„Musik zu machen, bedeutet Liebe und Leidenschaft“ – Sebastian Netz im Interview mit Musiktipps24

Sebastian Netz ist Musiker aus Leidenschaft, Musikschullehrer und Gitarrist in der Band von Thomas Godoj. Er hat Zeit mitgebracht zu diesem Interview. Wir treffen uns in einem Recklinghäuser Café, und statt Bier serviert die Bedienung Kräutertee. Doch auch wenn die Atmosphäre locker ist – den Fragen der M24-Redakteurinnen Christel und Cat entgeht er nicht.

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Sebastian Netz ist Musiker aus Leidenschaft, Musikschullehrer und Gitarrist in der Band von Thomas Godoj.  Er hat Zeit mitgebracht zu diesem Interview. Wir treffen uns in einem Recklinghäuser Café, und statt Bier serviert die Bedienung Kräutertee. Doch auch wenn die Atmosphäre locker ist – den Fragen der M24-Redakteurinnen Christel und Cat entgeht er nicht.

Sepp die Zweite

Name: Sebastian Netz

Wohnort: Marl

Beruf: Gitarrist/Musikschullehrer

Website: www.musikreativ.mobi


Sebastian: Musiktipps24, Klappe die erste…

Christel & Cat: Ach, hätten wir die mitbringen sollen?

Ihr habt wirklich eine Klappe?

Ja, sicher. Aber wir haben sie noch nie eingesetzt… (Anm. d. Red.: Erster Einsatz: siehe oben)

Dacht ich mir schon. lacht

Schluss mit lustig. Jetzt geht es ans Eingemachte…

M24: Eigentlich hast Du Jazzmusik studiert. Inwieweit beeinflusst das Deine musikalische Arbeit? Wir denken da z.B. in der Unplugged-Version von „Autopilot“…

Sebastian: Ja, stimmt, da sind ein paar jazzige Akkorde mit drin. Aber in erster Linie höre ich Jazz sehr gerne. Vor allem die alten Sachen aus den 50er- und 60er-Jahren, auf jeden Fall Gitarrenmusik, zum Beispiel Grant Green, Pat Metheny oder Mike Stern. Aber im Moment höre ich eher Rock. lacht Ich sehe mich aber nicht als Hardcore-Jazzmusiker. Der Studiengang nennt sich zwar so, umfasst aber auch Pop und Rock, also die „lichte Musik“, so nennt man das in Holland.

Du hast in Holland studiert?

Das kam über meinen ersten E-Gitarren-Lehrer. Der hat mir erzählt, dass es in Holland sehr entspannt zugeht, nicht so elitär. Natürlich muss man da auch gut sein, aber die Holländer sind sehr locker, gehen individuell auf einen ein.

Das heißt, Du sprichst auch Niederländisch?

Unterrichtssprache ist vorwiegend Englisch, aber die meisten Lehrer können auch Deutsch und sprechen das, wenn die Kurse vorwiegend von Deutschen belegt sind. Und manchmal ist der Unterricht auch Niederländisch. Das hab ich gelernt und kann es auch sprechen. Ich wollte aus Holland mehr mitnehmen als „nur“ das Musikstudium, und habe dort auch drei Jahre gelebt.

Du arbeitest neben Deinem Engagement in Thomas Godojs Band auch noch als Musikschullehrer bei „Musikreativ“. Wie lange kann man diese Doppelbelastung aushalten?

Aus Zeitgründen musste ich das Spielen bei „Bosstime“ (eine Springsteen-Cover-Band, Anm. d. Red.) leider aufgeben. Da bin ich jetzt nur noch als Ersatz dabei. Die Arbeit an der Musikschule macht keine Probleme, denn es ist ja eine „mobile“ Musikschule. Das heißt, wir kommen ins Haus unserer Schüler. Ich unterrichte drei Tage in der Woche, den Rest halte ich für Thomas frei. Morgens ist immer Home-Office angesagt. Mittlerweile haben wir auch zwei Klavierlehrerinnen in Berlin, erweitern also ständig das Angebot, arbeiten sogar in München.

Hast Du auch schon Fans unterrichtet?

Jaaa… ich habe quasi darüber einen Schüler. Die Mutter ist eher der Fan und hat gesehen, dass ich Unterricht anbiete – aber der Junge will schon selber spielen.

Spielst Du außer Gitarre noch andere Instrumente?

Ich spiele noch ein bisschen Didge und habe auch zwei Didges zu Hause. Aber das ist nur ein Hobby, zur Entspannung ab und zu. Bass spiele ich auch.

Siehst Du ein Problem darin, wenn man sich – als relativer Newcomer – zu viel Zeit lässt für ein neues Album? Läuft man Gefahr, Fans zu verlieren und in Vergessenheit zu geraten?

Hmmm… überlegt. Schwer zu sagen. Bei Thomas war die Reihenfolge einfach eine andere als normalerweise, von oben aus eben. Kann schon sein, dass das Risiko da ist. Es ist natürlich super, wenn man ganz schnell irgendwas nachlegen kann, aber man muss auch erstmal was zum Nachlegen haben. Wenn man jemanden wirklich gut findet, denke ich, ist man auch bereit, etwas länger zu warten, um ein vernünftiges Album zu bekommen. Da kann man sich schon ein Jahr lang Zeit lassen. „Viva la vida“ von Coldplay zum Beispiel hat auch seine Zeit gebraucht und ist eins meiner Lieblingsalben.

