DSDS 2010: So lief die zweite Mottoshow

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Die Kandidaten der zweiten Mottoshow und ihre Lieder:

Thomas Karaoglan – Looking for Freedom

Ines Redjeb – What a Feeling

Marcel Pluschke – Life is life

Menowin Fröhlich – We are the world

Manuel Hoffmann – Winds of Change

Mehrzad Marashi – One

Helmut Orosz – It’s my life

Kim Debkowski – Fame

Nelson Sangaré – What a wonderful world

Was für ein Abend! Der Kreis der Kandidaten wird kleiner, die Anzahl der Geschichten und Skandälchen nimmt zu. Ganz DSDS-like – „same procedure as every year“. Mottoshow Nummer zwei stand unter dem Titel „Die größten Pophymnen aller Zeiten“, hätte aber auch heißen können: „Die größte Kuppelshow aller (DSDS-) Zeiten. Außerdem tauchten zwei Kinder aus dem Nichts auf, und die Fanlager beginnen sich zu manifestieren. Doch der Reihe nach…

Urlaub für Marco Schreyl! Um 20.15 Uhr beginnt die Show, schon um 20.17 Uhr keimt dieser fromme Wunsch in den Gedanken vieler DSDS-Gucker. Die Worthülsen, die der Fernsehmoderator mit Nervfaktor eins im Sekundentakt abfeuert, lassen einem keine andere Wahl. Beispiel gefällig? „Der Mann, dessen Name schon eine Hymne ist“ (Schreyl über Bohlen). Selbiger lässt sich vom Publikum feiern, als wäre er selbst der wahre Superstar – stimmt ja auch, denn für die Zuschauer ist er das. Naja, solange er nicht singt…

Am Anfang dürfen alle Kandidaten „The final Countdown“ singen; der eine mit mehr, der andere mit weniger Talent.  Marcel Pluschke, das gefühlte „DSDS-Baby“ mit Kuschelfaktor, tritt in Latzhose auf und wirkt wie der Jüngling von der Farm im mittleren Westen der USA, dem sog. „Bible Belt“ – frisch von der Stallarbeit auf die DSDS-Bühne quasi. Und Kim Debkowski trägt heute Zylinder.

Als erster darf der kecke Thomas Karaoglan solo singen. Er hat sich „Looking for Freedom“ rausgepickt  und definiert den Begriff „Hymne“ mit „Sachen, die im Kopf bleiben“. Der kleine Frechdachs kommt im Kettcar auf die Bühne geradelt, trägt einen weißen Anzug und stilechte Checker-Ketten.  Ich muss sagen, dass mir der Kleine erstaunlich gut gefallen hat. Er ist sicher nicht der beste Sänger, hat die Sache aber souverän gemeistert und die Show mit einer unglaublichen Selbstsicherheit, der typischen „Ich-bin-16-mir-gehört-die-Welt“-Mentalität und rotzfrechem Charme geleistet. Und liegt damit voll auf der Wellenlänge der Show, die ja auch mehr auf Schein als auf Sein abzielt. Die Jury ist auch ganz begeistert.

Auch Kim Debkowski kriegt von Volker Neumüller und Nina Eichinger gute Noten. Im Gegensatz zu Dieter Bohlen, der ihr eine Stimme bescheinigt „wie Margot Kässmann, die besoffen in der Gegend rumgefahren ist“.  Ich selbst finde ihre Stimme sehr gut, allerdings hat sie sich mit „Fame“ nicht sehr gut verkauft. Viele schiefe Töne, verspanntes Auftreten und – sorry, Kim – ein grässliches Outfit. Kopf und Hut sind hübsch, aber unterhalb der Taille leicht daneben… Aber das Mädchen hat eine tolle Stimme, und ich hoffe, sie arbeitet das noch besser heraus in Zukunft. Wäre schade drum.

Mehrzad Marashi singt eine meiner Lieblingsballaden, „One“ von U2. Da krieg ich doch etwas Magendrücken, denn Bono ist nun eben mal Bono. Aber Mehrzad macht das schon. Er macht das sehr gefühlvoll und auf seine ganz eigene Art. U2 kann er aber aus meiner Sicht nicht toppen. Was mir an ihm besonders gefällt, ist seine Mimik während des Auftritts. Dieter Bohlen empfiehlt ihm, sich noch mehr in die Nummern reinzuknieen, Nina hört ihm einfach gerne zu und Volker fand es toll, empfiehlt Mehrzad aber trotzdem, sich nicht zu sicher zu sein.

