„Musik ist meine Leidenschaft“ – „X Factor“-Kandidat David Pfeffer im Interview

Nach den Castings bei "X Factor" hatte Sarah Connor den eher ruhigen Polizisten David Pfeffer eigentlich nicht auf dem Plan - mittlerweile hat sich der 29-Jährige zum Favoriten der Show gemausert. Nicht ohne Grund: Substanz statt Glamour, Tiefgründigkeit statt Showeffekten zeichnen Davids Auftritte aus. Spätestens seit seiner gefühlvollen Interpretation des Kings of Leon-Songs "Use somebody" fliegen ihm die Herzen des Publikums nur so zu. Doch David Pfeffer will mehr als nur singen - er sieht sich nicht nur als Sänger, sondern als Musiker. Wo der Unterschied liegt, wird im Interview schnell klar. Lest hier, wie Davids Einstellung zum Rampenlicht aussieht, welche Musik er liebt - und warum er kochen gelernt hat.

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Nach den Castings bei "X Factor" hatte Sarah Connor den eher ruhigen Polizisten David Pfeffer eigentlich nicht auf dem Plan – mittlerweile hat sich der 29-Jährige zum Favoriten der Show gemausert. Nicht ohne Grund: Substanz statt Glamour, Tiefgründigkeit statt Showeffekten zeichnen Davids Auftritte aus. Spätestens seit seiner gefühlvollen Interpretation des Kings of Leon-Songs "Use somebody" fliegen ihm die Herzen des Publikums nur so zu. Doch David Pfeffer will mehr als nur singen – er sieht sich nicht nur als Sänger, sondern als Musiker. Wo der Unterschied liegt, wird im Interview schnell klar. Lest hier, wie Davids Einstellung zum Rampenlicht aussieht, welche Musik er liebt – und warum er kochen gelernt hat.
 
Musiktipps24: Vor der letzten Live-Show hast Du gesagt, dass Du noch Single bist. Hast Du eigentlich keine Angst, dass die Frauen Dir jetzt die Bude einrennen?
David Pfeffer: Nö, ach was – alles ganz entspannt! Allerdings spielt sich das halbe Leben mittlerweile wohl über Facebook ab. Darüber habe ich mich schon gewundert: Ich habe im Einspieler vor der Show ja gesagt, dass mir jemand mal erklären soll, was Liebe ist. Und jetzt habe ich ganz, ganz viele Einträge (auf Facebook), in denen mir die Mädels schreiben, was sie mit Liebe verbinden. Da sind fast schon lyrische, hoch philosophische Sachen dabei, und das ist schön zu lesen. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele darauf reagieren.
 
Aber Du kennst jetzt die weibliche Psyche…
(lacht) Stimmt, zumindest ein bisschen. Das war ja auch mehr so in den leeren Raum gefragt, denn ich glaube einfach, dass die Liebe niemand richtig erklären kann. In Worten ist das sehr schwierig zu beschreiben, und trotzdem interpretiert das jeder anders, und das ist auf jeden Fall auch spannend!
 
Zumindest hast Du jetzt wieder Material für Songs.
Ja, immerhin!
 
Wir könnten hier ja jetzt eine Partnerbörse aufmachen und fragen, ob Du romantisch bist oder ob Du kochen kannst…
(Einwurf von David) Ja, kann ich! Ich bin ja Vegetarier, und deswegen habe ich irgendwann einmal angefangen zu kochen, denn so habe ich es einfacher, etwas zu essen zu finden.
 
Aber noch mehr interessiert uns, was Du musikalisch so zusammenbraust. Bei Deinen Auftritten scheinst Du sehr in Dich gekehrt, wählst auch eher Songs, die einen melancholischen Touch haben. Versinkst Du während des Auftritts in einer eigenen Welt, im Gesang, ohne zu registrieren, wie viele Menschen in der Halle und vor den Bildschirmen zuschauen?
Genau. Ich komme ja aus einer Musikrichtung, die eher melancholisch ist. Ich mache mit meiner Band schon seit vielen Jahren Musik und schreibe Songs. Wenn es einem nicht so gut geht, hat man den höchsten kreativen Output. Noch dazu ist es so, dass mir viele Songs mit traurigem Inhalt etwas bedeuten. Das geht mir nah, und ich mag Musik, die mich erreicht. Musikhören ist für mich keine reine Freizeitbeschäftigung; es ist mir wichtig, was ich da höre. Deshalb achte ich darauf, dass in einem Lied etwas erzählt wird, und das sind eben oft die traurigen Dinge. Auf der Bühne ist es bei den Songs, die ich bis jetzt singen darf, leicht für mich, mich hineinfallen zu lassen und das Drumherum ein bisschen zu vergessen. Das tut mir auch ganz gut, weil ich sonst noch viel nervöser wäre.
 
Du hast eine eigene Band, „Inpaticula“ – ist „X Factor“ eine gute Möglichkeit, die Band bekannter zu machen?
Das war es eigentlich, was ich mir erhofft hatte: Werbung für die Band zu machen! Wir machen seit acht Jahren zusammen Musik, und wir verstehen uns untereinander auch sehr gut. Ich glaube, dass ich ohne die Band niemals so viel Musik hätte machen können in meinem Leben und vor allen Dingen auch auf diesem Niveau, weil alle Drei Musik studiert haben und sehr kreativ sind. Ich schreibe primär die Songs, aber wir arbeiten das zusammen aus und machen da ein Stück weit was Besonderes daraus. Das schätze ich wirklich sehr. Ich würde mich in keinster Weise von meiner Band trennen wollen! Wenn ich am Dienstag die Show verlassen müsste, würde sich in meinem Leben auch nicht so viel ändern, da bin ich Realist. Ich schreibe also fleißig weiter, und wir proben. Momentan ist das zeitlich allerdings nicht drin.
 
