DSDS 2012: Sex sells – Overkill im Casting-Paradies

Von Staffel zu Staffel, von Show zu Show schleppt man sich irgendwie lustloser vor den TV, um sich die Mutter aller Castingshows reinzuziehen. "Deutschland sucht den Superstar", die zehnte. Oder die elfte? Keine Ahnung... auf jeden Fall schon mehr als eine zu viel. Allein das Wort "Pop-Titan" kann man schon lange nicht mehr hören, auch nicht die gängigen Plattitüden, die den Kandidaten im Jury-Jargon laufend um die Ohren geknallt werden. "Ab in den Süden" lautet heute das Motto, und dahin möchte man auch flüchten. Am besten in eine Strandbude ohne Fernseher.

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Von Staffel zu Staffel, von Show zu Show schleppt man sich irgendwie lustloser vor den TV, um sich die Mutter aller Castingshows reinzuziehen. „Deutschland sucht den Superstar“, die neunte. Oder die zehnte? Keine Ahnung… auf jeden Fall schon mehr als eine zu viel. Allein das Wort „Pop-Titan“ kann man schon lange nicht mehr hören, auch nicht die gängigen Plattitüden, die den Kandidaten im Jury-Jargon laufend um die Ohren geknallt werden. „Ab in den Süden“ lautet heute das Motto, und dahin möchte man auch flüchten. Am besten in eine Strandbude ohne Fernseher.

Mittlerweile sind nur noch sieben Kandidaten übrig, darunter nur noch ein Mädchen. Braucht DSDS eine Frauenquote? Neee… DSDS braucht dringend ne Frischzellenkur oder, noch besser: Einen Programmdirektor, der so nett ist, die Sendung einzustellen. Mit Musik hat das Ganze nicht mehr viel zu tun. Zwischen 20.15 Uhr und 22 Uhr werden sieben Kandidatensongs und ein gemeinsam performter Titel zum Besten gegeben. Macht summa summarum also rund 24 Minuten Musik. Der Rest ist – abzüglich Werbepausen – angefüllt mit Applaus, Jury-Kommentaren und den neuesten Trash-Storys inklusive Kandidaten-Bashing. Daniele hat Christoph beleidigt, Daniele hat sich bei Christoph entschuldigt, Daniele und Christoph haben sich wieder lieb. Christoph ist schwul und bekommt für den Auftritt einen blauen Wolkenanzug verpasst. Joey wird nicht mal mehr mit rüden Worten abgekanzelt, sondern gleich mit „Fahnenflucht“ des DSDS-Oberjurors bestraft. Nesthäkchen Fabienne soll die Verruchte geben, kommt aber immer noch wie Schneewittchen rüber.

Ja, hat die denn immer noch nicht begriffen, dass „Sex sells“? Background-Tänzerin Su offenbar schon. Sie darf bei Jesse Ritchs Auftritt im überdimensionierten Reagenzglas dreiviertelnackt im Schaum tanzen und sich sexistisch klingendes Gefasel von Bohlen und Schreyl anhören, ist ihr Vorbau doch allemal imposanter als der Gesang, der den Abend durch ertönt. Das soll nicht die individuell sicher vorhandenen Stärken der einzelnen Gesangskandidaten schmälern; diese sind bei einigen durchaus vorhanden. Doch sie gehen unter, denn eigentlich interessiert’s keinen, wie wer singt. Joey liegt prinzipiell ein paar Töne daneben, doch das Publikum liebt den Jungen und hat ihn deshalb bislang immer weiter gebracht. Warum Bohlen Joey nicht liebt? Keine Ahnung. Letztes Jahr bei Pietro hat es doch auch noch funktioniert…

Doch die Kandidaten wollen einfach nicht auf Onkel Dieter hören. Fabienne ist weiterhin niedlich und kriegt noch nicht mal einen verruchten Augenaufschlag hin – also müssen die vier Background-Tänzer mit dem nackten Oberkörper halt flugs an ihr rumfingern. Außerdem streut man fleißig Gerüchte über eine angebliche Liebesaffäre zwischen der hübschen Blonden und Mitkandidat Hamed. Doch was in aller Welt hat bloß Daniele im Bett bei den beiden zu suchen? Wer einen flotten Dreier vermutet, liegt falsch: die Guten haben nur geschlafen, aber nicht miteinander. Wäre es anders, hätte es RTL bestimmt schon herausgefunden… Hamed kriegt ne Baseball-Cap verpasst und ein Proll-Outfit, das gar nicht zu seiner Art passt. Christoph kommt im clownesken Anzug daher, und Luca darf endlich mal Gitarre spielen. Wenn die Jury sagt, es klingt toll, dann hat der Zuschauer das zu glauben. Wenn die Jury sagt, es klingt scheiße, gilt das gleiche. Klingt komisch? Ist es auch.

Die Skandälchen in der Kandidaten-Villa, die eifrig in die Kamera gezeigte „Ruf für mich an“-Gestik – Grundvoraussetzung für die Teilnehmer -, alles wirkt inszeniert.  Und doch bricht die Fassade ab und zu auf. Wenn Daniele Rotz und Wasser heult, weil der durch den Skandal ausgelöste Druck zu groß wird. Wenn Bohlen während Joeys Darbietung den Saal verlässt und der 18-Jährige nach dem Auftritt einfach fassungslos ist und erst einmal hinter die Bühne muss, um sich zu sortieren. Mitleid? Keine Spur. Die Kamera hält immer voll drauf – was spontan kommt, ist noch unterhaltsamer als das, was eingeübt wurde. Inklusive der vielen Pfiffe und Buhrufe für Dieter Bohlen. So geht’s ja auch nicht: Der Mann wird schließlich dafür gezahlt, dass er sich anhört, was auf der Bühne gespielt wird!

Da klingt es geradezu wie Hohn, wenn Bruce Darnell nach dem letzten Auftritt an diesem Abend zu Kandidat Daniele sagt: „Du bist hier, um Leistung zu bringen, und etwas anderes ist nicht gefragt.“ Dazu fällt mir nur eins ein: Schnell auf Youtube nach ein bisschen Musik suchen. Etwas, das echt ist und entspannt. Und das zum Thema passt.  Hallelujah! Es lebe die Musik! In diesem Sinne:

 Update: Diese Woche muss Hamed Anoushesh die Show verlassen. Joey, Christoph, Fabienne, Jesse, Luca und Daniele sind in der nächsten Runde.

6 Kommentar

  1. Tja, die von RTL haben den Trash-Bogen überspannt. Die Quotentalfahrt geht weiter! Mittlerweile wirkt alles nur noch peinlich inszeniert! Joey sollte gewinnen, das wäre zumindest der Todesstoß für RTL und Dieter Bohlen ……… Ich schau mir diesen Mist nich mehr an …………ansonsten bekomme ich noch Mitleid, was aus dieser Show geworden ist.

  2. @Eren – Also die Castings habe ich mir bei den ersten paar Staffeln schon ab und an angesehen. Comedy pur – sehr unterhaltsam ;)))

  3. Die Einleitung ist Bombe! Hab sehr gelacht und es ist einfach treffend!

    Vorallem ist die Show einfach nutzlos. Ich kenne keinen Gewinner, dessen 5 Minuten Hit nach 3 Monaten noch im Radio gespielt wird. Knebelverträgen & mangelnder Förderung sei dank!

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