Moers Festival 2009: Jazz ist trommeln!

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Ich bin selber Moerser und meist schon Monate im Voraus wächst die Vorfreude auf das jährlich stattfindende Moers Festival, das bei uns eigentlich nur „Jazz“ heißt. Als kleiner Junge war ich zusammen mit meinen Eltern und meinen Onkels dort, die meiste Zeit habe ich dann damit verbracht auf irgendwelchen Trommeln rumzuhauen, die vor fast jedem zweiten Zelt stehen. Insgesamt kann man wohl sagen, dass es auf dem Jazz mindestens so viele Trommeln wie Besucher gibt…oder so ähnlich. Für mich heißt es deshalb auch: „Jazz“ ist Trommeln!

Mit 15 Jahren habe ich zum ersten Mal selber auf dem Festival gezeltet und einen Großteil meiner Zeit dann damit verbracht mit meiner ersten eigenen Djembe von Zelt zu Zelt zu ziehen und dort Musik zu machen. Dies ist für mich gleichzeitig auch die Essenz des Festivals: Bei diesen „Trommel-Touren“ habe ich so viele unterschiedliche Menschen getroffen, so viele unterschiedliche Dinge erlebt…

Manchmal landet man beispielsweise bei großen Trommelgruppen bestehen aus vielen Mittvierzigern. Oft sind diese angeleitet von einem älteren Herrn, den ich hier mal „Silberrücken“ nenne. Deren Tag besteht daraus, sich über Stunden in eine Art Trance-Zustand zu trommeln, mit nur einem Rhythmus….der heißt dann „Kewenge-Zeppe-Zeppe“ oder wie auch immer…naja, aber dort mitzumachen war schon von jeher schwierig. Zwar trommeln da ungefähr 30 Mann, die alle aussehen wie Alt-Hippies, aber so locker sind sie nicht. Weil jeder Außenstehende, der sich dazu setzt und nicht den vorgegebenen Zeppe-Zeppe-Kawumba-Beat spielt, wird mit bösen Blicken bestraft…nix von wegen eine große Familie und so…da bin ich jeweils meistens so schnell abgehauen, wie ich gekommen bin.

Oft landet man aber auch bei anderen Truppen, die sich tierisch darüber freuen, dass sich ein weiterer Trommler zu ihnen gesellt. Da macht es dann richtig Bock zu spielen. Die Leute dort spielen einfach irgendwas und das auch stundenlang. Hauptsache geiler Beat. Da kommt dann Freude auf, vor allem weil dort vielfach echt talentierte Musiker zu finden sind.
Das ist das „Jazz“ eben für mich: Eine große Anlaufstelle für Musiker aller Art, die für die Musik im großen Festival-Zelt selber gar nicht so viel übrig haben. Die sind dann aus denselben Gründen dort wie meine Wenigkeit: Musik machen & Spaß haben.

Mittlerweile rückt dann auch schon die nächste Generation nach. Eigentlich für die meisten Moerser Jugendlichen eine Selbstverständlichkeit, dass man auch auf dem Jazz unterwegs ist. Immerhin sind das quasi 4 Tage Anarchie im Moerser Stadtpark, das muss doch ausgenutzt werden. Genauso war es bei mir auch immer: Schon nach der Schule ging es freitags ab in den Park, erstes Bier an den Hals und gucken was passiert.
Mittlerweile zelte ich selber gar nicht mehr auf dem Festival, aber ich gehe jeden Tag dort hin und trommele. Jetzt mit meinem Sohn zusammen, der ist 4 Jahre alt und teilt die gleiche Leidenschaft. In knapp 11 Jahren wird er dann wahrscheinlich, so wie ich, mit einer Trommel bewaffnet aufs Jazz pilgern und dort 4 Tage lang die Sau raus lassen. Vor allem wird dann so lange getrommelt bis die Hände bluten oder zumindest weh tun.

Vom eigentlich großen Festival-Zelt habe ich bisher leider noch nicht so viel gesehen, keine Zeit wegen dauernder Trommelei, quasi…
Ich habe mir den Anfang des Wanja Slavin Sextett angeschaut, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das Zelt aus Langeweile verlassen habe. Allein das Konzertintro hat eine gefühlte Stunde gedauert…nix für mich…ich werde heute noch mal schauen. Vielleicht finde ich ja was tanzbares, wenn, ja wenn ich nicht gerade am trommeln bin 😉
P.S.: Morgen werden mal ein paar nette Fotos folgen!

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