Derweil reißt Schreyl munter weiter seine Sprüche. „Willkommen auf dem Planet Bohlen“, verkündet er, und „Ich habe den schwarzen Gürtel im Moderieren“. Ja, sowas hatte ich schon befürchtet. Manuel Hoffmann hingegen nützt Selbstverteidigung nichts, denn jetzt hat ihn seine Oma am Wickel. Sie gibt dem Jungen Bewegungs-Coaching, zeigt ihm, wie er aufs Publikum zugehen muss. „Ich habe mich gesteigert“, verteidigt sich Manuel halbherzig, doch Oma kennt kein Erbarmen. Die toughe Frau macht gleich noch eine Styling-Kontrolle hintendrein. Dermaßen gecoached singt Manuel „Winds of change“, mitsamt Gitarrensolo von Uwe aus der DSDS-Band, bestens bekannt aus Staffel 5, als er Thomas Godoj bei „Easy“ unterstützte. Manuels Englisch klingt um einiges besser als im Original von den Scorpions, aber ihm fehlt immer noch das gewisse Etwas. Wie auch Volker bemerkt: Der Aha-Effekt muss noch kommen. Nina findet vor allem Manuels Oma klasse, und Dieter würde sie gar gleich gerne einstellen. Er lobt aber auch Manuel – nicht, dass wir den vor lauter Oma noch vergessen.

Ines Redjeb hat sich „What a feeling“ von Irene Cara vorgenommen. Zuerst in einen unförmigen Schweißeranzug gekleidet (wie Jennifer Beal in „Flashdance“), reißt sie sich den bald vom Leib und steht im Minikleid da. Sie versemmelt leider etliche Töne; da hilft leider auch noch so gutes Aussehen nichts. Ihre Performance wirkt auf mich leider trotz aller Anstrengung irgendwie etwas altbacken, bei aller Sympathie, die die junge Mutter ausstrahlt. Symbolisch für ihren Auftritt sind die Aussagen der Jury: Nina lobt nur das Bühnenbild und gibt nur widerwillig die etwas lahme Aussage: „Gesanglich musst Du ne Schippe drauflegen.“ Volker setzt Ines‘  Gesang mit der Latzhose, nicht mit dem Minikleid gleich. Und Bohlens Aussage ersparen wir uns lieber.

Aber es geht noch schlimmer. Der „nette Junge von nebenan“, Marcel Pluschke, soll endlich wachgeküsst werden. Eine geeignete Kandidatin gibt es auch schon, und RTL kuppelt ein bisschen, um den Mann an die Frau zu bringen. Saskia heißt Marcels größter Fan, und nachdem sie in der letzten Mottoshow Plüschis Mütze fing, traute er sich doch glatt, sie anzusprechen.  „Ich küsse ihn gerne“, macht sie klar. Nicht ganz klar gemacht hat sich Marcel wohl, was bei einem Auftritt alles passieren kann. Er stolpert über einen Scheinwerfer und hat zwei Textaussetzer ganz am Anfang. Ich bin da ehrlich gesagt gar nicht böse drüber, denn so richtig zuhören mag ich ihm auch nicht, wenn er singt. Aber eins muss man ihm lassen: Er hat das gut im Griff, macht einfach weiter, fängt sich wieder. Dafür zolle ich ihm Respekt; manch einer hätte da komplett den Faden verloren. Angesichts seiner gesanglichen Leistungen könnte Volker aber ziemlich rabiat werden: „Ich esse auch gerne Kaninchen, aber keiner will’s schlachten.“ Übersetzt heißt das: Soll ihm doch ein anderer den Gnadenstoß versetzen… Nina drückt das netter aus: „Mei, das passiert halt mal.“ Auch Dieter tröstet eher als er schimpft und bekommt ein T-Shirt mit dem Zwieback-Jungen-Gesicht geschenkt (Hintergrund: siehe erste Mottoshow). Dann nimmt Plüschi mit Marco Schreyls Hilfe einen Anlauf und lädt seine Saskia zum Essen ein. Die nimmt freudig an; sie freut sich bestimmt über ein Privatständchen.

Nelson Sangaré wagt sich an einen Louis-Armstrong-Klassiker, „What a wonderful world“. Ich liebe diesen Song. Allerdings hatte Armstrong eine einzigartige Weise, rau und sanft zu verbinden und dem Stück Seele einzuhauchen, was Nelson nicht ganz so gut gelingt. Trotzdem ist es für mich einer der besseren Auftritte heute Abend. Auch wenn die Jury das nicht so sieht. „Diese alten Schinken sind nichts für Dich“, spricht Bohlen das Machtwort.  Alle drei wollen Nelson aber auf jeden Fall wiedersehen.

