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Damenwahl bei “Unser Star für Oslo”

Cat 10. März 2010 TV & Radio 1 Kommentar

Die pädagogisch wertvolle Variante der deutschen Castingshow-Landschaft nähert sich ihrem Ende – und zugleich ihrem Höhepunkt. Gestern Abend wurde es gleich zweimal spannend: Von vier Kandidaten mussten gleich zwei ihren Hut nehmen.

Stefan Raab hatte sich dieses Mal Schauspielerin  Barbara Schönberger und Musiker Jan Delay in die Jury geholt. Je weiter die Sendung fortschreitet, desto spannender wird die Auswahl der Kandidaten, denn mittlerweile haben sich natürlich schon regelrechte Fanclubs gebildet. In Runde eins traten Christian Durstewitz mit „I´m Yours”, Kerstin Freking  mit „Hands Clean“ , Lena Meyer-Landrut mit „Mr. Curiosity“ und Jennifer Braun mit  „Heavy Cross“ an, um das votingfreudige Publikum zu überzeugen. Man möge mir verzeihen – ich fand die Auftritte – obschon alle gut gesungen – bis auf letztgenannten etwas lahm. Manchmal muss es eben nicht intellektuell sein, sondern einfach krachen. Das hat Jennifer gut erkannt und ihre Rockröhre prima eingesetzt. Das Publikum hatte danach die Chance, drei der vier Kandidaten in die nächste Runde zu befördern. Leidtragende des Telefonvotings war Kerstin Freking, die ihr Ausscheiden aber mit Fassung trug.

In Runde zwei gaben die verbliebenen Teilnehmer „In Your Hands“ (Christian), "Love Cats" (Lena) und "Hurt" (Jennifer) zum Besten. Nun kann man dieses Casting unter zwei Aspekten sehen. Zum einen kann man Kreativität und eigenständige Musikalität bewerten – gute Voraussetzungen für eine Karriere im Biz – , zum anderen sich streng auf die Erfolgschancen in Oslo ausrichten, wo ein internationales Publikum ohne Vorwissen um deutsche Vorausscheidungen entscheiden wird. In Sachen Kreativität fällt Jennifer natürlich etwas ab gegen den Hippie-Rocker Christian und die Charakter-Nummer Lena, aber massenkompatibel ist sie allemal. Christian hingegen hatte den für mich besten Auftritt des Abends mit der Nummer von Charlie Winston – mit Herzblut, viel Bewegung und Mundharmonika war da wirklich Rockkonzert-Atmosphäre im Woodstock-Style zu spüren! Lena hingegen hat mich noch nie so enttäuscht wie bei "Love Cats". Ihr krampfhafter Versuch, "spezielles" Englisch zu artikulieren, klingt aufgesetzt und nicht natürlich (für meine Ohren). Eigentlich gefällt mir ihr eigenwilliger Stil und ihre Individualität sehr gut, aber "The Cure" waren selbst schon so schräg, dass Lenas Version einfach nur wie eine Karikatur rüberkam. Jennifer hat mit Hurt wieder eine solide Leistung abgeliefert – allerdings fehlte mir die tiefe Ergriffenheit, die zu diesem Titel einfach dazu gehört. Ist aber auch ne sauschwere Nummer! In der Jury gab es den Abend über wieder die üblichen Lobhudeleien – Was bei Bohlen beleidigt wird, wird bei Raab gelobt; ich finde beides nicht besonders produktiv und sinnvoll. Barbara Schönberger kam etwas schräg rüber mit Sprüchen, die teils nicht verständlich waren; Jan Delay meisterte seinen Job aber sehr gut.

Eigentlich hätte ich nach dem Verlauf der vorhergehenden Sendungen auf ein Finale Lena-Christian gesetzt, aber die Wege des Publikums sind unergründlich: Im Finale stehen Lena und Jennifer. Ich finde das aber auch nicht weiter schlimm, denn Christian hätte wohl nicht wirklich auf den ESC  gepasst. Es wird sich aber hoffentlich bald jemand finden, der das ungeheure kreative Potential dieser sympathischen optischen Mischung aus Jimi Hendrix und Daniel Küblböck erkennt und den Jungen produziert.

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