Die Söhne Mannheims und Xavier Naidoo im Interview – Teil III

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Xaviers Set hat sich so langsam gesteigert, von ganz ruhig bis sehr soulig. Wie seid ihr denn da drauf gekommen?
Ralf:

"Sagen wir mal so: Xavier, Michael und ich haben uns zusammen überlegt, dass es doch anders sein sollte als bei den Söhnen. Xavier hatte vor, mit jedem Musiker eine Nummer zu machen. Das haben wir probiert, aber das war ziemlich schwierig und deswegen haben wir uns dann entschieden, langsam immer mehr Musiker zu den verschiedenen Nummern dazu zunehmen. Und so ist es dann entstanden."

Xavier: 
"Vom Soundbild und auch vom optischen wäre es wahrscheinlich viel schöner und wirkungsvoller, wenn man bei meinem Set eher gestripped hätte und die Söhne, durch ihr Vielfaches an Menschen, als größere Band und vielleicht einfach auch mit dem druckvolleren Spiel, dann Kontraste setzen. Am Anfang waren mir meine Songs zu opulent, alles eben zu groß und der Kontrast war nicht mehr gegeben. Daran mussten wir dann extrem arbeiten."

Michael:  
"Um nochmals drauf zurückzukommen, es war auch ein Stück weit Grundkonzept bei Xavier, das Ganze ein bisschen mehr aufzumischen. Also aufzubrechen, die ganzen alten Arrangements und Strukturen und das so ein bisschen auf den Kopf zu stellen, alles grundsätzlich mal zu hinterfragen und ganz neu anzugehen. Bei den Söhne-Sachen wollten wir eigentlich alles mehr oder weniger so spielen, wie es schon war und in dem kreativen Wahn, der uns beim Proben gepackt hat, haben wir dann doch relativ viele Sachen umgeschmissen. Glücklicherweise, denn ich glaube, das hat dem ganzen Set ganz gut getan."

Wie hast du denn deine Band für dein Set zusammengesucht?
Xavier:
 
"Das war vieles auf Empfehlung vom Michel. Michel wollte anfangs noch ein Streichorchester oder zumindest eine Orchestrierung anstreben. Es waren viele Sachen sehr schön, die er da gemacht hat, so dass ich dann auch gedacht habe: ‚OK. So wie es kommt, wird es kommen. Mir wäre es lieber, wir würden weniger haben und es auch einfacher gestalten. So kam es dann auch."

Ralf: 
"Wir hatten auf jeden Fall mehrere Versionen von Songs ausgetestet, mit vielen Musikern, mit ganz wenigen Musikern und haben dann auch so ein bisschen ausgewählt."

Wer kam auf die Idee, Cassandra Steen einzuladen?
Xavier:
 
"Das war meine Idee. Wir hatten schon tolle Zeiten in denen wir zusammen geschrieben haben. Und mir war es wichtig, sie bei diesem Unplugged dabei zu haben. "

Eure Stimmen harmonieren wirklich gut zusammen.
Xavier:
 
"Auf jeden Fall, es ist ein absoluter Hochgenuss. Ich singe diese Kopfstimme gerne. Wenn ich im Duett mit Cassandra singe, übernimmt sie diesen Part und ich kann mit meiner tiefen Stimme singen. Dadurch ergänzen wir uns sehr gut."

Wer ist denn auf den genialen Titel „Wettsingen in Schwetzingen" gekommen?
Xavier:

"Der Titel ist mir vor Jahren schon eingefallen. Als Schreiber versucht man Dinge mit Assoziationen oder Metaphern zu versehen. Ich habe mir als Kind oft die Städtenamen unserer Region angesehen, wie zum Beispiel Vogelstang, Käfertal, Worms. Schwetzingen war auch dabei und ich habe mir gedacht: ‚Was wird da ein Norddeutscher verstehen, der an Schwetzingen vorbeiläuft? Assoziiert er das mit ’schwätzen‘ und ‚reden‘? Wo kommt ‚Schwetzingen‘ überhaupt her, was soll das überhaupt heißen?‘ In diesem Zusammenhang ist – bevor es die Idee mit dem Unplugged überhaupt gegeben hat – ‚Schwetzingen‘ mit ‚Wettsingen‘ für mich verbunden. So dass ich dann gedacht habe: ‚Eigentlich müsste man dem Bürgermeister von Schwetzingen so etwas vorschlagen, dass sie so einen Sängerwettstreit austragen könnten, das wäre doch toll‘ – solche Ideen hatte ich. Dass wir dann selber irgendwann den Anlass dafür bekommen, dieses ‚Wettsingen‘ zu benutzen, das hätte ich natürlich nie vermutet. Aber nun wurde dieses ‚Wettsingen in Schwetzingen‘ wahr."

