Moers Festival 2009: Rokia Traore bringt das Zelt zum Kochen

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Im Festivalzelt des „Moers Festival“ zeigte sich am gestrigen Abend, wie unterschiedlich doch die Bereiche der modernen Jazzmusik sein können. Vor ausverkauftem „Zelt“ spielte zuerst Timucin Sahin mit seiner Band. Sehr experimentelle Musik, der man zwar höchsten Respekt zollen muss, aber hier muss ich ganz ehrlich sagen, dass es mir streckenweit sogar schon ein bisschen zuuuu kompliziert war. Meine Ohren scheinen für diese Art von Experimenten nicht so ganz geöffnet zu sein. man möge es mir verzeihen.

Ganz grundsätzlich muss man aber sagen, dass Timucin Sahin ein geniales Ensemble um sich versammelt hatte. Allen voran der junge Schlagzeuger Tyshawn Sorey, der auf ganzer Linie zu überzeugen wusste. Tyshawn Sorey gehört nicht nur zu den besten jungen Drummern dieser Welt, er ist autodidaktischer Multiinstrumentalist und gehört momentan zu DEN Hoffnungsträgern der New Yorker Jazz-Szene. Im Jahre 2007 veröffentlichte er unter anderem sein Debütalbum „That/Not“. Die Platte wurde zu einer gefeierten Aufnahme im Jazz-Bereich.
Bandleader Sahin selber hat eine sehr bewegte Vergangenheit: Er wuchs auf in der Türkei, lebte dann viele Jahre im niederländischen Amsterdam, bevor es ihn schlussendlich nach New York zog. Dort scharte er dann auch die Musiker seiner aktuellen Band um sich.
Die 4 Musiker lieferten ein absolut spannungsgeladenes Set und zeigten dauerhaft, welche Genialität in ihnen steckt.
Trotz allem muss man aber sagen, dass gerade diese Genialität das Erleben der Musik zum Teil recht schwierig macht. Man muss als Zuhörer schon fast auf einem ebenso genialen Level sein.

Das absolute Highlight des Abends war in meinen Ohren dann Rokia Traore aus Mali. Laut Programmheft des Moers Festival steht Rokia Traore für den musikalischen Aufbruch Afrikas ins 21. Jahrhundert. Für mich stand sie gestern auch für den Aufbruch im Moerser Festivalzelt. Nachdem es bei Timucin Sahin und Band eher ruhig und verhalten zuging, brachte die Afrikanerin das Zelt zum Kochen und Tanzen. Kaum einen Zuschauer hielt es noch auf den Beinen.
Auch die Sängerin hatte wieder eine exzellente Band um sich versammelt. Immer wieder war ihr sehr tanzbarer Sound mit Soloeinlagen der einzelnen Musiker gespickt. Sehr hervorzuheben an dieser Stelle auf jeden Fall der Bassmann Christophe „Disco“ Minck und auch der Drummer Emiliano Turi.

Mein persönliches Highlight war in jedem Fall ihr Song „Zen“. Ich habe dazu übrigens auch ein Video gefunden, zwar nicht vom Moers Festival, aber eben von diesem Song. Hier fand ich vor allem dieses durchgängige Gitarrenlick total geil. Und der Rest des Zeltes anscheinend auch, alle haben gefeiert, bis auf den letzten Platz. Zum Ende des Konzerts gab es dann auch noch eine Verneigung vor Miriam Makeba, Rokia Traore mit einer improvisierten Version von „Pata Pata“. Sensationell!
Dementsprechend gab es am Ende des Konzertes Standing Ovations für die Künstlerin. Absolut verdient und ein grandioser Abschluss des Sonntagabends. Viel Spaß mit dem Video.

1 Kommentar

  1. Die Begeisterung über den Auftritt des Energiebündels Rokia Traoré teile ich voll und ganz. Mit ihr möchte ich gerne mal ein abendfüllendes Konzert erleben, hoffentlich kommt sie bald mal nach Berlin.
    Ansonsten wäre meines Erachtens unter den Musikern des Sonntags auch noch der Saxofon-Solist Colin Stetson erwähnenswert, der virtuos dem Saxofon, der Klarinette und dem Bariton-Saxofon musikalische Highlights entlockte.

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