Die Suche nach dem Sinn: Daniel Schmidt im Interview mit Musiktipps24

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Die Musikwelt Deutschlands ist seit einigen Monaten um eine Band reicher: "Highersense" aus Köln haben ihren ganz eigenen Stil, der sich zwischen Elektronik, Rock und Pop bewegt und durch oftmals melancholisch-romantische Texte besticht. Kreativer Kopf von "Highersense" ist Daniel Schmidt, der für die Grundarrangements, Lyrics und den Gesang verantwortlich zeichnet. Mit an Bord sind Drummer Torsten Bugiel, Bassist Sebastian Naas und Markus Schröder an den Keys. Nun fehlt der Band nur noch ein guter Gitarrist, um das Team zu komplettieren. Musiktipps24 hat sich mit Daniel Schmidt unterhalten.

Ihr seid eine relativ neue Band. Wer zeichnet für die Texte und Instrumentierungen bei Euch verantwortlich?

Für die Texte bin ich selbst verantwortlich. Für die Instrumentierungen mache ich im Prinzip einen Vorentwurf, der anschließend zusammen mit der Band nochmal durchgegangen wird. Jeder hat hier seinen eigenen Part.

Aber die Melodie gibst im Groben auch Du vor…

Genau. Die Melodie kommt von mir – also der Gesang, die Akkordgrundlagen und das Arrangement.

Macht Ihr die Bandarbeit zusammen im Studio?

Da stecken wir sozusagen noch in den Kinderschuhen, weil wir uns ja erst vor kurzem in dieser Form zusammengefunden haben. Natürlich arbeiten wir daran, künftig alles gemeinsam im Studio zu machen, aber bislang war es auch oft so, dass wir uns die Sachen gegenseitig zugeschickt haben. Wir haben quasi „Ping Pong“ mit den Songs und Arrangements gespielt. Eine Ausnahme ist aber jetzt schon die Gitarre: Für dieses Instrument habe ich mehr Grundidee, und mir ist auch mein Einfluss darauf sehr wichtig!

Liegt Dir das Teamwork in der Band, oder entscheidest Du lieber allein?

Zugegeben: Ich hab schon einen Sturkopf und versuche mich durchzusetzen. Das liegt sicher auch daran, dass ich für das Grund-Arrangement verantwortlich bin. Aber es ist großartig, eine mehrköpfige Band um sich zu haben – ich bin sehr froh, wie sich das jetzt entwickelt hat. Gerade im Zusammenwirken von verschiedenen Leuten entwickeln sich erst viele kreative Ideen!

 

Daniel Schmidt ist also in mancher Beziehung auch ein Sturkopf?

Jaaa… aber nur ganz wenig! Ich weiß aber nicht, was die anderen dazu sagen würden… (lacht)

Wieviel Persönliches, wie viele Lebenserfahrungen von Daniel Schmidt steckt denn in einem HS-Song?

Zu 70 bis 80 Prozent sind das wirklich eigene Erfahrungen. Ich lasse mich aber auch von anderen Dingen inspirieren, die meinen Alltag bewegen – Filme zum Beispiel. Das war bei „Stood“ so. Das ist ein Song, der bisher noch nicht veröffentlicht wurde, aber er kommt noch – lasst Euch überraschen!

 

Hast Du unter Deinen eigenen Songs einen Lieblingssong?

Mein Favorit von der momentan erschienenen 5-Track-Promo-CD ist eindeutig „moonlight“. Das ist ein sehr persönlicher Song. Auch unter den bislang unveröffentlichten Songs gibt es einige starke Favoriten von mir.

Liegt das daran, das „moonlight“ doch relativ elektronisch arrangiert ist?

Es liegt mehr an der Empfindung, die ich dabei umsetze. Darüber hinaus habe ich zugegebenermaßen eine Vorliebe für elektronische Musik. Daher bin ich natürlich besonders froh, dass der Song mehr in diese Richtung geht.

Aber trotzdem geht die Musik mehr hin zu realen Instrumenten – ist das der Weg, den Du gehen willst?

Ich habe immer viel elektronische Musik gehört und auch dadurch viel Erfahrung damit. Was mir aber doch oft gefehlt hat, war ein reales Schlagzeug. Das war dann die Grundidee: Elektronik mit einem echten Schlagzeug zu verbinden, und dann hat sich das weiterentwickelt.

D.h., Du möchtest die elektronische Musik optimieren?

Ich würde ganz gerne einfach viel ausprobieren. Ich bin immer zu Experimenten bereit, will mich nicht festfahren auf eine Sache und nicht nur sagen: „Nein das geht nicht, das macht man nicht.“ Das ist mir zu engstirnig.