Bei einem Wettsingen gibt es ja logischerweise Sieger und Verlierer. Wer hat gewonnen?
Xavier:
 
"Wie ich der Berichterstattung entnommen habe, wurde ein Unentschieden herausgespielt [lacht, Band auch]. So war auch meine Einschätzung. Mein Ansatz war natürlich, hatte ich auch allen in der Band gesagt, alle Schwächen der Söhne auszunutzen und als Sieger hervorzugehen [lacht, Band auch]"

Ein Remis also…
Xavier:

"Beide Bands bringen ihre absoluten Stärken und Schwächen mit ein – und sollen das auch. Für mich war es schön, dieses Unplugged zu eröffnen. Sozusagen der Opener für die Söhne zu sein. Ich habe mich da gern als Supportact gesehen, weil ich wusste, dass wenn alles gut läuft, dann wird es ein richtiges Feuerwerk. Aber deswegen wollte ich auch den Kontrast, damit das was die Söhne machen, noch mehr zur Geltung kommt. Die Stärke bei den Söhnen ist, dass wir stimmlich miteinander harmonieren."

Wer hat die tolle Location, das Rokkoko-Theater im Schloss Schwetzingen entdeckt?
Xavier:
 
"Ich war dort bei einer Verleihung vom Land Baden-Württemberg. Daran habe ich mich erinnert, als es um die Locationsuche ging. Es sollte schon etwas in der Umgebung von Mannheim sein. "

Vom Mannheimer (und Schwetzinger) Standpunkt aus, ist Schwetzingen also nicht Mannheim. Das bringt uns zu der Frage, wie wird man ein Sohn Mannheims?
Henning: 
"Bevor die offizielle Definition kommt, kann ich ja vielleicht etwas dazu sagen. Es war nicht so, dass es von Anfang an nur ein ‚Einstellungsmerkmal‘ gab, dass man unbedingt in Mannheim geboren sein musste. Ich glaub, es gibt einige, die nicht direkt in Mannheim oder gebürtige Mannheimer sind. Ich glaube, es geht viel mehr – auch für mich persönlich – um eine Grundphilosophie, was die Söhne Mannheims für mich von Anfang an ausgemacht haben: Am eigenen Ort, wo man herkommt, seiner Heimat eben Dinge zu verändern. Das geht zunächst mal irgendwie vom Herzen aus und wird dann häufig immer mehr wachsen. Man versucht dann eben, Mitstreiter zu finden. Und die gibt es offensichtlich nicht nur in Mannheim. Anstatt überall kleine Zellen zu formen, die vielleicht in ihrer Einzelheit nicht so stark sind, macht das durchaus Sinn, mal einen Münsteraner nach Mannheim zu holen, um hier die Söhne zu verstärken."

Xavier:  
"Und wie wir verstärkt wurden, das muss man auch sagen. Henning ist wirklich eine Glanzbesetzung. Da kommt es zum Tragen, dass man nicht aus Mannheim sein muss, um bei den Söhnen dabei zu sein. "

Wie kommt das denn nun, Henning, dass du von H-Blockx zu den Söhnen gewechselt hast, ist ja ein großer Schritt?
Henning:

"Also die zweite Band war vor fünf Jahren der Anlass, warum ich das Angebot nicht sofort wahrnehmen konnte, aktiver Teil der Söhne Mannheims zu werden. Ich habe das erst für einen Scherz gehalten, ehrlich gesagt und habe nach den versteckten Kameras gesucht [grinst]. Da war es tatsächlich so, dass wir mit den H-Blockx noch Pläne hatten, die die Zukunft betrafen. Für mich war der Weg noch nicht abgeschlossen. Es ist jetzt so, dass wir ein letztes Album gemacht haben, was für mich wichtig war, um die Geschichte zu Ende zu erzählen. Es ist nicht so, dass ich die Band gezwungenermaßen auflösen möchte oder muss, aber es ist schon so, dass ich erstmal Abstand brauche und nicht weiß, ob und wenn ja, wann wir noch mal was zusammen machen. Insofern war 2008 jetzt ein perfekter Übergang, in dem sich die beiden Sachen sehr gut miteinander vereinbaren ließen, weil wir mit den H-Blockx auch noch einige Festivals gespielt haben. Das ist jetzt aber abgeschlossen. So bin ich nun nicht nur physisch sondern auch geistig frei für neue Aufgaben."

Bisher waren ja – in der öffentlichen Wahrnehmung – Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims ganz strikt getrennt. Wie kommt es denn, dass ihr nun öffentlich weiter zusammengewachsen seid?
Xavier:
 
"Das ist ein gutes Stichwort ‚Zusammenwachsen‘. Also den Leuten draußen zu signalisieren: wir heben jetzt mal so ein bisschen diese Trennung auf. Ich bin bereit dazu einen Schritt zurück zumachen, um einfach mal abzuchecken was für Möglichkeiten wir haben. Ich finde, es ist uns mit diesem Unplugged gut gelungen. Es war auch so ein bisschen die Suche nach einem Superlativ. Damit die Überlegung, ob man nicht beide Projekte zeitgleich veröffentlichen kann."

Weiter geht es im nächsten Teil des Interviews –>

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