DSDS 2011: Offenbart das zweite Casting eine Offenbarung?

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Das zweite Casting zur Sendung „Deutschland sucht den Superstar“: Werden die Zuschauer heute wohl von einem Ausnahmetalent überrascht? Neugierig ist TV-Deutschland offenbar auf alle Fälle: Rund acht Millionen Zuschauer sahen das Casting mit den Juroren Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo am vergangenen Samstag auf RTL.

Sascha Deutz wirkt wie ein kleiner Knuddelbär, wenn er undeutlich in die Kamera nuschelt. Acht Stunden übt der 16-Jährige angeblich täglich vor dem Spiegel, nimmt Gesangsunterricht extra für DSDS. Vergebens: Zu „Twist and Shout“ verrenkt er sich so schauerlich, dass Patrick Nuo und Dieter Bohlen gar von Geburtsvorbereitung und Presswehen sprechen. Da helfen auch die Haltungstipps von Nuo nicht – Bohlen empfiehlt dem 16-Jährigen, seinem Vocal-Coach eins „auf die Fresse“ zu geben – und tschüss. Wie reizend.

Anders ergeht es Mike Müller, dem singenden Straßenkehrer aus Köln. Der sympathische 24-Jährige denkt zwar schon, dass er eine Chance aufs Weiterkommen hat, aber er protzt nicht mit seinen Sangeskünsten. Der Jury gefällt das Auftreten und auch die stimmliche Darbietung eines Backstreet-Boys-Songs. Und Bohlen bekennt, dass er Vorurteile hatte: „Ich dachte, da kommt Müll raus.“ Weit gefehlt, Herr Bohlen. Dreimal ja – ach, sind die Juroren sich in dieser Staffel immer einig… auch bei der 16-jährigen Tatjana Peters, die sich mit „Hurt“ einen sauschweren Titel rausgesucht hat – und damit sang- und klanglos untergeht. Da ist Piepsen statt Stimmgewalt angesagt. Kommentar Dieter Bohlen: „Eine Intensität wie so Flohrülpsen.“ Naja, dreimal Nein ist wohl wirklich das einzige, was hier passt.

Da hat der 18-jährige Anton Zeller schon bessere Karten. Ein netter Kerl, der, wie Marco Angelini am vergangenen Samstag, seine eigene Gitarre mitbringt. Das scheint bei den Castings in Mode zu kommen – und führt offenbar zwangsweise zum Weiterkommen. Fernanda Brandao darf sich selbst von der Körperkraft des durchtrainierten Sängers überzeugen und reitet flugs für zehn Liegestützen auf dessen Rücken – wie soll der Junge da noch singen können? Und was, bitte, hat diese Fremdschäm-Nummer noch mit der Suche nach einem Gesangsstar zu tun? Es heißt ja schließlich nicht „Deutschland sucht den Porno-Star“… Trotz der Brachialattacke auf das körperliche Wohlergehen präsentiert Anton „Wonderwall“ von Oasis – ein bisschen gequäkt, ein bisschen gehaucht und mit Individualität. Deutschland, einig Jurorenland – dreimal Ja ist die Folge.

Wo in früheren Staffeln noch wenigstens etwas Zündstoff in der Jury vorhanden war, wo diskutiert wurde und manch ein Kandidat wackelte, kommt 2011 etwas Langeweile auf: Entweder sie sind alle dafür oder alle dagegen. Schwarz oder weiß – die feinen Nuancen, die Grenzfälle fehlen. Vielleicht, weil auch noch kein wirklicher „Star“, keine „Perle“ unter den Kandidaten bislang aufgetaucht ist? Da muss man nehmen, was man kriegen kann… aber vom „Aha-Effekt“, den man in der Vergangenheit manchmal verspürte, bislang keine Spur…

Vielleicht kann’s ja der nächste Kandidat richten. Heiko Faller ist ein Justin-Bieber-Verschnitt, kommt mit Mama, Papa, Stiefpapa und – jawohl, genau – einer Gitarre im Schlepptau zum Casting gereist. Gutes Omen, wie wir schon wissen. „Ich habe keine Vorbilder“, sagt der 16-Jährige selbstbewusst – und singt „Baby“ von Justin Bieber. Bohlen grinst versonnen vor sich hin und wedelt schon mit dem Recall-Zettel, auch der Rest der Jury lauscht verzückt der hellen, klaren Stimme des Sunnyboys. Die Rolle des Mädchenschwarms für die knapp vor der Pubertät stehende Gruppe der zehn- bis 14-jährigen „Zahnspangenfraktion“ scheint gefunden.

Hochmut kommt vor dem Fall: Dirk hält sich für sportlich und musikalisch. Das mit dem Sport kauft ihm Bohlen nicht so recht ab – mehr Pudding als Muskeln scheint der 20-Jährige zu haben. Und bei „Durch den Monsun“ packt den Dieter der Bewegungsdrang – er springt auf und öffnet zur Textzeile „Das Fenster öffnet sich nicht“ eben selbiges. Am liebsten würde er den talentfreien Kandidaten auf das vorbeifahrende Containerschiff packen…

