicht erlaubt hat.

Die Krankheit und die Aufs und Abs haben mich ne Menge Lebenszeit und auch Teile meiner Familie gekostet, aber heute habe ich gelernt mir ihr zu leben.
Wobei ich auch das Glück habe, dass ich zwar Medikamente verschrieben bekommen habe, aber ich komme auch ohne das Zeug klar – es gibt andere Menschen mit meiner Erkrankung bei denen geht es nicht ohne Medikamente. Ich habe wohl eine „leichtere“ Ausprägung und mittlerweile auch gelernt besser damit umzugehen.
Ich kann Manien als Manien akzeptieren. Früher habe ich mir eingeredet ne besondere Kraft zu haben und sie sinnlos zu verschwenden, wenn ich nicht immer weiter und weiter mache.

Eigentlich mag ich das „Manische“….hat was „magisches“: Ich selbst bin definitiv dann intelligenter, schneller, brauche weniger Pause und habe eine Menge Vorteile, aber diese schnell zu entfachende Begeisterung kann bei mir eben schnell in Obsessionen abgleiten.
So werden es aus einem Blog, einem YouTube-Kanal oder ähnlichen Projekten schnell übergoße Dämonen, die gefüttert werden wollen.

Das weiss ich jetzt aber.

Ich lasse mich nach wie vor schell begeistern und wenn das Feuer in mir einmal brennt, dann geht es so schnell nicht mehr aus. Aber ich habe gelernt, dass es nicht unbedingt immer sinnvoll sein muss jedes einzelne Feuer mit seinem Leben zu beschützen. Manche muss man einfach mal ausgehen lassen.
Und den wenigen, die noch brennen, vertraue ich einfach, dass sie auch ohne meine Hilfe erst mal weiterbrennen.
Ohne das Wissen um meine Krankheit und die damit einhergehende Zäsur in meinem Leben, hätte ich darüber wahrscheinlich aber nicht nachgedacht. Ich hätte einfach so weitergemacht. Und mir eingeredet irgendeine Spezialkraft zu haben, in meinem Kopf, die mich mal eben schlauer macht….sowas darf man doch nicht verschwenden 🙂
Hahaha doch….muss man sogar manchmal.

Man könnte jetzt meinen ich hätte statt der Dämonen nun meinen inneren Guru geweckt, aber auch das ist falsch. Ich mache sicherlich noch genau so viele Fehler wie zuvor und bin im Kern genau der gleiche Mensch. Nur weiss ich jetzt eben, dass einige Dinge in meinen Hirn nicht unbedingt konkret BEWUSST von mir gesteuert werden, das macht mir das Scheitern oder Loslassen heute deutlich einfacher als früher.

Und mein Verhältnis zu Geld hat sich extrem verändert: In einem einmaligen extremen manischen Verlauf habe ich quasi mein Leben über den Haufen geworfen und dafür gesorgt, dass ich keine 220qm Bude mehr hatte, keine Kreditkarte und zum Schluss hat man mir sogar meine Konten gekündigt und Kredite aufgelöst. Bumm, weg war alles.
Aber: Seitdem weiss ich, dass man auch ohne all diesen Scheiss auskommt.

Letztlich hatte ich mit Mitte Dreissig eigentlich so fast all das erreicht was man so gemeinhin erreichen kann oder will. Ich war zwar nicht reich, aber ingesamt habe ich gut gelebt.
Frau, Hund, Kind, teures Auto….nur das Haus hab ich nicht gebaut und demzufolge auch den Baum nicht gepflanzt.
Es ging in diesem Leben – das kein schlechtes an sich war – eigentlich nur noch darum alt zu werden und sich nach und nach zu verbessern…(bessere Bude, besseres Auto…).

Ich müsste also nun eigentlich wieder beginnen mir all das zu erarbeiten. Aber warum?? Heute weiss ich, dass ich MIT all dem Kram auch nicht glücklicher bin.
Ich bin heute glücklicher, weil ich das alles nicht mehr unbedingt haben muss. Und damit komme ich letztlich zum Punkt:

Ich muss nicht mehr erfolgreich sein, weil ich es gar nicht mehr unbedingt sein will. Erfolg definiere ich hier aber nur als „materiellen Erfolg“, der es mir ermöglichen würde den alten materiellen Status Quo wieder herzustellen.
Erfolg bedeuten für mich heute andere Sachen. Zum Beispiel, dass sich jemand in einem Liedtext von mir wiederfindet (von mir aus illegal runtergeladen in Russland) oder wenn ich meinem Sohn zeigen, dass nett sein und helfen cool ist und er das auch so findet. Dann war ich erfolgreich.

Natürlich werde ich weiterhin nicht von Luft & Liebe leben können. Ich werde also auch weiterhin in irgendeiner Art Geld verdienen. Sei es mit Werbung in meinem YT-Kanal, hier auf der Seite oder eben auch als Programmierer. Aber meine Projekte werden nicht mehr von dem Druck getrieben „Geld verdienen zu müssen“.
Ich komme soweit klar und ab und zu muss man dann auch mal ein Wochenende mit Pfandflaschen überbrücken (nein, nein keine extern gesammelten Werke, sondern einfach das eigene Pfand, das seit Wochen auf die Wegbringung in der Küche wartet).
Aber: Der Druck is weg und ich kann machen was ich will.

Und genau deshalb starte ich heute die DigiJunkies wieder

Die Seite hat lang genug gelegen und ich habe einfach Bock mal ab und zu wieder zu schreiben. Ich hab vor allem Bock auf Kommentare und Diskussionen. Die wird es sicherlich nicht zu allen Beiträgen geben, aber ich hoffe doch zu einigen.
Ich möchte weiterhin über Themen schreiben, die mich interessieren, wie z.B. die Musik. Aber kein sinnloses Abgefeiere von irgendeiner Micky-Maus-Scheisse, sondern Musik die mir gefällt oder auch Berichte und Tutorals zum Thema Homerecording.
Auch den Games bleibe ich treu: Wenn ich Lust hab oder mich ein Spiel ankotzt, dann habe ich hier das Forum um rumzuschreien oder zu jubeln. Sicher wird’s auch den ein oder anderen Serientipp geben oder was weiss ich.
Ich will das einfach mal so auf mich zukommen lassen und sehen was aus den DigiJunkies wird….und schauen ob es da draussen auch noch jemanden gibt, der schon früher hier gelesen hat?

Um die etwas arrogante Überschrift hier am Ende noch einmal etwas zu entkräftigen:

Ob das hier in Zukunft Geschriebene immer wirklich Sinn hat muss ich dann mal sehen 😉

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