Favorit Menowin Fröhlich interpretiert „We are the World“. Ein Schmachtfetzen, dem ich nicht so viel abgewinnen kann. Aber der Mann mit der bewegten Vergangenheit schafft es wieder einmal, dem Ding seinen ganz persönlichen Stempel draufzudrücken. Auch wenn er mir in der letzten Show besser gefallen hat – Hut ab! So sieht ein echtes Talent aus. Menowin erhält tosenden Beifall. Innerhalb einer Woche ist er übrigens vom ein- zum dreifachen Vater mutiert! Seine Ex-Freundin hat neben dem dreijährigen Sohn Joel noch zwei jüngere Töchter von dem DSDS-Kandidaten. In dieser Beziehung war Menowin also ebenfalls sehr fleißig… „Ich freu mich wirklich, dass Du in der Staffel bist“, lobt Dieter Bohlen nach dem Auftritt, und Nina hat dem nichts hinzuzufügen. Für Volker hat Menowin den letzten Auftritt noch getoppt.

Zum Abschluss darf heute Helmut Orosz mit dem Rock-Kracher „It’s my Life“ ran. Die lauten Nummern liegen ihm definitiv besser als die Balladen. Allerdings ist auch das lästige Dauergrinsen wiedergekehrt – sieht aus, als hätte ihm jemand die Mundwinkel nach oben getackert. Nachdem ihm beim letzten Auftritt zu wenig Gefühl in den Songs attestiert wurde, muss jetzt auch bei ihm eine Freundin her, damit sich das ändert. Via Internet ging der Strahlemann auf die Suche nach der passenden Frau, und es meldeten sich zahlreiche Kandidatinnen. Jessica heißt die Auserwählte, die Schreyl mal wieder gekonnt in Verlegenheit bringt.  Auch wenn sich Helmut irgendwie an manchen Stellen verschnupft anhört, kriegt er gute Kritiken.

Dann ist wieder quälendes Warten angesagt, denn die Entscheidung naht. Wer wird den Sprung in Mottoshow Nummer drei schaffen, wer fliegt raus? Kurz vor Mitternacht steht fest: Marcel Pluschke hat es nicht geschafft. Als erster ist es Mehrzad Marashi, der ihn tröstet, dann nimmt Nelson Sangaré den 9. dieser Staffel in den Arm – vor allem die Jungs sind ein eingeschworenes Team. Marcel nimmt sein Ausscheiden mit Fassung: „Ich danke allen Fans da draußen…“ Jetzt hat er wieder etwas mehr Zeit – vielleicht für eine Freundin? Die schwarzhaarige Saskia zum Beispiel…

Die Sprüche des Abends:

„Thomas macht mehr Wind als ein Trockner auf dem Herrenklo“ – „Der arbeitet wie die letzte Hafendirne von morgens bis abends“ (Dieter Bohlen über Thomas)

„Wenn’s nicht gut geht, schick ich den einfach raus“ (Thomas über das Zusammenleben mit Helmut)

„Ich bin noch ein Küken“ (Kim Debkowski)

„Manchmal ist es besser, jemanden zu kritisieren, als ihm Honig in den Arsch zu blasen“ (Dieter Bohlen)

„Das Gefühl, mit dem Du singst, ist wirklich eine Klasse für sich“ (Volker über Mehrzad)

„Keine Sternstunde“ (Volker über Ines)

„Wenn man verliebt ist, ist man noch nervöser“ (Nina über Marcel)

„Halt doch mal die Fresse, Mensch“ (Dieter ins Publikum)

„Du bist wieder im Rennen“ (Dieter über Helmut)

„Du bist so ein Typ, der kauft sich einen Ferrari und fährt immer Vollgas damit“ (Volker über Helmut)

5 Kommentar

  1. Von 9 Kandidaten nur zwei Frauen? Schwer zu verstehen. Das macht die Sendung ziemlich langweilig.

  2. Der Schreyl ist echt zum Gruseln… OOOberpeinlich!!
    Aber Cat hat ihre Arbeit wieder top gemacht!!

  3. Ich finde es gut, dass Marcel raus gewählt worden ist. Er hätte erst gar nicht so weit kommen dürfen. Nicht nur, dass er nicht singen kann, er kann kaum ein englisches Wort vernünftig aussprechen. Als nächste wird bestimmt Ines die Show verlassen müssen, wenn das Publikum weiterhin so gut abstimmt wie bisher.

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