Was hörst Du denn privat gerne, und was hat Dich beeinflusst in Deinem Schaffen?

Die größten musikalischen Einflüsse in meinem Leben? Zum einen Depeche Mode – ich denke, das hört man auch -, dann sicherlich auch Recoil. Das ist ein Projekt von Alan Wilder. Unglaublich krass. Er ist halt ein Soundmensch, das finde ich einfach sehr beeindruckend. Der macht sehr gute Sachen. Außerdem Peter Gabriel auf jeden Fall und Tori Amos.

Mit 32 Jahren bist Du ja kein „Youngster“ mehr. Ist HS Deine erste Band, oder hast Du früher schon Musik gemacht?

Ich muss zugeben: HS ist meine erste Band. Ich bin ein bisschen später eingestiegen in das ganze Geschäft. Aber ich hab mich mal als Tontechniker versucht und auch auf dem Sektor gearbeitet. Daher kenne ich auch Torsten. Später habe ich dann angefangen, selber Songs zu schreiben, und daraus hat sich dann HS entwickelt. Ein Glücksgriff, und das gleich beim ersten Versuch. (lacht)

Euer Name, „Highersense“ – wofür steht er?

Grob gesagt: Für die Sinnhaftigkeit im Leben, diese Suche, die jeden beschäftigt. Jeder versucht, seinen Platz im Leben zu finden, und ich denke, das drückt es im Endeffekt aus. Highersense entwickelt sich noch; das ist ein dynamischer, lebendiger Schaffensprozess, der sowohl persönliche als auch allgemeine Themen behandelt. Ich denke, das umschreibt „Highersense“ eigentlich ganz gut: Die Suche nach dem Sinn im Leben.

Eure erste EP habt Ihr veröffentlicht. Was ist jetzt Euer Ziel?

Jetzt steht erstmal das Live-Programm an. Daran arbeiten wir momentan sehr intensiv, um die Möglichkeit zu haben, auf der Bühne aufzutreten und die Musik quasi auch zu den Leuten zu bringen. Das hoffen wir noch bis Ende des Jahres zustande zu bekommen. Was dann danach kommt? Klar, da kann man jetzt träumen… erstmal schauen, wie das alles läuft. Ein richtiges Album, das wäre schon ziemlich cool.

Habt Ihr Euch eigentlich bewusst gegen ein Major-Label entschieden?

Diesbezüglich sind wir noch relativ offen; da gab es keine bewusste Entscheidung dafür oder dagegen. Im Moment gehen wir noch nicht aktiv auf die großen Plattenfirmen zu; erst müssen wir noch mehr an uns arbeiten, live viel mehr spielen. Mal gucken, was da noch kommt oder nicht kommt.

Was würdest Du als Deine größte Stärke sehen?

Auf die Musik bezogen sehe ich meine Stärke darin, die richtigen Harmonien zu erspüren, obwohl ich keine wirkliche Musikausbildung habe. Im persönlichen Bereich… uuuh… das ist schwer. Ich glaube, Selbstreflexion.

D.h. Du kannst auch Kritik annehmen und umsetzen?

Das halte ich für enorm wichtig: Dass man sich selbst gegenüber Kritik äußert. Man muss einfach erkennen, dass da mehrere Möglichkeiten sind.

Und wo liegt Deine größte Schwäche?

Hmmm… Ich kann schon relativ stur und uneinsichtig sein. Daran muss ich noch arbeiten. (lacht)

Wenn Du keine Musik mehr machen könntest – welche Beruf wäre Deine nächste Wahl?

Das ist schwierig. Ich fühle mich eigentlich persönlich in der Musik sehr, sehr wohl. Wohler, als ich mich sonst irgendwo gefühlt habe. Deshalb will ich das auch durchziehen. Klar, ich bin mir bewusst, dass in der Musik nicht einfach wird, etwas zu erreichen, aber ich setze da alles auf eine Karte, auf jeden Fall.

Welches Tier würde Dich am besten charakterisieren?

Ein Phönix. Ich mag dieses symbolische Wiederauferstehen aus Vergangenem. Das ist auch die Lebenserfahrung, die sich hier und da in Songs widerspiegelt: Selbst am tiefsten Punkt kann man gestärkt wieder draus hervorgehen. Das ist sehr, sehr wichtig: Man kann auch aus schlimmen Sachen sehr große Stärken ziehen!

Mehr Infos zu Highersense, Hörproben und die CD gibt es unter:

www.highersense.de

http://onlineshop.highersense.de


0 Kommentar

  1. Mir gefällt die Musik auch sehr gut – mal was Anderes im positiven Sinn! Ich mag‘ ganz besonders one/bound und 14.

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