DSDS 2012: Goodbye, Dieter Bohlen – das Format ist tot

Deutschland sucht den Superstar, die neunte. Und die Glitzerwelt des Scheins trudelt immer mehr dem Abgrund zu. Am Samstag ist wieder Live-Show angesagt, und der Medienzirkus in der Gesangs-Arena geht weiter.

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Deutschland sucht den Superstar, die neunte. Und die Glitzerwelt des Scheins trudelt immer mehr dem Abgrund zu. Heute ist wieder Live-Show angesagt, und der Medienzirkus in der Gesangs-Arena geht weiter. Arena trifft es gut, denn das Verhalten von Jury und Zuschauern erinnert sehr gut an die alte Römerzeit, als man die Gladiatoren in den Ring schickte. Nur dass heutzutage überwiegend junge Menschen dort stehen, passenderweise aber immer noch im Colosseum, wenngleich sich dieses jetzt in Köln und nicht in Rom befindet.

Servus, mach’s gut… Seit 2009 habe ich in meiner Funktion als Musikredakteurin das Format DSDS auf Musiktipps24 begleitet. Das war teilweise eine schöne Zeit, auf alle Fälle jedoch eine lehrreiche. Habe mir zumindest einen Teil der Castings reingezogen, alle Live-Shows – insgesamt hab ich wohl keine drei verpasst – , Gesangstalente und Möchtegernsänger auf ihrem Weg durch die Show verfolgt und teilweise auch im Interview mit ihnen gesprochen. Ein paar waren darunter, die echt was auf dem Kasten hatten und wussten, was sie wollen. Und ein paar, die eher einfach den Medienhype genossen. Ein Star ist aus keinem von ihnen geworden. Im besten Fall können einige von ihnen heute von ihrer Musik leben, ein Teil taucht immer wieder im Fernsehen auf. Dschungelcamp, Let’s Dance, Raabs Turmspringen… insofern haben ein paar wenige ihr Ziel erreicht. Alexander Klaws ist im Musicalfach recht erfolgreich, Mark Medlock verkaufte ganz gut, solange er mit Bohlen produzierte, Thomas Godoj füllt auf Live-Konzerten auch größere Clubs. Muss ja nicht jeder der zweite Michael Jackson werden, nicht wahr?

Doch das Gesicht von DSDS hat sich immer mehr gewandelt. Schön war die Sendung noch nie, doch sie bot Unterhaltungswert. Und am Ende hat noch immer einer gesiegt, der singen konnte. Doch mit der Zeit wurde immer klarer herausgearbeitet, was die Sendung in Wirklichkeit ist. In der Literatur gibt es ein wunderbares Pendant dazu: „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde.  Es erzählt die Geschichte eines smarten jungen Mannes, der ein Porträt von sich besitzt, das statt seiner altert und vom Leben gezeichnet wird. So bleibt Dorian fast zwei Jahrzehnte lang jung und schön – und grausam. Doch im Lauf der Jahre verändert sich das Bild, entwickelt grausame Gesichtszüge und zeigt Dorians wahren Charakter – es wird zu einer Fratze. So ähnlich ist es auch mit „Deutschland sucht den Superstar“. Unter all dem Glamour, den tollen Lichteffekten und protzigen Ansagen verbirgt sich ein hässliches Antlitz. Und das Fernsehpublikum? Ein Teil hat sich schon abgewandt, ein Teil verhält sich wie bei einem Unfall: Man will es zwar nicht, schaut aber trotzdem hin.

Manche sind geneigt zu sagen, dass doch jeder selber weiß, worauf er sich einlässt, wenn er bei dem Format mitmacht. Doch einige der Kandidaten sind noch nicht mal 18, manche erst 16 Jahre alt. Es gab schon Nervenzusammenbrüche, Tränen, Wutausbrüche – Privatsphäre? Keine – die Kamera ist immer dabei… Ganz ehrlich: Ich würde meinen Kindern im Leben nicht erlauben, an einer solchen Show mitzumachen! Oder Kandidaten wie letztes Jahr Pietro, dieses Jahr Joey… wer schützt sie?