Mittlerweile hört man von vielen Bands, dass auf dem Live-Musik-Sektor mehr Geld mit Coversongs zu machen ist als mit eigenem Material. Steuert der Musikmarkt so in eine Sackgasse?

Nicht generell. Klar, wenn man jetzt als Band seine Songs an den Mann bringen möchte und scheitert, ist das schon niederschmetternd. Das ging uns damals mit „Wink“ (die frühere Band von Sebastian, Thomas und Torsten, Anm. d. Red.) auch so. Und ich bin auch gerne Teil einer Band, die eigene Sachen macht. Aber ich bin im Vergleich zu René nicht der „Komponist“, sondern eher leidenschaftlicher Musiker. Für mich ist es vor allem wichtig, dass ich mein Leben mit Musik gestalten kann. Wenn ich die Wahl hätte, am Fließband zu arbeiten oder Covermusik zu machen, würde ich lieber Letzteres machen, weil es mit Musik zu tun hat.

Wenn Sebastian Netz allein mit seiner Gitarre ist und Zeit hat, was spielt er dann?

Ach, das ist unterschiedlich… Ich spiele gerne Akustikgitarre und singe auch dazu. Das können aktuelle Songs sein, zum Beispiel von Nickelback. Oder die Beatles, mal ein paar klassische Stücke, je nach Stimmung, von Klassik über Jazz bis Hard Rock und Heavy Metal. Ich habe eine Menge Musik daheim und bin da nicht festgefahren. Coldplay sind super, ich find aber auch einige Metal Bands sehr gut oder elektronische Musik zum Entspannen. Manchmal inspirieren mich meine Schüler, die eine Herausforderung suchen und ein Stück lernen wollen.

Sepp_mt24

Wie kamst Du zum Gitarrespielen?

Ich habe mit klassischer Gitarre angefangen. Meine Mutter hat sich das immer gewünscht; sie fand Gitarre schön, und ich habe mich auch sofort dazu hingezogen gefühlt.

Wie wichtig war es für Dich, dass Deine Familie Dich bei Deinem Wunsch, Musiker zu werden, unterstützt hat?

Unheimlich wichtig. Wenn man sagt, „ich studiere Musik“, reagieren die meisten Leute mit „Kann man davon überhaupt leben?“ Aber jeder hört Radio, alle leben mit Musik… Ich kenne kaum Menschen, die keine Musik hören; ob das jetzt im Radio ist, unter der Dusche oder auf Konzerten. Aber dann gleichzeitig fragen, ob man davon leben kann. lacht. Aber ich hatte immer die Unterstützung meiner Eltern. Natürlich kann man sich auch alleine durchboxen, aber ich glaube, dass es dann wesentlich schwerer ist.

Ihr seid viel auf Tour. Zehrt das an einem oder macht es einfach nur Spaß?

Es ist schon etwas anstrengend. Aber noch anstrengender ist es für die Crew! Die muss auf- und abbauen. Deshalb möchte ich auch meinen größten Respekt aussprechen für die Crew. Das sind die ersten, die da sind, und die letzten, die gehen… Wir haben es da eigentlich relativ locker, haben nach dem Soundcheck ein bisschen Freiraum, können in die Stadt gehen, um zu shoppen… lacht. Das Tourleben ist aber immer noch aufregend und macht sehr viel Spaß. Allerdings gibt man schon einen sehr großen Teil seines Privatlebens ab, wenn man mit 18 Männern im Tourbus unterwegs ist auf engstem Raum. Es hat schon was von Klassenfahrt, und alle machen Späßchen.

Du kennst Thomas und Torsten ja schon aus früheren Zeiten. Wie wichtig ist es für Euch, dass die Band aus Freunden besteht?

Uns allen ist das sehr wichtig. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man sich gut verstehen sollte, wenn man zusammen arbeitet. Für mich bedeutet Musik machen auch Leben und Leidenschaft – das liegt für mich alles sehr nah beieinander. Und ich hab keine Lust, mit Leuten Musik zu machen, die ich nicht leiden kann. Leider gibt es auch Musiker, die immer mehr abstumpfen und die Musik nur noch als Job sehen und denen die Liebe, die Leidenschaft und der Spaß dazu verloren gegangen ist. Das hab ich mir zum Glück bewahrt.

Wie würdest Du Euer Verhältnis zueinander in der Band charakterisieren? Seid Ihr Freunde, Familie oder eher eine Arbeitsgemeinschaft?

Äh… wir sind eine SEHR freundschaftliche Arbeitsgemeinschaft. Wir verstehen uns alle sehr gut. Ich bin mit den Leuten superglücklich. Das hat echt alles super gepasst. Thomas hat den Bonny mit ins Boot geholt; Torsten hat gesagt: Daniel als Keyboarder ist cool, und Bonny hat René empfohlen. Wir sind schon sehr eng zusammengewachsen mit der Zeit. Das ist halt im Grunde dieses Netzwerk an Freunden und Musikern… Und es hätten keine besseren sein können als Torsten, Bonny, René und Daniel. Es wurde kein anderer getestet oder so. Das ging echt ratzfatz.