Langfristig möchtest Du also mit Deiner eigenen Musik auf den Markt gehen?
Genau. Das ist mein Ziel. Ich sehe mich nicht als Sänger, sondern als Musiker – und als Teil einer Band.
 
David Pfeffer.                                                      (c) Foto: VOX/Ralf Jürgens
 
Du wirkst wie ein Ruhepol, sehr geerdet, hast einen soliden Beruf. Mal ehrlich: Würdest Du die Polizeiuniform an den Nagel hängen, wenn Du die Chance bekämst, als Musiker richtig durchzustarten?
(wie aus der Pistole geschossen) Ja, natürlich! Meine Kollegen und Vorgesetzten wissen das auch. Musik ist meine Leidenschaft und ein großer Bestandteil meines Lebens und meines Seins, leicht philosophisch ausgedrückt. Mein Leben dreht sich quasi um die Musik. Das hat nichts damit zu tun, dass ich meinen Beruf nicht mögen würde – ich bin seit elf Jahren bei der Polizei. Aber jeder, der einen Traum hat und weiß, dass er ihn ein Stück weit leben könnte, würde das annehmen. Sollte es diese Möglichkeit geben, wäre ich ja blöd, es nicht zu machen!
 
Aber Du bist ja eher ein ruhiger Typ, der sich auf die Musik konzentrieren möchte. Dieser ganze Öffentlichkeitsrummel, das Blitzlichtgewitter – ist das Deine Welt?
Wenn man als Musiker im Licht der Öffentlichkeit steht, ist die Frage: Komme ich damit zurecht, und mag ich das? Und gerade, was Casting angeht, war mir auch klar, dass das von Null auf Tausend geht – und von Tausend auf Null, wenn man sich nicht etablieren kann. Das ist mir sehr wohl bewusst, und deshalb nehme ich diesen ganzen Rummel nicht so ganz für voll. Ich denke, hier geht es um das Format und nicht um meine Person. Das Risiko bin ich aber gerne eingegangen. Ich komme aus einer relativ alternativen Musikszene, da kann man ein Stück weit musikalische Integrität verlieren, wenn man einem Castingformat entspringt. Das hat in Deutschland einfach noch keiner geschafft. Meine musikalischen Qualitäten – das muss jeder für sich selbst einschätzen. Aber ich mache schon jahrelang Musik, und ich bin nicht fangeil, das brauche ich nicht. Ich muss nicht jeden Tag in der Zeitung stehen, und  von mir müssen auch nicht zehn Milliarden Bilder im Internet sein. Das ist im Moment eine Nebenerscheinung, weil es eben „X Factor“ ist. Aber es hat nichts mit meiner Musik zu tun. Wenn ich irgendwann einmal mediale Aufmerksamkeit bekomme, weil es um meine Musik geht, dann ist es eine Bestätigung, die man für etwas bekommt, was man erreicht hat. Deshalb ordne ich das im Moment für mich so ein: Das ist eine TV-Show mit relativ hoher Aufmerksamkeit der Medien, aber ich habe das nicht gemacht, um mal die Erfahrung zu machen, wie es ist, über den Roten Teppich zu laufen, sondern primär, um die Chance zu bekommen, Musik zu machen.
 
Aber witzig ist das schon ab und zu, oder?
Ach, das ist halt skurril! (lacht) Da kaufst Du im Laden eine Cola, und die Kassiererin sagt: „Viel Glück am Dienstag!“ Das kennt man ja vorher nicht… Ich stelle mich auch jedem noch mit Namen vor, und viele sagen dann: „Ich weiß, wer Du bist.“ Und man denkt: Schön, aber ich weiß ja nicht, wer DU bist. Wir Kandidaten sind viel für uns, müssen viel proben und haben wenig Zeit, da kriegen wir gar nicht so richtig mit, was gerade mit einem passiert. Und das ist wohl auch gut so!
 
Wie sieht Deine Vision für Dein Leben in fünf Jahren aus – vom jetzigen Zeitpunkt aus gesehen?
Ich habe mir irgendwann mal abgewöhnt, in die Zukunft zu blicken, weil's meistens nicht so kommt, wie man erwartet. Wir werden jede Woche vor eine Entscheidung gestellt. Im Moment ist das Ziel jede Woche die nächste Show. Abgesehen von „X Factor“ mache ich mir um viele Sachen gar keine Gedanken. Mein allergrößtes Ziel wäre natürlich, mich in der Musikbranche – nicht in der Welt der Stars und Sternchen – zu etablieren und auch Leute von der Musik meiner Band zu überzeugen, die mit Casting nichts am Hut haben. Denn eines kann ich schon sagen: Hier bei „X Factor“ sind höchst musikalische Leute, die Interesse daran haben, Musik zu machen, und nicht unbedingt das Rampenlicht brauchen. Die Einstellung gilt auch hundertprozentig für mich. Und das wäre mein absoluter Traum.
 
Das Interview führte Cat.
 
David Pfeffer bei "X Factor":
Dienstag, 15. November, 20 Uhr auf VOX 
mit einer Interpretation von "Nothing compares 2U"

Davids Band "Inpaticula" im Internet:

0 Kommentar

  1. Super Interview, das mich in meiner Meinung über David voll bestätigt, danke, Cat!
    Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute für seinen weiteren Weg!

  2. Dieser (junge) Mann hat eine unglaubliche Reife, ist eine echte Persönlichkeit. Vorbildlich, großartig und bewundernswert! – Wenn er keinen dauerhaften Erfolg hat, wer dann?

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