Es geht nicht mehr um Musik. Es geht auch nicht mehr um Unterhaltung. Es geht um Voyeurismus, Daily Soaps, die das Leben nachstellen und teils nach festgelegter Dramaturgie verfahren. Das bisschen Karaoke, das auf der Bühne stattfindet? Nebensache… ein schönes Lied macht noch keinen guten Songwriter. Und mitten drin ein Dieter Bohlen, der verzweifelt gegen den Zahn der Zeit zu rudern scheint, der seiner Show zusetzt. Immer mehr Zuschauer haben das Tuch schon einmal hochgehoben und das alternde Porträt von DSDS gesehen. Manche ließen es erschreckt wieder fallen und versuchen, den Anblick zu vergessen. Das ist einfacher, als sich darüber Gedanken zu machen, wie es mit dem deutschen Fernsehen so weit kommen konnte. In diesem Jahr habe ich von einigen Zuschauern schon den Satz gehört: „Ich warte bloß noch auf den ersten Selbstmordversuch eines Kandidaten.“

Wir leben im Jahr 2012, und seit der Zeit der Gladiatoren hat sich nicht viel geändert. Es gilt immer noch die Devise „Brot und Spiele“. Aber ohne mich. Ich spiele dieses Spiel nicht länger mit. Ich werde mir nicht mehr anschauen, wie junge Menschen bloßgestellt und abgekanzelt werden. Die Show am letzten Samstag war die letzte für mich. Denn mit Musik hat das nichts mehr zu tun. Goodbye, Dieter Bohlen – das Format DSDS ist tot. Wird Zeit, dass ein deutscher Sender sich traut, wieder eine echte Talentshow auf die Beine zu stellen, mit Musikern, die ihre eigene Musik vorstellen dürfen.

Doch das wird sich erst ändern, wenn die Zuschauer ein Zeichen setzen. Und das kann nur eines sein: Der Ausknopf am Fernseher.

Nachsatz: Die Geschichte des Dorian Gray hat kein Happy Ending.

19 Kommentar

  1. Die Sendung hat sich schon lange überholt und ist nur noch peinlich. Ich brauche nicht mehr den Ausknopf zu betätigen, weil ich gar nicht mehr einschalte 😉 GsD gibt’s mittlerweile andere Castingsendungen, wie X-Factor oder The Voice of Germany, wo es derzeit noch um Musik geht, wenn auch dort nicht unbedingt um langfristigen Künstleraufbau…

  2. Genau, Angi!!
    Und: Genau, cat!!!!
    Ich hab dieses Jahr auch nicht EINE Folge geguckt!! – Ich ertrag das einfach nicht mehr, dieses niedrige Niveau!!

  3. GUT DAS KRISTOF SICH GEOUTET HAT. Wir Gays müssen zusammenhalten.

    HOFFENTLICH GEWINNT KRISTOF.

  4. hier werden nach meiner Auffassung Hoffnungen auf irgendwelche super Erfolge geweckt, dabei geht es (wie immer) nur um Einschaltquoten die Bohlen für seine Erfolge braucht,die
    langzeiterfolge bleiben aus.
    Wenn jemand als Künstler Erfolg haben will, sind solche Castingveranstaltungen nicht unbdingt die richtige Startbahn.
    Dieser Weg führt oft in Erfolglosigkeit, und Depressionen.

    Haben Sie DSDS verpasst ? das Beste was einem passieren kann.

  5. Danke Cat für diese Zeilen. Sie spiegeln kritisch und für meinen Geschmack ehrlich, was aus diesem Format geworden ist…
    Nicht nur siegen lassen, sondern auch kümmern, dass wäre ECHT gewesen.
    Es gab tatsächlich einige Telente, die es wert waren gefördert zu werden, die Wiedererkennungswert haben, siehe Daniel Schuhmacher. Aber stellt sich jemand nicht ganz unter den Scheffel, wird erfallen gelassen und sein eigener Musikgeschmack scheint eh nicht wichtig zu sein. Sehr Schade.
    Daniel Schuhmacher kam besonders gut an, wenn er auch mal schnellere Songs zum Besten gab, dennoch wurde ein Album mit fast ausschließlich langsamen Songs prodiziert. Sein eigenes dagegen hat zwar nicht mehr den enormen Hintergrund, allerdings klingt hier ein authentischer Sänger durch. Er hätte es verdient enorm gefördert zu werden.

  6. Ich weis nicht wann diese peinlichkeit ein ende nimmt?
    hat RTL wirklich nichts mehr beseres zu bieten ausser HEULSÜSEN ON STAGE?
    Da bekommt man ja bereitz OHRENKREBS bei so ein gejaule.

    Was die entscheidungen in dieser staffel betrifft, entweder werden diese per anwahlsoftware manipuliert oder haben die deutschen kein musik geschmack mehr, das derartige HEULSÜSEN wie Joey immer wieder weiter kommen und die peinlichkeiten kein ende mehr nehmen?

    An Dieter Bohlen!