Das Schlimmste jedoch folgt zum Schluss: DSDS-Dauerbrenner Cosimo, der sich auch der „Checker vom Neckar“ nennt und immer noch nicht gecheckt hat, dass ihn keiner hören will, rauscht mitsamt seiner „Atzenbande“ ins Studio. „Arbeitslos“ sei auch ein Beruf, beteuert er, „alles, was Geld bringt, ist Beruf.“ Soso… Der mitgebrachte eigene „Song“ heißt „Ketchup-Mayo-Sandwich“ und hört sich noch viel schlimmer an, als der Titel vermuten lässt. Als einer der „Atzen“ der Textzeile „Komm schon, Baby, zieh dich aus“ Taten folgen lässt, geht Fernanda in Deckung. Die wird sie auch noch brauchen, denn nach dem kollektiven – und hochverdienten – Nein der Jury inszeniert der Freund und Friseur ihres Ex-Lovers Bushido ein kleines, RTL-gerechtes Skandälchen. Wie kann Fernanda sich auch getrauen, ihn, Cosimo, als Mischung aus Menderes und dem Wendler zu bezeichnen? Er packt schmutzige Details unter der Gürtellinie aus, die ihm Bushido angeblich so mitgeteilt habe, und somit dürfte nun zumindest jedes weibliche Wesen, das bis dato tatsächlich noch Sympathie für den „Checker“ gehegt hat, eines Besseren belehrt worden sein. Bohlen hält Cosimo gar für geisteskrank und wendet sich demonstrativ ab; Fernanda findet sein Geschwätz armselig, feindselig und frauenfeindlich. Ach ja, niveaulos auch noch. Genau wie die heutige Casting-Folge von DSDS im Allgemeinen war. Aber vielleicht finden wir ja nächsten Samstag endlich einen Star…

11 Kommentar

  1. Cat Du hast wieder mal den Nagel auf den Kopf getroffen! Super! Noch niveauloser geht nicht mehr.

  2. Die Kandidaten, die es diesmal in den Recall schaffen, wären vor einigen Jahren noch nicht mal in den Castingfolgen gezeigt – geschweige denn, weitergewunken worden. Alles bestenfalls Durchschnitt. Und Bohlen und seine beiden Randfiguren sind langweiliger denn je. Hübsche Beigaben ohne Meinung. Ich habe nicht viel Hoffnung auf schöne Mottoshows.

  3. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung, dass mit DSDS 2011 dann endlich Schluss mit dem Sch…. ist!

  4. Da kommt neben ätzender Langeweile und peinlichem Empfinden die Frage auf: Weshalb eigentlich mutet man dem Fernseh-Publikum so etwas zu?

    Ich frage mich selbst des öfteren, warum ich mir DSDS ansehe. Die Antwort lautet ganz einfach: Um immer wieder Bestätigung und Gewißheit zu erhalten, daß mit dem Sieg Thomas Godoj in 2008 der ursprüngliche Sinn und Zweck von DSDS sein wirkliches Ende gefunden hat.

    Und in dem Wissen, daß nichts wirklich Gutes mehr nachkommt, produzieren die Macher eine Sendung voller Peinlichkeiten, die in ein- und dieselbe Kategorie gehört wie die nachmittäglichen Schlammschlachten, „Teenager außer Kontrolle“, „Das Erziehungscamp“, „Die Schulermittler“, „Familien im Brennpunkt“ und all der Schrott, mit dem man uns zumüllt (die Liste ist beliebig erweiterbar – und im Internet zusammengeklaubt ;-)).

    Es ist wohl doch immer noch so, daß die Nachfrage das Angebot und vor allem die „Qualität“ regelt ;-).

  5. Danke Cat …. das war wieder treffend geschrieben!
    Ich möchte mal noch anmerken, dass in dieser 1-stündigen Sendung gerade mal 7 – in Worten SIEBEN!- Kandidaten vorgestellt wurden … von vorsingen kann man ja nicht bei allen sprechen. 😉 Wenn jedem nur ca. 2 Minuten zur Verfügung stehen, dann ist das gerade mal ein Viertelstündchen. Die restliche Dreiviertelstunde Drumherum ist einfach nur noch nervend!
    Gut, man könnte die ganze Farce umgehen und ausschalten – aber in Gesellschaft lästern macht einfach auch Spaß! *lach*

  6. Danke Cat – wie immer toll geschrieben!
    Ich habe mir die Castings früher sehr gerne angeschaut und mich immer köstlich über die total Talentlosen amüsiert, aber jetzt bringt mich der Mist nicht mehr zum Lachen, sondern nur noch zum „Fremdschämen“ – lustig finde ich das nicht mehr! Ich glaube ja, dass die ganz krassen Fälle von RTL nicht nur gewünscht, sondern sogar „inszeniert“ werden. Sofern solche Leute wie Cosimo oder Menderez nicht freiwillig kommen, werden sie bestimmt von RTL angerufen. Und so wie früher die „Assis“ ein paar Mark bekommen haben, damit sie sich in den Daily Talks zum Affen machen, so bekommt jetzt bestimmt der/die eine oder andere Casting-Teilnehmer/in ein paar Euro, damit er/sie nach einer verbalen Hinrichtung Dinge wie „Der Bohlen hat doch keine Ahnung – ich weiß, dass ich gut singen kann“ in die Kamera sagt. Ich kann einfach nicht glauben, dass so viele extrem talentfreie Kandidaten so sehr von sich selbst überzeugt sind, dass sie selbst durch ein vernichtendes Jury-Urteil nicht einmal ansatzweise verunsichert werden. Wie z.B. diese Hochglanz-Kosmetikerin – so extreme Fehlselbsteinschätzung gibts doch gar nicht…

  7. Huhu, Rotgelockte… *indiedioxineierverseuchtegegendrüberwink*

    Das bestätigt ja meine Annahme, daß es kaum noch jemanden gibt, der
    1. entweder etwas kann oder
    2. sich freiwillig da hineinbegibt.

  8. Ich geb den Vorrednerinnen voll Recht und schaue deshalb keine dieser peinlich-nervenden Fremdschämcastings mehr!
    Deine unterhaltsamen Zusammenfassungen hier reichen mir (und bestärken meine Nichtguckentscheidung)! Frühstens zum Recall schalt ich mal wieder rein, in der Hoffnung, dass ich dann einige schön interpretierte Titel zu hören bekomme… – keep hoping…

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