Ihr schreibt nach den Konzerten oft noch stundenlang Autogramme und unterhaltet Euch mit den Fans. Genießt Ihr diese Nähe, oder gibt es auch Tage, an denen man sich lieber zurückzieht?

Klar gibt es auch Momente, in denen man einfach platt ist. Dann fahr ich lieber sofort nach Hause. Aber grundsätzlich macht es mir viel Spaß. Ich fände es ziemlich traurig, das als Pflicht zu sehen. Ich stehe ja auf der Bühne, damit die Leute zuhören, und wenn die Leute dann gerne zeigen möchten, dass es ihnen gefallen hat, sag ich doch nicht: Haut ab! Ich glaube, ein echter Künstler ist immer dankbar für das, was er hat. Wir sind sehr dankbar dafür, dass der Andrang noch so groß ist, dass die Leute das gerne hören und es ihnen so gut gefällt. Und dann bin ich auch gerne bereit, die Zeit dafür aufzubringen.

Warst Du zufrieden mit der Resonanz auf der Tour?

Ich fand’s super. Dass wir drei Touren spielen durften, ist klasse. Und die vierte ist in Planung. Wir müssen halt schauen, dass wir viel spielen, und sind froh, dass wir Four Artists haben. Wenn ich jetzt in der Zeitung lesen muss, dass z.B. Daniel Schuhmacher seine Tour absagen muss, denke ich auch: Schade für den Jungen.

Momentan spielt Ihr ja relativ große Konzerte – 800 Leute aufwärts. Was ist für Dich reizvoller: Vor einer großen Menge zu spielen oder lieber in einer kleinen Location?

Ich muss zugeben, ich spiele lieber kleinere Sachen. Es ist natürlich toll und aufregend, so große Shows zu spielen, es ist zum Beispiel megageil, im ausverkauften Palladium zu spielen. Das mal sagen zu können, hätte ich mir nie erträumen lassen… Vor ein paar Jahren noch war ich da als Besucher und dachte: Boah, wie geil wäre das denn, da oben zu stehen? Das ist schon cool, aber die Distanz zu den Leuten ist natürlich da. Wir haben z.B. in Freiburg im Jazzkeller gespielt, und das fand ich auch super. Man muss zwar aufpassen, dass die Technik-Geräte in Sicherheit sind in der Enge. Aber das finde ich besser, denn da kommen wir auch her, wir alle. Ich glaube, alle würden das sagen: Kleine Clubs sind super; da kocht das noch mehr, da kriegt man das direkt mit und sieht auch die Leute genau.

Bei Euren Konzerten ist ja immer eine Wahnsinns-Stimmung. Fehlt Dir manchmal die Herausforderung, das Publikum erobern zu müssen?

Man muss das so sehen: Die, die sofort explodieren, haben die Show schon mal gesehen, das sind Fans. Aber man sieht auch immer wieder neue Gesichter. Die gucken erstmal. Wenn ich dann nach zwei, drei Songs merke: Die finden das richtig cool… das ist klasse. Da sind alle Altersgruppen vertreten; zum Beispiel war da mal eine Frau, die könnte meine Oma sein, und hatte total Spaß. Das ist der Wahnsinn!

Stell Dir vor, Du könntest Dich in ein beliebiges Konzert der Vergangenheit versetzen, in die Haut eines beliebigen Musikers…

Spontan kommt mir Pink Floyd in den Sinn. Die hätte ich wahnsinnig gerne mal gesehen und auch mitgespielt, vielleicht bei „Live in Pompej“? Mein Vater hat viele Platten von Pink Floyd, und ich hab das auch immer gehört und war begeistert. David Gilmore ist super. zögert Fast hätte ich Pink Floyd live gesehen. Mein Vater war 1993 oder 1994 auf dem Konzert in Köln, hat aber gedacht, ich wäre noch zu jung; deshalb hat er mich nicht mitgenommen. Verdammt! lacht Damals wussten wir ja nicht, dass die nicht mehr auf Tour gehen werden. Und dann wäre ich noch gerne mit Queen auf der Bühne gestanden – im Wembley-Stadion, 1986. Das war der Wahnsinn. Pink Floyd eher von der atmosphärischen Seite, Queen von der rockigen Seite, von der Energie.

Sebastian Netz auf Tour mit Thomas Godoj

12 Kommentar

  1. Der Sepp ist sooo ein Netter!!!
    Und ich beneide euch schon wieder um so ein nettes Kaffee/Tee- Treffen!!
    Ich wünsche den Jungs, dass sie eeewig bestens von ihrer Musik leben können!! Und das ist überhaupt nicht uneigennützig… 🙂

  2. Total schönes IV, ich hab’s genossen!Danke Christel, Cat und Sepp!

    Ach ja…und ich freu‘ mich schon auf April und Mai!!!

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