    Hey man ! GEH IN RENTE ! Es reicht. Deine MODERN TALKING zeiten sind vorbei! Setze dich in dein Studio und bastle weiter an deine Top Songs und lasse die Fingern vom TV. Es wird immmer Peinlicher das man es nicht mehr ertragen kann unddu beginnst dich langsam selbst lecherlich zu machen. du krazt selber an dein top image und das muss nicht sein.

  7. Schön das jetzt endlich alle anfangen ihre Augen und Ohren für das zu benutzen, wofür sie da sind! Ich habe nur zwei Staffeln gesehen um zu wissen was da läuft. Die erste aus Neugier und 2010, weil ich mich beim zappen in eine Hammer Stimme verliebte. Mir ist bei einem Sänger(in) das drum herum immer egal. Mir kommt es einzig und allein auf die Musik an.
    DSDS ist weit unter der Gürtellinie und gehört verboten

  8. Gott sei Dank habe ich als Kassiopeija die Möglichkeit im Universum ungestört von solch einem Niveau, leben und mich anderweitig amüsieren zu können. 

    Mein Gott sind wir so niveaulos, so geschmacklos, so kritiklos geworden, dass Menschen diese Sendung als das non plus ultra betrachten?

    Ich denke H. Bohlen sollte sich vielleicht besser Gedanken darüber machen ob jetzt nicht der Zeitpunkt wäre sich zu verabschieden, so lange das noch mit einer gewissen Würde möglich ist und seiner Reputation nicht wirklich schadet.

    Wie schön, das uns ARD und ZDF geblieben sind und ich hoffe das wird noch lange so bleiben, denn das gibt einem „gesunden“ Menschenverstand doch weiterhin die Möglichkeit nicht völlig zu verblöden und für umsonst Fernsehgebühren zu bezahlen.

    Jedes weitere Wort für diese Sendung wäre zuviel des Guten.

  9. Hannah
    01.04.2012
    ———-

    Bei einer solchen Gewinnsumme sollte zumindest ab 6 Kandidaten wieder die Jury entscheiden wer weiter kommt, denn so ist das ja eine Lachplatte, was mit Gesang nichts mehr zu tun hat.

    Nur weil ich eine schwere Kindheit hatte, hat das mit DSDS nichts mehr zu tun.

    Man muß sich überlegen ob man sich das noch einmal antut. Eigentlich schade!

    Eventuell sollte man sich die Sendung neu überdenken.

  10. NACH WIE VOR finde ich DSDS eine sehr gute Unterhaltung …. und so sehen es wohl auch die meisten Zuseher :-))

    Der Bericht von „CAT“ ist unnötig wie ein Kropf und wenn sich etwas überholt hat, dann „solche“ Statements von „Möchtegerne-Redakteuren“, welche selbst nichts zu sagen und daher notwendig haben, sich den dem Millionenerfolg einer gut laufenden Serie anzuhängen und ganz einfach „dagegen“ zu sein.

    Klar, so viel Unsinn kann man gar nicht verzapfen, als dass sich nicht immer einige Personen dann in der Folge diese Meinung anschließen …und das ist auch gut so …. aber ob dies dann für die wochenendliche Selbstbefriedigung reicht … naja … maximal vielleicht halt für den Vorgesetzten, dem man einen Grund für sein „Dasein“ liefern muss :-))

    Lovely Regards von E.S. (keinem fanatischen DSDS-Fan, aber einer Person, welche unkomplizierte Unterhaltung nicht abgeneigt ist und offensichtlich den selben Geschmack, wie die überwiegende Mehrheit hat)

    • Hallo Erich,
      es bleibt weiterhin jedem selbst überlassen, ob und in welcher Form er seinen Kopf zum Denken ein- und den Fernseher ausschaltet. Schade allerdings, dass dein Kommentar so unter die Gürtellinie zielt – das passiert meistens dann, wenn die echten Argumente ausgehen. Zum einen bezweifle ich, dass „die überwiegende Mehrheit“ die Sendung gut findet (bei mehr als 80 Millionen Menschen in diesem Land), zum anderen muss man tatsächlich nicht der Masse hinterher rennen, sondern kann sich eine eigene Meinung bilden. In diesem Sinne einen schönen Sonntag.

  11. Also, so langsam habe ich den Anschein, dass der richtige Vater von dem Joey Heindle der einzig vernünftige Mensch in der Familie gewesen ist. der hätte diesem F…fehler von Sohn mal nochmehr den Arsch versohlen sollen, dass dieser mal klar kommt in seienm Kopf ! So eine dumme Rotzgöre hat die Welt selten gesehen ! *Anm. d. Red.: Carsten, weiß du schon, was du da schreibst??? Wir reden hier über Kindesmisshandlung!*
    Und seine Mutter hatte sich letztens aufgeregt, weil Dieter den Saal verlassen hat. Aber wo war diese *entfernt wegen Beleidigung* als ihr Sohn die Prügel vom Vater bezogen hat ? Solche Leute gehören einfach nicht ins Fersehen. Oder sind das alles nur noch Mittleidshows ?

  12. Cat, geb dir vollkommen recht. Bei DSDS gehts nur noch um Quote, da zählt schon lange nicht mehr Stimme oder Talent. Es war mal ne gute Show mit Live Band u Leuten die wirklich Stimme hatten, aber anstatt das DSDS eine Plattform und eine echte Chance für seine Sieger bietet werden die nach kurzer Zeit abserviert wenn sie wie Thomas G, Tobias R, Elli oder Daniel S nicht nur von Liebe, Sonne u Strand trällern wollen sondern eigenen Anspruch in Sachen Musik haben u den auch verwirklichen wollen… Ich bin heute noch ein Fan von Daniel Schuhmacher weil er Stimme hat, den Anspruch auf gute Texte u Musik u inzwischen seine eigenen Songs schreibt. Aber da DSDS inzwischen unterste Schublade ist haben ehemalige Sieger, richtig gute Leute „draussen“ keine faire Chance und das ko… mich inzwischen echt an..

  13. Cat, ich muss mich bei Dir bedanken. Endlich mal jemand der öffentlich sagt, was viele denken.
    Ich kann mich nur den vielen Meinungen die hier veröffentlicht worden anschließen. Außer der von Mr. Simek. Mir sagt eigentlich schon die Zeit, wann der Artikel geschrieben wurde, alles über die Person. Da brauch man sich keine Gedanken über den Schriebs machen.

  14. Ich habe DSDS nur immer durch Zufall geschaut, na sagen wir mal beim Durchklicken. Bis zur 6. Staffel habe ich es noch ausgehalten bzw. die letzten Mottoshows angeschaut, da ging es noch halbwegs niveauvoll zu, da sind einige Talente dabei gewesen, die nicht schlecht waren, für mich ist Thomas Godoj ein sich treugebiebender Künstler und Sänger, er macht seinen Weg, richtig so. Ein Daniel Schuhmacher hat sich sehrwohl zum Besten entwickelt, ihm wurde Wiedererkennungswert seiner Stimme prophezeit, er hat die aussergewöhlichste Stimme, er hätte auch aus einem Telefonbuch vorsingen können, trotzdem hat man ihn nicht gefördert. Ging ja auch nicht, Daniel hatte seine eigene Vorstellung Musik zu machen, ein Mark Medlock mußte man ja auch erstmal gefördert werden,damit D.B. ersteinmal seine Ideen von Musik bei ihm unterbringen konnte, die Ballamannmusik. Daniel hat sich freigeschwommen, macht seine eigene Musik. Es gab mit Daniel drei große Deutschlandtouren, er hat die 5.Single mit eigenem Song „ON A NEW MAVE“ auch als Video rausgebracht, sein 3. Album wird demnächst erscheinen (Mai/Juni 2012), auch mit eigenen Songs. Er macht seit drei Jahren weiter seine Musik, die Liveauftritte sind das Heyligth, er kann wirklich singen, braucht keinen Verstärker. Was mich stört ist, die Ignoranz vieler Menschen, die nicht sehen, dass wir in Deutschland auch sehr gute Livemusiker haben, die nicht ständig im Rampenlicht stehen und nicht hochgepusht wurden. In Amerika sind Castingsshows dazu da, um neue Talente zu finden, in Deutschland werden sie fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel. Ich habe den Eindruck, es dürfen keine neuen talentierten Sänger her, die könnten ja vielleicht die Alteingesessenen vertreiben. Mir ist das alles sehr Mafiös, einen anderen Eindruck habe ich nicht. Egal ob Radio oder TV, immer die gleichen Künstler, es ist langweilig. Heimatmusik ist was für Alte, aber nicht für Junge.

  15. Wenn Herr Simek um 04.44 Uhr (!) Grund fand, seinen Beitrag abzusetzen, dann muß ihn die Schelte aber sehr aufgewühlt haben. Das allein ist doch schon traurig genug ;-).
    Vielleicht sollte er die Zeit nutzen, den Genitiv zu studieren.

  16. offen und ehrlich drauf geschaut, auf das „Auslaufmodell DSDS“ Daumen hoch, für diesen Artikel.

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